Innogy: Grüne RWE-Tochter landet hart

Innogy: Grüne RWE-Tochter landet hart

, aktualisiert 11. November 2016, 10:59 Uhr
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Im ersten Zwischenbericht nach dem Börsengang enttäuschte die RWE-Tochter die Anleger.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem fulminanten Börsenstart ist Innogy, das „grüne“ Geschäft des Energiekonzerns RWE, inzwischen deutlich abgesackt. Auch der erste Zwischenbericht enttäuscht die Anleger. Das wird auch zum Problem für RWE.

Anfang Oktober ist Innogy fulminant an der Börse gestartet. Die Anleger nahmen dem Unternehmen, in dem der Versorger RWE sein Geschäft mit der Energiewende gebündelt hat, die Aktien zum Maximalpreis von 36 Euro ab. Aus dem Stand wurde Innogy zum wertvollsten deutschen Energiekonzern. Anschließend legte der Kurs weiter zu. Inzwischen ist die Aktie aber hart gelandet. In den vergangenen Tagen fiel der Kurs schon kräftig - und am Freitag sackte das Papier zum Start des Börsenhandels mehr als sechs Prozent ab und notierte mit unter 31 Euro deutlich unter dem Ausgabekurs.

Das neue Unternehmen hatte erstmals nach dem Börsengang einen Zwischenbericht präsentiert – und enttäuschte offenbar massiv. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei in den ersten neun Monaten um sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück gegangen, teilte Innogy mit. Das Unternehmen begründete das unter anderem mit höheren Instandhaltungskosten bei den Stromnetzen und einem Sondereffekt im Vorjahr.

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Auch die britische Tochter N-Power, die mit IT-Problemen und Misswirtschaft zu kämpfen hat, belastete erneut das Ergebnis. Unter dem Strich fiel der Nettogewinn um rund 30 Prozent auf eine Milliarde Euro. Die Zahlen seien aber wegen der veränderten Kapitalstruktur nicht wirklich vergleichbar, betonte der Konzern. Finanzvorstand Bernhard Günther bezeichnete die Zahlen als „grundsolide“. Sie lägen „im Rahmen der Erwartungen“. An der Börse wurde das anders bewertet.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

  • Energiewende sorgt für Veränderungen

    Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

  • Die Unternehmen

    Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

    Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

  • Das Geschäft

    Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

    RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

  • Die Börsengänge

    Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

    RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

  • Ausblick

    Uniper und Innogy geben keine konkrete Geschäftsprognosen. Beide könnten aber bereits für 2016 eine Dividende ausschütten. Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

    Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist. Das Unternehmen peilt eine Dividende von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns an.

Dabei bekräftigte Innogy die Prognose für das Gesamtjahr: 2016 soll das Ebitda bei 4,1 bis 4,4 Milliarden Euro - also leicht unter dem Pro-Forma-Wert für 2015 von 4,5 Milliarden Euro. 2017 soll es dann leicht auf 4,3 bis 4,7 Milliarden Euro steigen. Für das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis gab Innogy nun erstmals eine Prognose für 2016 ab. Es soll bei 1,1 Milliarden Euro liegen. Der Konzern will davon 70 bis 80 Prozent an die Aktionäre ausschütten.

„Das Geschäftsjahr 2016 ist ein Jahr des kalkulierten Übergangs“, sagte Finanzchef Bernhard Günther. Ähnlich hatte sich am Mittwoch der Finanzvorstand von Konkurrent Eon, Michael Sen, geäußert. Sein Konzern hatte wegen gewaltigen Abschreibungen sogar einen Rekordverlust von 9,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

RWE hatte im Frühjahr das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netzen in Innogy eingebracht und Anfang Oktober an die Börse gebracht. Der Konzern trennte sich dabei von 23 Prozent der Anteile und führt Innogy nur noch als Finanzbeteiligung. Operativ ist der Konzern noch für die notleidende konventionelle Stromerzeugung und den Großhandel zuständig. Der Konzern ist aber auf gute Ergebnisbeiträge von der Tochter angewiesen, um die Einbußen im eigenen Geschäft auszugleichen. Die Aktie von RWE gab deshalb selbst am Freitag deutlich nach. Der Mutterkonzern wird seinen Zwischenbericht am Montag vorlegen.

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