Kali-Krieg in Osteuropa: Riskantes Manöver endet im Knast

Kali-Krieg in Osteuropa: Riskantes Manöver endet im Knast

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Wladislaw Baumgertner, Chef von Uralkali, kündigte das Kali-Kartell mit Weißrusslands Düngemittelkonzern Belaruskali. Wegen Amtsmissbrauch wurde er festgenommen.

von Florian Willershausen

Weißrusslands Behörden haben den Chef von Uralkali festnehmen lassen, den größten Kali-Förderer der Welt. Damit eskaliert in der Düngemittelbranche ein Wettlauf um Größe – mit Folgen auch für Deutschland.

Der letzte Versuch, den Krieg zu verhindern, scheiterte am späten Montagabend in Minsk. Dort hatte Wladislaw Baumgerter, Chef des Moskauer Kali-Weltmarktführers Uralkali, mit Weißrusslands Ministerpräsident Michail Mjasnikowitsch verhandelt. Der Russe sollte doch bitteschön am Kali-Kartell mit dem weißrussischen Partner Belaruskali festhalten, auf dass die Preise hoch bleiben. Der aber stellte sich stur – und vor dem Rückflug nach Moskau klickten am Flughafen die Handschellen.

Seit Montagabend sitzt Baumgertner also in Weißrussland hinter Gittern. Die Behörden des autoritär geführten Kontrollstaats werfen dem eloquenten Top-Manager Machtmissbrauch und Betrug im Umfang von 100 Millionen Dollar vor. Er habe dem „weißrussischen Staat schweren Schaden zugefügt“, heißt es. Uralkali-Aufsichtsratschef Alexander Woloschin und Russlands Vize-Premier Igor Schuwalow fordern die sofortige Freilassung und fahren schwere diplomatische Geschütze auf.

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Zahlen und Fakten zu Russland

  • Fläche

    Russland ist mit einer Fläche von 17.075.400 km² das größte Land der Erde.

  • Einwohner

    Mit 141,85 Millionen Einwohnern liegt Russland auf Rang 9. Durch die Größe des Landes ergibt sich allerdings eine sehr dünne Besiedlung. Auf einem Quadratkilometer leben umgerechnet nur 8,3 Menschen.

  • Hauptstadt

    Die Hauptstadt Russlands ist Moskau (Moskwa). Mit 11.514.300 Einwohnern ist Moskau die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt Russlands.

  • Bruttoinlandsprodukt

    Das Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2010 bei 1.480 Milliarden US-$. 59 Prozent der Leistung erwirtschaftet der Dienstleistungs-Sektor, 37 Prozent die Industrie, vier Prozent am BIP steuert die Landwirtschaft bei. Der reale Zuwachs lag im vergangenen Jahr bei 4,0 Prozent.

  • Import und Export

    Russland importierte 2010 Waren im Wert von 229 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil haben die chemische Erzeugnisse (14 Prozent). Der Export lag bei 396 Milliarden US-Dollar. Größter Exportschlager sind Erdöl und -produkte, Erdgas und Kohle.

  • Verwaltung

    Russland ist in acht Föderationsgebiete mit insgesamt 83 Territorialeinheiten eingeteilt. Diese gliedern sich auf in 21 Republiken, neun Regionen, 46 Gebieten, einem autonomen Gebiet, vier autonomen Kreisen sowie zwei Städten mit Subjekt-Status (Moskau und St. Petersburg).

  • Religion

    Russland ist größtenteils christlich geprägt, über 70 Prozent der Einwohner sind orthodoxe Christen, 14 Prozent Muslime, 1,4 Prozent Protestanten, 0,6 Prozent Katholiken sowie 0,5 Prozent Juden.

