Japanische Hersteller: Ohne TV geht's auch

Japanische Hersteller: Ohne TV geht's auch

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 07:09 Uhr
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Eine Frau schaut sich einen Panasonic-Fernseher an.

von Jan KeuchelQuelle:Handelsblatt Online

Es ist noch keine fünf Jahre her, da gab Panasonic die Losung aus, der Welt größter Produzent von Flachbildschirmen zu werden. Jetzt scheinen diese Träume endgültig zerplatzt - auch für andere Unternehmen.

TokioDas Unternehmen aus dem japanischen Osaka strukturiert die TV-Sparte drastisch um - ebenso wie zuvor schon die Konkurrenten Sharp, Hitachi, Toshiba und Sony. "Wir waren überzeugt, dass wir Erfolg haben werden durch Massenproduktion, aber das Marktumfeld hat das nicht zugelassen", sagte Panasonic-Boss Fumio Ohtsubo.

Damit meint er den zermürbenden Preiskampf, vor allem mit den koreanischen Herstellern Samsung und LG. Aber auch Wettbewerber aus China und Taiwan drängen die Japaner zunehmend aus einem ihrer bisherigen Stammgeschäfte. Bei Panasonic war das letzte Geschäftsjahr das dritte in Folge mit Minuszahlen im TV-Bereich. Bereits im April waren Investitionen für das laufende Geschäftsjahr eingefroren worden. Sony und Hitachi produzieren ebenfalls Verluste, Toshiba schaffte es im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr so eben in die schwarzen Zahlen.

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Das Geschäft mit TV-Geräten steht seit Jahren weltweit unter Druck, die Hersteller von Plasma- und LCD-Bildschirmen verzeichnen zunehmend Verluste. Für die Japaner, die intensiv auf die LCD-Sparte gesetzt und große Investitionen getätigt hatten, ist die Entwicklung besonders bitter. Wie bitter, das wird sich Anfang November zeigen: Dann legen Japans Konzerne die Halbjahreszahlen vor.
Die Dramatik der Situation zeigt sich darin, dass Panasonic offenbar die Produktion in einer erst im letzten Jahr eröffneten, hochmodernen Fabrik für Plasma-Bildschirme in Japan stoppen will. Auch eine LCD-Fabrik soll verkauft werden - an ein neues japanisches Gemeinschaftsunternehmen namens Japan Display. Daran sind Toshiba, Sony, Hitachi und die staatliche Agentur Innovation Networt Corp (INCJ) beteiligt. Als weitere Sparmaßnahme sollen etwa 1000 Stellen abgebaut werden. Dabei streicht Panasonic im Zuge der Integration des übernommenen Konkurrenten Sanyo schon rund 17000 Jobs.
Bei TV-Geräten nichts mehr zu holen.

Anstatt weiter auf kleinere bis mittelgroße TV-Bildschirme zu setzen, werfen die japanischen Unternehmen jetzt all ihre Kraft in das Geschäft mit Displays für Smartphones und Tablet-PCs. Bei mittelgroßen TV-Geräten sei einfach nichts mehr zu holen, sagt Sharp-Präsident Mikio Katayama: "Niemand kann damit wirklich noch Geld verdienen." Sharp hat daher vor kurzem angekündigt, aus dem Geschäft mit mittelgroßen LCD-Bildschirmen ganz auszusteigen und sich nur noch auf die Winzlinge sowie auf Mega-Bildschirme ab 60 Zoll zu fokussieren.

Ähnliches plant auch "Japan Display", das Ende des Jahres gegründet werden soll. Nach Angaben der Unternehmen ist geplant, es 2016 an die Börse zu bringen. Nimmt man die Zahlen von 2010 als Maßstab, würde Japan Display einen Marktanteil von über 21 Prozent auf sich vereinigen und wäre Marktführer. Bisher ist Sharp die Nummer eins mit 14,8 Prozent Marktanteil.

Allein zu überleben werde für japanische Konzerne zunehmend schwieriger, erläutert Branchenkenner Yuichi Ishida, Analyst bei der Investmentbank Mizuho Investors Securities. "Mit dem Joint Venture soll die Präsenz japanischer Hersteller im globalen Markt gestärkt werden."

Marktbeobachter halten die Produktstrategie von Japan Display für sinnvoll. Sie glauben, dass der Markt für Smartphones und Tablet-PCs in den nächsten Jahren rasant wachsen wird, allein 2011 sollen weltweit rund 50 Millionen Tablet-PCs verkauft werden. Laut US-Marktforschungsinstitut DisplaySearch wird der Wert des weltweiten Geschäfts von kleinen bis zu mittelgroßen LCD-Bildschirmen 2011 auf 1,9 Billionen Yen (17 Milliarden Euro) wachsen. Das ist ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aber auch die Koreaner geben in diesem Segment mächtig Gas. Denn Samsung und LG kränkeln im TV-Geschäft ebenfalls. So gestand LG Display ein, dass sich der Betriebsverlust im dritten Quartal auf 492 Milliarden Won ausgeweitet hat - umgerechnet rund 313 Millionen Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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