Kandidaten-König: Wolfgang Reitzles große Chance

Kandidaten-König: Wolfgang Reitzles große Chance

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Top-Manager wie Wolfgang Reitzle sind rar gesät.

von Andreas Wildhagen

Der Linde-Chef feiert auf der Hauptversammlung einen großen Triumph. Nach der Schwächung seines alten Rivalen Gerhard Cromme gilt er in der deutschen Industrie wieder als Kandidaten-König.

Der 64-jährige Diplomingenieur und frühere Automobilmanager Wolfgang Reitzle hat ein Problem: Er ist voll im Saft, schlagfertig wie selten, erfolgreich mit Linde und als Krisenmanager bei Continental in Hannover gewaltig im Geschirr. Und wo ist das Problem? Er soll bei Linde im nächsten Jahr abtreten, weil Aufsichtsratschef Manfred Schneider es so will. Reitzle hat die Altersgrenze im nächsten Jahr erreicht und Aufsichtsratschef soll er auch nicht werden, weil ein nahtloser Wechsel vom Vorstandschef zum Chefkontrolleur nach deutschen Corporate-Goverance-Regeln, die Vorschriften guter Unternehmensführung, nicht erwünscht ist. Damit wird die Leistungskurve eines Mannes gekappt, die jetzt eigentlich erst richtig in die Höhe geht.

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"Kann die deutsche Industrie auf Reitzle verzichten?", so fragte am Dienstagabend ein hochrangiger Besucher im Düsseldorfer Industrieclub, wo sich Spitzen der deutschen Wirtschaft zu einem Vortrag von E.On-Chef Johannes Teyssen versammelt hatten. Im Publikum wurde auch der frühere ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz gesehen, dem vom Krupp-Stiftungschef die Fehlinvestitionen von zwei Stahlwerken in Übersee in Höhe von zwölf Milliarden Euro angelastet werden. Auch der neue ThyssenKrupp-Vorstandschef Ulrich Lehner, früherer Henkel-Lenker, war dabei und erinnerte allein schon durch seine Anwesenheit daran, dass es nicht lange her ist, dass er den langjährigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp erst im März ersetzt hat. Schulz hat Cromme in den Sog des Missmanagement hineingezogen. Und damit war auch Crommes Nimbus zerstört. Es geht bei Personalien manchmal schneller als man denkt, so die Botschaft der Gästeliste im Industrieclub.

Top-Manager wie Reitzle sind rar gesät, er hat wegen seines oft als eitel wahrgenommenen Auftretens in der Autoindustrie vor zwanzig Jahren bei BMW aber auch bei den Luxusmarken von Ford, Jaguar und Austin Martin, viel Kritik auf sich gezogen. Seit Reitzle bei Linde Vorstandschef ist, hat sich der Traditions-Dax-Konzern grundlegend gewandelt. Die Konzentration auf das Kerngeschäft Industriegase und eine gelungene Großfusion haben nicht nur die Gewinne, sondern auch den Aktienkurs in die Höhe getrieben. Mit dem Zukauf des US-Medizingase-Herstellers Lincare hat Linde von der Größe den Erzrivalen und früheren Welt-Platzhirschen auf dem Gase-Geschäft  Air Liquide überflügelt.

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