Jahrelange Versäumnisse: Warum die Bundeswehr auf einem Haufen Schrott sitzt

ThemaRüstung

Jahrelange Versäumnisse: Warum die Bundeswehr auf einem Haufen Schrott sitzt

von Stephan Happel

Selten zuvor stand die Bundeswehr so einsatzunfähig da, wie in den vergangenen Tagen. Schuld sind jahrelange Versäumnisse der Militärführung und ein kompliziertes Verhältnis zur Rüstungsindustrie.

Ihre Fahrzeuge sind nicht einsatzfähig. Ihre Flugzeuge stranden auf dem Weg nach Afrika auf einer Insel. Bei ihren Helikoptern fällt einfach die Bewaffnung ab. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften hinzu. Die Bundeswehr scheint plötzlich nur noch einen Haufen Schrott zu besitzen.

Anzeige

Über das Wort „plötzlich“ können Rüstungsexperten nur lachen. Intern sind die Probleme seit langem bekannt. Dabei ist eine defekte Transall nur Symptom für Probleme, die weit tiefer gehen und den Zustand von Deutschlands Armee grundsätzlich in Frage stellen. Schon 2011 galt keine Armee der Nato als weniger effizient und schlechter ausgerüstet als die Bundeswehr.

Da kann die Regierung noch so sehr betonen, dass die gegenwärtigen Einsätze nicht gefährdet sein: Die Probleme der Bundeswehr sind gigantisch. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen selbst spricht von einer „richtig großen Baustelle“.

„Keiner kümmert sich“

Kein Verteidigungsminister der vergangenen Jahre habe sich intensiv mit dem Grundbetrieb der Armee befasst, räumt von der Leyen mittlerweile selbst ein.  „Vergleichen Sie die Bundeswehr mit einem Auto, das weiterverkauft wird“, sagt Heinz Schulte, Chef des Informationsdienstes Griephan und deutscher Rüstungsexperte. „Jeder neue Fahrer weiß, dass Reparaturen nötig wären. Aber so lange noch alles läuft, kümmert sich keiner.“ Statt das Getriebe zu warten, wird neu lackiert.

Einsatzbereitschaft der Waffensysteme der Bundeswehr

  • Die Mängelliste der Bundeswehr

    Ein nicht unerheblicher Teil des Materials der Bundeswehr ist momentan nicht einsatzfähig. Es fehlt auch an Ersatzteilen. Besonders beim Fluggerät sind die Ausfälle gravierend. Das geht aus einem Bericht der Bundeswehr hervor.

    Quellen: Bundeswehr/dpa

  • Hubschrauber "Tiger"

    Bestand: 31

    Nicht einsatzbereit: 21

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 10

  • Hubschrauber NH90

    Bestand: 33

    Nicht einsatzbereit: 25

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 8

  • Hubschrauber "Sea King"

    Bestand: 21

    Nicht einsatzbereit: 6

    In Wartung / Instandsetzung: 12

    Einsatzbereit: 3

  • Hubschrauber "Sea Lynx"

    Bestand: 22

    Nicht einsatzbereit: 4

    In Wartung / Instandsetzung: 14

    Einsatzbereit: 4

  • Hubschrauber CH53

    Bestand: 83

    Nicht einsatzbereit: 40

    In Wartung / Instandsetzung: 27

    Einsatzbereit: 16

  • Kampfjet "Eurofighter"

    Bestand: 109

    Nicht einsatzbereit: 35

    In Wartung / Instandsetzung: 32

    Einsatzbereit: 42

  • Kampfjet "Tornado"

    Bestand: 89

    Nicht einsatzbereit: 23

    In Wartung / Instandsetzung: 28

    Einsatzbereit: 38

  • Korvette K130

    Bestand: 5

    Nicht einsatzbereit: 3

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 2

  • Fregatten

    Bestand: 11

    Nicht einsatzbereit: 3

    In Wartung / Instandsetzung: 1

    Einsatzbereit: 7

  • U-Boot U212

    Bestand: 4

    Nicht einsatzbereit: 3

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 1

  • Panzer "Marder"

    Bestand: 406

    Nicht einsatzbereit: 126

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 280

  • Truppentransporter "Boxer"

    Bestand: 180

    Nicht einsatzbereit: 110

    In Wartung / Instandsetzung: 0

    Einsatzbereit: 70

In den vergangenen Jahren  wurde der Bundeswehr sogar Geld für Wartungsaufgaben entzogen. Der Verteidigungsetat lag zuletzt bei 32,8 Milliarden Euro, leicht unter Vorjahreswert. Das reicht laut SIPRI-Bericht immerhin für Platz 7 der Weltrangliste. Gemessen an der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands sind die Militärausgaben aber viel zu gering, sagen Bündnispartner. Die Bundesrepublik gibt nur 1,3 bis 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Armee aus. Zwei Prozent gelten auf Nato-Ebene als annehmbarer Wert.

Viel gravierender: Der Anteil der Mittel, der für Material ausgegeben wird, ist in den vergangenen Jahren auf 16 Prozent gesenkt worden. Die Nato gibt 20 Prozent als Ziel vor, besser wären 30. Die Folge des Spardrucks: Wichtige Ersatzteile wurden nicht bestellt und fehlen nun für Reparaturen. Korrigieren lässt sich das nicht so einfach. Die Produktion von komplexen Ersatzteilen dauert Monate, in Extremfällen bis zu zwei Jahre. Die Folgen bekommt die Bundeswehr gerade mit voller Härte zu spüren.

Doch das ist nur die eine Seite des Mängelproblems. Denn trotz aller Baustellen, trotz aller Geldsorgen sind 2013 etwa 1,5 Milliarden Euro an den Bundeshaushalt zurückgeflossen, in diesem Jahr sei es voraussichtlich eine Milliarde.

Das mag am Missmanagement liegen, wie die Opposition gerade betont. Aber auch daran, dass viele Mittel für Rüstungsgüter nicht abgerufen worden, weil die Industrie nicht rechtzeitig lieferte. Und auch das führt zu den hohen Schadens Pannen und Peinlichkeiten. Die Bundeswehr benutzt Geräte, die längst ausgemustert sein sollten. Weil es aufgrund von Lieferproblemen beim A400M keinen Ersatz gibt, muss etwa der veraltete Transportflieger Transall gerade Höchstleistungen bringen und entwickelt sich deshalb zum besonderen Sorgenkind: Gerade einmal 24 von 56 Flugzeugen sind derzeit einsatzbereit.

Verspätungen mit Ansage

Dass sich Rüstungsprojekte verspäten und immer teurer werden, hat Tradition. Der Kampfhubschrauber Tiger wurde seit Mitte der Achtziger  entwickelt, ein erster Prototyp flog 1991, aber die Bundeswehr konnte die Hubschrauber erst 2013 nach dutzenden Umbauten, Korrekturen und Modernisierungen zur Unterstützung in Afghanistan einsetzen.

Ebenfalls in den Achtzigern entwickelten Industrie und europäische Armee einen neuen Kampfjet. Es dauerte Jahrzehnte. Der als „Jäger 90“ geplante Flieger wurde erst in Eurofighter 2000 umbenannt und erst 2006 als Eurofighter Typhoon erstmals in Dienst gestellt. Ein Name ohne Jahreszahl schien den Verantwortlichen am Ende wohl sicherer.

Die Konstruktion dauerte nicht nur länger, sie wurde auch sehr viel teurer. 65 Millionen D-Mark sollte das Flugzeug laut Planungen 1988 kosten. Der Stückpreis explodierte, liegt mittlerweile bei knapp 139 Millionen Euro.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%