IW-Studie: Jede fünfte Firma leidet unter dem Klimawandel

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IW-Studie: Jede fünfte Firma leidet unter dem Klimawandel

Der Klimawandel beeinflusst nach einer IW-Studie zunehmend die Wirtschaft. Negativ betroffen etwa durch Hitzewellen oder Hochwasser seien vor allem der Logistiksektor, die Bauwirtschaft und die Metallbranche.

Der Klimawandel wirkt sich einer Studie zufolge schon jetzt auf fast jedes dritte deutsche Unternehmen aus. Knapp 20 Prozent der befragten Unternehmen sahen sich in einer am Mittwoch vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlichten Umfrage negativ und elf Prozent positiv betroffen. Für das Jahr 2030 rechnen demnach aber bereits mehr als 60 Prozent Unternehmen mit direkten oder indirekten Effekten der Erderwärmung auf sie. Über 40 Prozent gehen von negativen Auswirkungen aus.

Die Befragung unterschied zum einen zwischen unmittelbaren Effekten wie etwa Hitzeperioden, die eine bessere Klimatisierung von Werkshallen nötig machten. Zum anderen wurden aber auch indirekte Auswirkungen ermittelt, etwa staatliche Regelungen wie der Handel mit Treibhausgas-Verschmutzungsrechten oder eine Änderung des Kundenverhaltens.

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Der Klimawandel in Zahlen

  • 70.000km²

    Um 70.000 km² – das entspricht etwa der Größe Bayerns – ist der Eispanzer der Arktis in diesem Sommer gegenüber 2007 geschrumpft. 2050 könnte das nördliche Polarmeer im Sommer eisfrei sein.

  • Fast verfünffacht

    Fast verfünffacht hat sich die Zahl der Wetterkatastrophen in Nordamerika seit 1980. In Asien legte sie um das Vierfache, in Europa um das Zweifache zu.

  • Ein Drittel

    Rund ein Drittelsaurer sind die Meere geworden. Folge: Korallen, Muscheln und Fische wachsen langsamer. Bis 2100 könnte die Versäuerung um 150 Prozent steigen.

  • 0,4°C

    0,4°C ist die Erde seit 1980 wärmer geworden. Bis 2100 könnte sich das Klima um rund vier Grad aufheizen.

  • 5cm

    Um 5 cm sind die Meeresspiegel seit 1990 im Mittel gestiegen. Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad werden die Pegel wahrscheinlich um 2,7 m höher sein.

  • 15 Prozent

    Um 15 Prozent sinkt die Reisproduktion bis 2050 in den Entwicklungsländern als Folge der globalen Erwärmung. Bei Weizen werden 13 Prozent weniger geerntet werden.

Besonders stark werden sich dem IW zufolge die Klimaveränderungen Metallbranche, Bauwirtschaft und Logistik auswirken. Hoch- oder Niedrigwasser der Flüsse kann beispielsweise zunehmend Transporte erschweren. Gleichzeitig profitierten bestimmte Unternehmen der Elektroindustrie, des Fahrzeugbaus oder der Bauindustrie etwa mit Angeboten zum Klimaschutz und zur Isolierung. Eine finanzielle Schätzung der Schäden oder notwendigen Investitionen wegen des Klimawandels wird in der Studie nicht genannt.

Folgen des Klimawandels in Deutschland

  • Temperaturen

    Zwischen 1901 und 1910 lag die Jahresmitteltemperatur in Deutschland je nach Region zwischen 7 und 12 Grad, zu den wärmsten Gegenden zählten der Oberrheingraben und das Kölner Becken. Bis zum Vergleichsjahrzehnt 2001 bis 2010 stiegen die Temperaturen je nach Region zwischen 0,25 und 2 Grad. Besonders sichtbar sind diese Sprünge in Teilen von Brandenburg und Sachsen-Anhalt, aber auch in Teilregionen von Hessen und Bayern. Nur in einem schmalen Korridor zwischen Kiel, Hamburg und Hannover blieb es kühler. Auf der Basis dieser Werte rechnen die Forscher zwischen 2011 und 2100 mit einem weiteren Anstieg der Werte um 3,6 bis 4 Grad - je nach Region. Das ist die Grundlage für die Berechnung der Szenarien für einzelne Regionen. Die Einzelergebnisse für jeden Landkreis werden aber erst Anfang Dezember veröffentlicht.

