Jahresbilanz: Siemens will einen Kulturwandel

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KommentarJahresbilanz: Siemens will einen Kulturwandel

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Mit einem Kulturwandel will der neue Vorstandschef Joe Kaeser das Unternehmen zurück zu alter Stärke zu führen.

von Matthias Kamp

Erst die Deutsche Bank, nun Deutschlands führender Technologiekonzern: Der neue Vorstandschef Joe Kaeser will einen neuen Stil etablieren. Um das Unternehmen zurück zu alter Stärke zu führen, dürfte das allerdings nicht reichen.

Joe Kaeser kann es an diesem Tag nicht oft genug sagen. „Die Leute haben darauf gewartet, dass mal wieder einer mit ihnen redet“, sagt der Siemens-Vorstandsvorsitzende am Rande der Präsentation der Jahresbilanz für das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr in Berlin. Kaeser, der Ende Juli die Nachfolge von Peter Löscher als Konzernchef angetreten hatte, will künftig für mehr Offenheit und Transparenz im Unternehmen sorgen, will vor allem „die Kommunikation nach Innen und nach Außen“ verbessern. Es könne nicht sein, dass Siemens-Mitarbeiter Angst hätten. "Die Mitarbeiter müssen wissen, ihnen wird nicht der Kopf abgerissen, wenn Sie sagen: Ich komme hier nicht mehr weiter", sagte Kaser. Glasnost und Perestroika am Wittelsbacher Platz.

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Für die Präsentation der Jahresbilanz hat Kaeser sich darum etwas ganz Besonderes ausgedacht. Neben den mehr als 80 Journalisten wolle er außerdem 80 Siemens-Mitarbeiter zu der Pressekonferenz am heutigen Donnerstag einladen, überraschte er am vergangenen Sonntag seine Kommunikationsabteilung. Die musste erstmal klären, wie so etwa technisch zu bewerkstelligen sei. Schließlich bekamen alle 12.000 Siemens-Mitarbeiter in Berlin per E-Mail eine Einladung. „Mehrere Hundert“, so ein Sprecher, hätten Interesse bekundet. Am Ende wurden per Losverfahren 80 ausgewählt. Wohl ein Novum unter den Dax-Konzernen.

Kaesers Vorgänger Löscher neigte eher dazu, sich einzuigeln und sich abzukapseln. Einen Hang zum Autismus sagten ihm manche nach. Der Österreicher hatte nicht die Mentalität und das Temperament, ungezwungen auf die Mitarbeiter zuzugehen. Kaeser ein Menschenfischer? Belegschaft und Investoren versprach er bessere Zeiten. "Wir wollen nicht nur technisch, sondern auch kommerziell zu den besten Unternehmen gehören", kündigte er an. Tatsächlich versteht es der Franke deutlich besser als Löscher, die Angestellten zu begeistern und mitzunehmen, auch wenn es mal schwierig wird.

Wo Siemens den Anschluss verpasst hat

  • Telefonie

    Nach jahrelangen Verlusten verkaufte Siemens das Handygeschäft an die später in die Pleite geschlitterte BenQ. Die Heimtelefone wurden ins selbstständige Unternehmen Gigaset ausgelagert.

  • Netzwerke

    Weil Siemens bei der Technologie für Kommunikationsnetzwerke hoffnungslos hinterherhinkte, schob man das Geschäft in das Joint-Venture NSN ab, das Nokia jetzt komplett übernimmt.

  • Computer

    Auch im einst großen IT-Geschäft geriet Siemens ins Hintertreffen und verkaufte: Die Hardware ging an den japanischen Partner Fujitsu, die IT-Dienstleistungen an die französische Atos.

  • Halbleiter

    Im Jahr 2000 brachte Siemens seine Chipaktivitäten als Infineon an die Börse; passive Bauelemente wie Transistoren wurden als Epcos abgespalten. Sie gehören heute TDK aus Japan.

  • Lichttechnik

    Weil Siemens den anhaltenden Preisdruck und die notwendigen Investitionen nicht allein stemmen wollte, ging die Lichttochter Osram Anfang Juli an die Börse.

Die Gabe wird er brauchen, denn einfach dürften die nächsten Jahre nicht werden. Gegenüber Wettbewerbern hat Siemens in den vergangenen Jahren massiv an Boden verloren. „Im Vergleich zu unseren wichtigsten Wettbewerbern blieb unsere Umsatzentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr um 3,6 Prozentpunkte zurück“, so Kaeser in Berlin. Hohe Abschreibungen auf verbockte Projekte belasten außerdem die Bilanz. Schlimmer aber: Der Konzern verliert an Innovationskraft. Das finden auch 45 Prozent der 37.0000 Siemens-Mitarbeiter wie Kaeser kürzlich bei einer Mitarbeiterbefragung herausfand.

Für das laufende Geschäftsjahr versprach Kaeser seinen Investoren bei stagnierenden Einnahmen von knapp 76 Milliarden Euro steigende Gewinne. Das Ergebnis je Aktie werde in dem seit Oktober laufenden Geschäftsjahr um mindestens 15 Prozent zulegen.

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