Industriegasehersteller: Reitzle treibt Linde an

Industriegasehersteller: Reitzle treibt Linde an

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Das Logo der Linde AG

von Andreas Wildhagen

Seitdem der frühere Automanager und Luxus-Experte Wolfgang Reitzle die Führung bei Linde übernommen hat, geht es mit dem Konzern aufwärts. Die Aktionäre können ein Fest feiern.

Seit 2003 steht der Ingenieur Wolfgang Reitzle an der Spitze des Traditionsunternehmens Linde. Man kann sagen, des früheren Traditionsunternehmens, denn Linde hat sich – wenn auch nicht neu erfunden, so doch -  gehäutet: Ein Unternehmen der Deutschland AG ist es immer noch, das zeigt die Besetzung des Aufsichtsrates, Deutsche Bank Aufsichtsratschef Clemens Börsig ist dort genauso Mitglied wie Manfred Schneider, der frühere Bayer-Chef und RWE-Aufsichtsratschef. Schneider führt den Linde-Aufsichtsrat an, er hat Reitzle in der Vergangenheit immer vor Anfeindungen geschützt.

Einmal allerdings stand er ihm ganz vehement im Weg, so berichten jedenfalls Aufsichtsrats-Insider. Obwohl Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme dem extrovertierten Reitzle den Chefposten des größten deutschen Industriekonzerns angeboten haben soll, weigerte sich Schneider seinen Linde-Vorstandschef Reitzle ziehen zu lassen. Sehr zum Vorteil von Linde, wie sich am Freitag auf der Hauptversammlung zeigen wird.

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Linde ist mit Prozessgasen für die Automobil-, Chemie-, Mineralöl-, Stahl-, Elektronik-, Solar-, und Lebensmittelindustrie sowie für das Gesundheitswesen ebenso breit aufgestellt wie in den Regionen Europa (Umsatzanteil 51 Prozent), Asien und Amerika. 2011 ist ein Erfolgsjahr für Linde gewesen: der Umsatz stieg um sieben Prozent auf knapp 14 Milliarden Euro, Gewinn nach Steuern: 1,3 Milliarden Euro. Durch Zukäufe und internes Wachstum ist es Reitzle in den Jahren seiner Führung gelungen, den Umsatz mit Industriegasen von knapp 4 auf elf Milliarden Euro fast zu verdreifachen.

 In diesem Jahr wird die Übernahme des Geschäftes von medizinischen Gasen für ambulante Patienten („Homecare“) des amerikanischen Konkurrenten Air Products in Europa in den Umsatz einfließen. Allerdings kritisieren viele Aktionäre, der Kaufpreis von 590 Millionen Euro sei zu hoch. Ein neues Effizienzprogramm ist in Vorbereitung. Erst jetzt ist die spektakuläre Übernahme des britischen Großkonkurrenten BOC des Jahres 2006 verdaut. Reitzle will den Druck auf Mitarbeiter und Organisationsstruktur dennoch nicht wegnehmen. Es werde für Linde noch viel Gegenwind geben, sagt er voraus. Die erhöhten Energiepreise beispielsweise werden Linde noch zu schaffen machen.

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Reitzle lässt Meldungen über Expansionsschritte nicht abreißen, die schnelle Vorwärtsbewegung scheint zum Reitzle-Gen zu gehören. China ist natürlich ein Expansionsterrain: So hat das chinesisches Chemieunternehmen Dahua Group an Linde einen langjährigen Auftrag zur Industriegase-Versorgung des Standortes im Nordosten des Landes vergeben. Damit ist Linde in China die Nummer eins im Gasegeschäft. 2011 erhöhte Linde seinen Umsatz in China um 22 Prozent auf 701 Millionen Euro. In Saudi-Arabien stärkt Linde die Petrochemie, das Unternehmen soll neue Gase-Anlagen am Standort Sadara planen.

 Die persönliche Bilanz von Reitzle, der früher Bücher über Luxus schrieb und sich seit Antritt seines Linde-Chefpostens nur noch als knochentrockener Ingenieur gibt: Seit 2003 hat er den Börsenwert von Linde verzehnfacht. Sein Vertrag läuft noch bis 2014.

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