  • Wasser

    Die Wasserressourcen fallen in den kommenden Jahrzehnten je nach Region sehr unterschiedlich aus. So haben Modellberechnungen für die Ems ergeben, dass sie eher mehr Wasser führen wird als heute - außer im Sommer. Ganz anders sieht es für die Elbe aus. In ihrem Einzugsgebiet gibt es nach den Szenarien weniger Wasser, weil es im Sommer seltener regnet und durch die Hitze auch mehr Wasser verdunstet. Die Schneeschmelze im Winter kann die Gesamtbilanz nicht mehr ausgleichen. Extreme Niederschläge im Winter steigern aber gleichzeitig das Hochwasserrisiko. Wassermangel in Flüssen hat nicht nur Folgen für Flora und Fauna. Auch die Schifffahrt kann beeinträchtigt werden. Mit großer Knappheit wird im Leipziger Becken, im Oderbruch, Sachsen-Anhalt und in der Oberrheinebene gerechnet.

  • Wälder

    Mehr Wärme könnte die Vegetationsperiode der Bäume verlängern. Das führt erst einmal zu positiven Effekten: Wälder könnten mehr schädliches Kohlendioxid aus der Luft filtern. Und die Forstwirtschaft hat durch das Wachstum etwas mehr Holz zur Verfügung. Diese Pluspunkte könnten aber durch die größere Trockenheit gleich wieder schwinden. Denn sie stresst die Wälder und macht Bäume anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Dazu steigt zum Beispiel in Brandenburg die Waldbrandgefahr um 16 Prozent. Buchen gelten als Verlierer der Entwicklung, Kiefern zählen eher zu den Gewinnern. Für die Zukunft empfehlen die Forscher die Pflanzung von Mischwäldern - um mögliche Ausfälle einer Baumart ausgleichen zu können.

  • Landwirtschaft

    Die gute Nachricht lautet, dass ein Rückgang der Produktion eher unwahrscheinlich ist. Denn die Vegetationszeit verlängert sich durch mehr Wärme, Winterkulturen profitieren davon. Im Sommer lassen sich trockenere Böden von Jahr zu Jahr durch Spielräume bei Fruchtarten, Sortenwahl und Düngung kompensieren. Ein Problem aber wird in einigen Regionen häufiger Wassermangel durch zu wenig Regen im Sommer. Das trifft vor allem Mais und andere Sommerkulturen, weil sie früh beim Wachstum gehemmt werden. Hier können Investitionen wie zum Beispiel in Rückhaltebecken oder künstliche Bewässerung ins Geld gehen. Ein Umdenken ist auch bei Drainagen gefragt - denn dadurch geht Grundwasser verloren.

  • Energie

    Im Sommer wird die Hitze das Flusswasser in einigen Regionen wahrscheinlich so erwärmen, dass es nicht mehr als Kühlwasser für Kraftwerke verwendet werden kann. Sie müssten zeitweise abgeschaltet werden. Auch bei Wasserkraftwerken ist wegen weniger Wasserdruck im Sommer mit Einbußen zu rechnen. Beim Wind und Sonne rechnen Wissenschaftler besonders im Winter mit einer leichten Zunahme der Auslastung. Da die Kraftwerke im Sommer beeinträchtigt sind, nutzt das zum Ausgleich ohne effektive Speicher nicht viel.

Laut der Umfrage fühlten sich im Rückblick auf 2011 bereits ein Fünftel der deutschen Firmen negativ betroffen - etwa, weil sommerliche Hitzewellen größere Ausgaben für die Kühlung von Hallen erforderten oder Hochwasser Schiffstransporte erschwerten. Auch staatliche Regulierungen zum Klimaschutz wurden genannt. Für 2030 rechnen laut der Studie bereits 43 Prozent der Unternehmen mit negativen Auswirkungen.

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Positive Folgen des Klimawandels etwa durch höheren Umsatz mit der Isolierung von Häusern in der Bauwirtschaft meldeten für 2011 elf Prozent der Unternehmen. Für 2030 rechnen immerhin wieder 19 Prozent der Befragten mit positiven Auswirkungen.

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