Joe Kaeser: Alstom wird für Siemens-Chef eine schwere Bewährungsprobe

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Joe Kaeser: Alstom wird für Siemens-Chef eine schwere Bewährungsprobe

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Noch kein Jahr im Amt, muss Siemens-Chef Joe Kaeser in den Clinch mit Genral-Electric-Chef Immelt um den Einstieg bei Alstom.

Siemens-Chef Kaeser steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Er muss nicht nur den geplanten Unternehmens-Umbau stemmen, sondern auch mit GE um Alstom kämpfen. Die Chance, zu gewinnen, hat er - aber zu welchem Preis?

Von Matthias Kamp, Mario Brück, Karin Finkenzeller, Christian Schlesiger, Martin Seiwert und Andreas Wildhagen.

Als an einem Wochenende im vergangenen Juli in einer beispiellosen Schlammschlacht um die Nachfolge von Siemens-Chef Peter Löscher gerungen wurde, trug Joe Kaeser eine Feuerwehruniform. Die freiwillige Feuerwehr in Thalersdorf, einem Nest mit ein paar Hundert Seelen, das zu Kaesers Heimatdorf Arnbruck im Bayerischen Wald gehört, hatte zum alljährlichen Sommerfest geladen. Kaeser ist seit Jahrzehnten Mitglied. Die Sonne schien, ein neues Feuerwehrauto wurde eingeweiht, die Stimmung war gut.

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Während Aufsichtsräte und Vorstände in zahllosen Handytelefonaten und Geheimtreffen einen Nachfolger für den glücklosen Löscher zu bestimmen suchten, marschierte der damalige Siemens-Finanzvorstand Kaeser fröhlich mit im örtlichen Kirchenzug. „Zwar schaute er oft auf sein Handy“, erinnert sich einer, der dabei war, „aber er war hier, und das war wichtig.“

Arnbruck hat knapp 2000 Einwohner und ist Idylle pur. Schmale Straßen schlängeln sich den Berg hinauf. Die Gasthäuser heißen „Zum Dorfwirt“ oder „Zur Linde“. Über dem Tor zum Spritzenhaus steht in roter Frakturschrift „Freiwillige Feuerwehr“. Im Hintergrund erheben sich die grünen Züge des Bayerischen Waldes.

Kaeser, seit neun Monaten Siemens-Chef, lebt hier mit seiner Familie völlig unauffällig. Wann immer es die Zeit erlaubt, kommt er zurück in die Heimat. Der Chef des 76-Milliarden-Euro-Konzerns gilt im Dorf als zugänglich, kommunikativ und unkompliziert. Jedes Standesdünkel sei ihm fremd, erzählen sie sich.

Siemens unter Zugzwang

Es sind Qualitäten und Fähigkeiten, die Kaeser in nächster Zeit mehr brauchen wird, als ihm lieb sein kann. Denn er muss die fast 370 000 Siemens-Mitarbeiter rund um den Globus mitnehmen auf eine Reise, die nicht nur lang und teilweise unvergnüglich werden kann.

Seit einer Woche ist auch völlig offen, wo diese Reise hingeht. Denn mitten in die letzten Abstimmungen für Kaesers Masterplan, mit dem der 56-jährige Niederbayer Siemens umbauen und von bürokratischen Fesseln befreien will, platzte das Übernahmeangebot des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) für den angeschlagenen französischen Konzern Alstom. Am kommenden Mittwoch will Kaeser seinen Umbauplan der Öffentlichkeit vorstellen; doch es ist ein Plan, der angesichts des Vorstoßes aus Amerika in den kommenden Wochen und Monaten an einigen Stellen wohl noch angepasst werden wird. GE-Chef Jeffrey Immelt hat Kaeser die Show fürs Erste verhagelt.

Knapp 13 Milliarden Euro bietet der Konzern aus Connecticut für die Energietechniksparte der Franzosen. Seitdem steht Kaesers Genesungsplan im Schatten einer der größten Übernahmeschlachten in der europäischen Industrie seit Jahren – und der neue Siemens-Chef vor der schwersten Bewährungsprobe seiner bisherigen Laufbahn. Nach der Korruptionsaffäre vor sieben Jahren, die das Unternehmen an den Rand des Zusammenbruchs brachte, geht es am Wittelsbacher Platz wieder ums große Ganze – um die Zukunft des wichtigsten deutschen Technologiekonzerns.

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Eine Allianz aus GE und Alstom ließe vor der Haustür der Münchner ein Schwergewicht entstehen, das Siemens vor allem im Energiegeschäft schwer zu schaffen machen würde. „Auf mittlere Sicht würde das neu geschmiedete Unternehmen ein gefährlicher Wettbewerber für Siemens“, sagt Wolfgang Donie, Analyst der Nord/LB.

Mit seinem Produktportfolio – etwa Wind- und Gasturbinen, Kraftwerksgeneratoren, Wassertechnik, aber auch Medizintechnik – ist GE mit einem Umsatz von 110 Milliarden Euro ein direkter Wettbewerber. Für die Münchner ist der hoch profitable GE-Konzern, dessen Bonität Standard & Poor’s mit der Supernote AA+ bewertet, seit Jahrzehnten ein gefürchteter Gegner und zugleich ein Vorbild. „Schlagt General Electric“, lautete schon die Parole des früheren Siemens-Chefs Heinrich v. Pierer. Auch für Kaeser ist GE das Maß aller Dinge, vor allem, was die Profitabilität betrifft.

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