Der Kali-Krieg brach ohne Vorwarnung aus. Denn eigentlich war die Kooperation zwischen Belaruskali und Uralkali äußerst gewinnbringend – nicht nur für Osteuropas Branchenriesen, sondern auch für den deutschen Wettbewerber K+S. Mit dem 2011 gegründeten Handelskonsortium BPC („Belarus Potash Corporation“) kontrollierten die Unternehmen 43 Prozent des Weltmarkts. In Nordamerika existiert mit „Canpotex“ ein ähnliches Konsortium, sodass die Kali-Kartelle in Ost und West auf einen Weltmarktanteil von 70 Prozent kamen – und den globalen Kalipreis künstlich hoch halten konnten. Von einem Preis über 400 Dollar pro Tonnage profitierte auch der deutsche Branchenteilnehmer K+S, im Dax zeitweise Börsenliebling.

Wie Analysten die K+S-Aktie bewerteten

  • Norbert Barth

    Baader Bank

    Zielkurs 31.07.2013: 41,50

    Empfehlung 31.07.2013: Kaufen

    Zielkurs 01.08.2013: 15,00

    Empfehlung 01.08.2013: Verkaufen

    Quelle: Bloomberg

  • Massimo Bonisoli

    Equita SIM SpA

    Zielkurs 23.04.2013: 39,00

    Empfehlung 23.04.2013: Halten

    Zielkurs 31.07.2013: 19,00

    Empfehlung 31.07.2013: Halten

  • Christian Faitz

    Macquarie

    Zielkurs 14.05.2013: 54,00

    Empfehlung 14.05.2013: Outperform

    Zielkurs 31.07.2013: 25,00

    Empfehlung 31.07.2013: Neutral

  • Joel Jackson

    BMO Capital Markets

    Zielkurs 11.07.2013: 30,00

    Empfehlung 11.07.2013: Market Perfom

    Zielkurs 31.07.2013: 18,00

    Empfehlung 31.07.2013: Market Perfom

  • Martin Roediger

    Kepler Cheuvreux

    Zielkurs 26.06.2013: 30,00

    Empfehlung 26.06.2013: Reduzieren

    Zielkurs 30.07.2013: 19,00

    Empfehlung 30.07.2013: Reduzieren

  • Andreas Heine

    Barclays

    Zielkurs 17.07.2013: 33,00

    Empfehlung 17.07.2013: Neutral

    Zielkurs 31.07.2013: 17,00

    Empfehlung 31.07.2013: Untergewichten

  • Lars Hettche

    Bankhaus Metzler

    Zielkurs 10.06.2013: 42,00

    Empfehlung 10.06.2013: Kaufen

    Zielkurs 30.07.2013: 17,00

    Empfehlung 30.07.2013: Verkaufen

  • Marc Gabriel

    Bankhaus Lampe

    Zielkurs 25.06.2013: 40,00

    Empfehlung 25.06.2013: Kaufen

    Zielkurs 31.07.2013: 22,00

    Empfehlung 31.07.2013: Halten

  • Nils-Peter Fitzl

    Hauck & Aufhaeuser

    Zielkurs 19.07.2013: 42,00

    Empfehlung 19.07.2013: Kaufen

    Zielkurs 31.07.2013: 15,00

    Empfehlung 31.07.2013: Verkaufen

  • Lutz Grueten

    Commerzbank Corporates & Marke

    Zielkurs 07.05.2013: 43,00

    Empfehlung 07.05.2013: Kaufen

    Zielkurs 31.07.2013: 14,00

    Empfehlung 31.07.2013: Reduzieren

Als Baumgertner Ende Juli den Ausstieg aus dem BPC-Konsortium ankündigte, brach die sorgsam konstruierte Kali-Welt wie ein Kartenhaus zusammen – denn damit beendete der Russe auf eigene Faust und ohne Vorspiel das globale Kartell. An Börsenplätzen rund um den Globus purzelten die Kurse, K+S etwa verlor an einem Tag ein Fünftel seines Börsenwerts, rund 1,5 Milliarden Euro. Mehr als die marktwirtschaftlich arbeitenden Kali-Konzerne muss indes Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko geschäumt haben. In seinem Land ist Belaruskali einer der größten Steuerzahler – und eines der profitabelsten Unternehmen.

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