Kaffee-Industrie: König der Korngrößen

Kaffee-Industrie: König der Korngrößen

, aktualisiert 24. November 2011, 11:09 Uhr
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In aufwendiger Fertigung entstehen die Mahlwerke des Branchenführers in Hamburg.

Quelle:Handelsblatt Online

Die perfekte Bohne kommt aus Übersee, der perfekte Espresso aus Italien, die perfekte Kaffeemühle? Aus Hamburg. Der Weltmarktführer Mahlkönig setzt auf Handarbeit, Präzision und anspruchsvolle Kunden.

HamburgBei Nils Erichsen kommt nicht irgendetwas in die Tasse: Ein guter und frisch gemahlener Kaffee ist für ihn selbstverständlich. Der 46 Jahre alte Hamburger Unternehmer ist Chef des Weltmarktführers für Kaffeemühlen. Wer die unscheinbaren Büroräume von Mahlkönig im Hamburg betritt, wird von einem verführerischen Kaffeeduft empfangen. Mancherorts ähneln die Räume einem Museum - bunte und moderne Kaffeemühlen reihen sich an antike Schätzchen. Hier dreht sich alles um den perfekt gemahlenen Kaffee.

Erichsen ist seit rund zehn Jahren Chef des Familienunternehmens, das 2014 seinen 90. Geburtstag feiert. Die Kernkompetenz ist das Herz der Mühle, die Mahlscheibe. Billig sind die Produkte nicht, aber in seinem Premium-Segment ist Mahlkönig Marktführer. Zwischen 1000 und 20.000 Euro kosten die Mühlen, die überwiegend an Industrie- und Gastronomiebetriebe oder Kaffeeläden verkauft werden. Nur zwei Haushaltsmühlen hat das Unternehmen im Sortiment, sie kosten 500 bzw. knapp 1000 Euro. Rund 4000 Stück werden davon im Jahr verkauft.

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Qualität steht für Unternehmenschef Erichsen an erster Stelle. „Wir verfolgen konsequent die Premium-Strategie, als letztes kommt erst der Preis“, erklärt er. Das Werk in Hamburg verlassen pro Jahr rund 20.000 fertige Mühlen. Gemeinsam mit der Schweizer Schwesterfirma Ditting hat Mahlkönig einen Jahresumsatz von 40 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 32 Millionen Euro). Hergestellt werden die Mühlen teils in Handarbeit, teils mit Hilfe von Maschinen.

Bis aus dem Stahlrohling eine Mahlscheibe und schließlich die fertige Mühle wird, ist es ein langer Weg. Zunächst werden die Stahlstücke in Rohlinge zersägt. Nach dem Glühen werden sie gedreht und die Zähne geschliffen, gefräst und gelasert. Größte Präzision ist dabei unerlässlich. Jede Mahlscheibe soll genau den Wünschen des Kunden entsprechen. Als letzter Schritt folgt die Montage der Mühlen, die je nach Modell mehrere Stunden dauern kann.


Fast 200 Mahlscheiben-Modelle stehen zur Auswahl

Gemeinsam mit Ditting produziert Mahlkönig pro Jahr über 350.000 Rohlinge und fertige Mahlscheiben. Knapp 200 verschiedene Mahlscheiben-Modelle gibt es, sie sind 64 bis 188 Millimeter groß. Rund 65 Mitarbeiter hat das Unternehmen, es sollen aber noch mehr werden. Im kommenden Jahr wird eine neue, knapp 1500 Quadratmeter große Fertigungshalle eröffnet.

Mahlkönig hat sogar ein eigenes Labor. Hier werden zum Beispiel die Kornverteilung des Mahlguts getestet und verbessert und neue Maschinen entwickelt. In Zukunft kann der Barista sich via Chipkarte anmelden oder auf einem Display Details einstellen. Dabei ist neben der Technik auch das Aussehen der Mühlen wichtig, ein Designer entwickelt mit. Die Mühlen werden auf Anfrage und in Kleinserien produziert, eine massenhafte Serienproduktion gibt es nicht.

Erichsens Credo lautet: Kaffee muss frisch gemahlen sein. „Gemahlener Espresso verliert nach 15 Minuten 50 Prozent seines Aromas“, erklärt er. Es werde immer mehr umgestellt auf „Grind on Demand“ (Mahlen nach Bedarf). Erichsens Ziel ist es, das Mahlen so schnell, einfach und komfortabel wie möglich zu machen. „In der Regel ist die Mühle noch so laut, dass in Bars auf Vorrat gemahlen wird, wenn noch kein Kunde da ist“, erklärt er. Das will Erichsen ändern. „Das Aroma will man schließlich in der Tasse, und nicht in der Luft.“ Mahlkönig hat Vertriebsstandorte auf der ganzen Welt, produziert wird aber nur in Hamburg. „Kaffee ist weltweit unterschiedlich und sehr individuell und dementsprechend sind auch die Mühlen individuell“, erklärt Erichsen. Für ihn ist Kaffee „Teil der Lifestyle-Industrie“.

In Zukunft will der Chef die noch verbliebenen weißen Flecken auf der Mahlkönig-Landkarte erobern: Südamerika und Afrika. Auch im Bereich Service will er das Angebot ausbauen. Erichsen glaubt fest an die Zukunft von frisch gemahlenem Kaffee und den Bereich „Home Barista“. „Immer mehr Menschen werfen zu Hause Espressomaschine und Mühle an“, sagt er. „Der Trend geht weg vom Vollautomaten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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