Jubiläum: Krupp und die Lasten der Vergangenheit

Jubiläum: Krupp und die Lasten der Vergangenheit

, aktualisiert 20. November 2011, 15:49 Uhr
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Das Bild aus dem Jahr 1961 zeigt einen 28,8-t-Dampfturbinenläufer in einer Fabrikhalle.

von Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Das Unternehmen Krupp ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten vor der imposanten Kulisse des Ruhrgebietes zu einem Weltkonzern und nationalen Symbol aufgestiegen.

EssenNichts deutete darauf hin, dass die kleine Firma am Stadtrand von Essen jemals ein Weltkonzern werden könnte. Der Betrieb war einer jener Start-up-Buden, mit denen deutsche Pioniere im 19. Jahrhundert dem industriellen Boom Großbritanniens nacheiferten. Ihr Gründer, ein gewisser Friedrich Krupp, wollte Stahl produzieren.

Am 20. November 1811 hatte er seine Gussstahlwerke Fried. Krupp gegründet - ohne rechte Ahnung von der Stahlherstellung zu haben. Der 200. Jahrestag wird am Sonntag mit 200 erlesenen Gästen, darunter dem Bundespräsidenten, gefeiert - in der Villa Hügel, dem alten Stammsitz einer Familiendynastie, die zu einem nationalen Symbol geworden ist. Und deren Obrigkeit für breite Schichten der Bevölkerung die Personifizierung ihres ideologischen Feindbilds war.

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Ein bisschen wie heute der Deutsch-Banker Josef Ackermann. Dass die Feier stattfindet, grenzt an ein Wunder. Geld hat Firmengründer Friedrich Krupp jedenfalls nicht verdient, vielmehr verbrannte er das Kapital seiner Vorfahren. Als er im Jahr 1826 aus dem Leben schied, hinterließ er Schulden und eine Firma, die nichts als Verluste schrieb.

Selbst in besten Zeiten hatte Krupp nie mehr als zehn Menschen Arbeit gegeben. Nach dem Tod des Gründers schien es so weiterzugehen. Der Nachfolger Alfred Krupp zählte gerade 14 Lebensjahre und litt unter Asthma. Doch der Spross erwies sich als geschäftstüchtig. Er verlegte sich auf die Fertigung von innovativen Produkten für die Eisenbahnindustrie und formte aus Krupp einen Konzern mit 20 000 Mitarbeitern. Eines der Standbeine, die das Konzernbild prägten, war die Kanonenproduktion.


Krupp, die Kanonenkönige

Mit der Rüstung kam immer wieder die Prominenz in die Villa Hügel: Nach einem Besuch der Krupp-Werke bestellte der Preußen-König und spätere deutsche Kaiser Wilhelm 1859 im größeren Umfang Geschützrohre. Heerscharen von Königen, Kaisern und Präsidenten haben seither in Villa Hügel den Krupps die Hand gereicht. Zeitweilig war die Familie die reichste Europas, vielleicht sogar der Welt. Der Aufstieg speist den Mythos, der die Krupps umweht. Erklären lässt er sich damit nicht. Vielmehr sind es die tiefen Abstürze, die Krupp eben jene Besonderheit verleihen, wie sie kein anderes Unternehmen hat.

Krupp - das sind die Kanonenkönige, die Weltkriege entfesselt und mit den Nazis paktiert haben. Krupp ist aber auch eine Familie, die geniale Erfinder und Unternehmer gebar, aber den Konzern in schlechten Zeiten an den Rand der Pleite führten. Wie ein Zocker am Roulette-Tisch hat Alfred Krupp Mitte des 19. Jahrhunderts alles Geld in die Expansion gesteckt und damit den Konzern aus der Gründerkrise in die Liquiditätskrise gestürzt.

Es blieb nicht die einzige, in den Folgejahren drohte Krupp immer wieder das Geld auszugehen; auch die Fusion mit Thyssen vor zwölf Jahren war letztlich eine Notlösung, um ein Aus zu verhindern. Die Abstürze und das Wiederaufstehen, das sind die Zutaten, aus denen sich der Mythos Krupp zusammensetzt.

Der Stahlkonzern ist darüber eng mit der deutschen Geschichte verwoben - mehr als Siemens, Volkswagen oder Daimler. Die Unternehmen sind zwar heute erfolgreicher, gegenüber Krupp wirken sie aber blutleer.


Der Mythos endet nicht

Krupp ist Theater vor der imposanten Kulisse des alten Ruhrgebiets. Fauchende Hochöfen und die zahllosen Fördertürme und Schlote regten seit jeher die Fantasie vieler an. Auf der Bühne fanden und finden sich Protagonisten unterschiedlichster Couleur. Ohne Skrupel verkaufte Alfred Krupp seine Kanonen in aller Herren Länder. Die Familie profitierte auch vom letzten Weltkrieg - büßen musste dafür mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ein wenig Belasteter. Er hatte erst 1943 das Ruder übernommen.

Zu seinen Verdiensten zählt, dass er mit Berthold Beitz einen Manager holte, der über jeden Zweifel erhaben war. Als Leiter einer Ölfirma rettete er während des Zweiten Weltkriegs Hunderten Juden in Polen das Leben. Seit Alfrieds Tod im Jahr 1967 wacht Beitz über das Erbe der Krupps, deren Vermögen in eine Stiftung eingebracht wurde.

Alfried war der letzte Krupp, der Mythos endet mit ihm aber nicht. Der Name Krupp hat ein Eigenleben entwickelt; Teil davon ist Berthold Beitz, der weltgewandt und kunstbeflissen das gute Gesicht von Krupp ist. Als Chef der Krupp-Stiftung, dem größten Aktionär, feilt er an der Legende. Vor der 200-Jahrfeier erschien eine Reihe positiver Bücher.

Aber auch die können nicht verhüllen, dass der Konzern einer Restauration bedarf. Thyssen-Krupp ist knapp bei Kasse, wieder einmal ging zu viel Geld in die Expansion. Jetzt steht ein Schrumpfkurs an, dem sogar Teile des Stahlgeschäfts geopfert werden. Aber das wird der Legende keinen Abbruch tun.

Quelle:  Handelsblatt Online
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