Kampf der Branchen: Wenn Chemie mit Bio im Clinch liegt

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Kampf der Branchen: Wenn Chemie mit Bio im Clinch liegt

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Das Zeitalter der Petrochemie neigt sich aufgrund der Ressourcenknappheit dem Ende entgegen - Die Zukunft gehört der Biotechnik

von Susanne Kutter

Warum sich die beiden Branchen nicht zusammen tun, sondern durch ihren Konkurrenzkampf die Zukunft des Standorts Deutschland gefährden.

Sie glauben nicht, dass Essen aus Erdöl oder Erdgas hergestellt werden kann? Dann liegen Sie falsch. Was heute angesichts versiegender Rohstoffquellen geradezu grotesk klingt, war einst ein Mega-Hit in der petrochemischen Industrie – und technisch gar kein Problem.
So bauten die Branchengrößen BP, Shell, ICI und Amoco Ende der 1960er Jahren riesige Produktionsanlagen, die aus Erdgas und Erdölbestandteilen nahrhafte Eiweiße herstellten. Bis in die späten 1970er Jahre dienten solche petrochemischen Proteine nicht nur zum Teil als Kraftfutter für Fische und Schweine. Es diente sogar auch als Ersatz für Magermilchpulver etwa in Lebensmitteln wie Käse, Backwaren oder Schokolade.

1965 – in ihrer Jubiläumsschrift zum hundertsten Geburtstag – frohlockten die Lenker der zum Weltkonzern BASF angewachsenen Badischen Anilin- & Soda-Fabrik sogar, dass solch eine Petro-Diät die Welternährung sichern könne.
Doch es kam ganz anders. Die steigenden Preise für fossile Rohstoffe wie Erdöl und Gas machten diesen Nahrungs- und Futtermittelersatz unerschwinglich – und den Allmachtsfantasien der Chemieindustrie einen Strich durch die Rechnung.

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Dem biochemische Werkzeugkasten gehört die Zukunft
Zugegeben, das ist schon fast 50 Jahre her. Doch eigentlich will die Chemiebranche bis heute nicht recht wahr haben, dass sich das Zeitalter der Petrochemie mit dem Versiegen der Erdölquellen allmählich dem Ende zuneigt.
Die Zukunft gehört der Biotechnik. Sie wird die gesamte Herstellungstechnik umkrempeln. Mit möglichst umweltverträglichen und ressourcenschonenden Produktionsmethoden versuchen Biotechnologen sowohl von fossilen als auch essbaren Rohstoffen weg zu kommen. Und sie verleihen den Produkten ganz neue Eigenschaften. Dabei erobern sie gerade ganz neue Anwendungsfelder und machen der Petrochemie zunehmend Konkurrenz.

Der große Unterschied: Biotechniker setzen anders als Chemiker nicht auf einzelne, kleine Schritte chemischer Synthesen, um mit Hilfe von geschicktem Mischen, Erhitzen, Kühlen, Rühren oder unter Druck Setzen zum gewünschten Endprodukt – oft einem riesigen Molekül wie etwa einem Kunststoffpolymer – zu gelangen. Sie bauen statt dessen auf die Hilfe von Mikroorganismen wie Hefen oder Bakterien, die meist im Labor noch gentechnisch verändert und optimiert werden. Deren biochemischer Werkzeugkasten erledigt mit Hilfe eines ganzen Sets von Enzymen, den so genannten Biokatalysatoren, oft viele sonst mühsam zu bewerkstelligenden Einzelschritte in einem Aufwasch.
Obwohl sich klassisch chemische und biotechnische Produktionsweisen oft ideal ergänzen könnten, stehen sich Chemiker und Biologen meist noch feindselig gegenüber. Tatsächlich konkurrieren die beiden Branchen in vielen Fällen um die selben Märkte.

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