Interview: Siemens-Forschungschef fordert Umsteuern bei Energiewende

ThemaEnergiewende

InterviewInterview: Siemens-Forschungschef fordert Umsteuern bei Energiewende

von Dieter Dürand

Der Chef der Siemens-Konzernforschung, Wolfgang Heuring, fordert Ökostrom-Anbieter künftig an den Kosten einer sicheren Energieversorgung zu beteiligen und sieht Potenzial für große Wasserstoffspeicher.

 

Der 54-Jährige ist ein Siemensianer durch und durch. Seine Karriere bei dem Münchner Technologiekonzern startete der Physiker 1990 als Gruppenleiter der Testautomatisierung. Seit vergangenem Jahr leitet er die zentrale Konzernforschung in München.

Anzeige

WirtschaftsWoche: Herr Heuring, Siemens hat die Pläne der Bundesregierung zur Energiewende früh unterstützt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Fortschritt zwei Jahre nach Ausrufung der Grünstrom-Revolution?

Heuring: Die Energiewende steht an einem kritischen Punkt. Wir müssen umsteuern, sonst werden die Ziele der Energiewende verfehlt.

Das klingt alarmierend. Welche Entwicklungen beunruhigen Sie konkret?

Die Strompreise für die privaten Haushalte und die Industrie laufen aus dem Ruder. Sie zahlen heute doppelt so viel für die Kilowattstunde wie noch im Jahr 2000. Das birgt sozialen Konfliktstoff und schmälert die Wettbewerbsfähigkeit der hier produzierenden Unternehmen. Beides können wir uns nicht leisten.

Kann demnach nur noch ein radikaler Kurswechsel die Energiewende retten?

Es geht nicht um Radikalität, sondern um Vernunft. Wenn wir sie richtig neu justieren,  können wir die Energiewende bis 2030 nach unseren Berechnungen um bis zu 150 Milliarden Euro billiger haben. Dieses Einsparpotenzial müssen wir realisieren.

Wer ist schuld an den ausufernden Kosten?

Der Fehler liegt im System. Wir fördern die erneuerbaren Energien, insbesondere die Fotovoltaik, praktisch unkontrolliert. So entsteht eine teure Parallelkapazität zu den konventionellen Kraftwerken, die wir wegen der Versorgungssicherheit weiter brauchen. Denn Wind und Sonne liefern nun einmal nicht zu allen Zeiten zuverlässig ausreichende Mengen Strom.

Welche Maßnahmen schlägt Siemens vor?

Es wäre ökologisch wie ökonomisch sinnvoll, den Ökostromanteil bis 2030 nur auf 40 statt der geplanten 50 Prozent auszubauen und zugleich deutlich mehr der relativ sauberen und hoch effizienten modernen Gas- und Dampfkraftwerke an die Elektrizitätsnetze anzuschließen. Dieselbe Absenkung des Treibhausgas-Ausstoßes ließe sich so deutlich kostengünstiger erreichen, als mit einem ungebremsten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Dieses Plädoyer hat nicht zufällig damit zu tun, dass ihr Unternehmen Turbinen für diese Art Kraftwerke baut?

Nein, wir sprechen hier nicht in eigener Sache. Gaskraftwerke sind nun einmal besonders flexibel und können daher am besten das schwankende Stromangebot der Erneuerbaren ausgleichen. Zudem ist das Ziel der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, nur mit Gas als Brennstoff zu erreichen. Kohle, die derzeit vermehrt verbrannt wird, setzt im Verhältnis bis zu drei Mal so viel CO2 je produzierter Kilowattstunde frei.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%