Kley-Nachfolger: Merck-Kronprinz Oschmann übernimmt im Frühjahr

Kley-Nachfolger: Merck-Kronprinz Oschmann übernimmt im Frühjahr

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Stefan Oschmann wird 2016 Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck.

von Jürgen Salz

Chef-Wechsel bei Merck: Ende April 2016 übernimmt der bisherige Vize Stefan Oschmann die Leitung des Pharma- und Chemiekonzerns. Er will schaffen, was Merck seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht gelungen ist.

Der Neue tauschte zunächst einmal etwa die Hälfte der Pharma-Manager aus. Die Zahl der Therapiefelder strich er zusammen. In der Forschung und Entwicklung von Medikamenten ließ er kaum einen Stein auf dem anderen. Ende April 2016 wird Stefan Oschmann, 58 Jahre alt und Hobby-Pferdezüchter, nun Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Das hat der Gesellschafterrat des familiendominierten Dax-Konzerns am Dienstag beschlossen.

2011 wechselte Oschmann nach zwei Jahrzehnten beim US-Namensvetter Merck & Co. zu Merck nach Darmstadt – beide Unternehmen sind seit dem Ende des zweiten Weltkrieges voneinander unabhängig. Der international erfahrende Manager machte sich sogleich daran, das chronisch kränkelnde Pharmageschäft mit durchaus radikalen Therapien wieder zu stärken.

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Merck versus Merck

  • 1668

    In Darmstadt erwirbt Friedrich Jacob Merck die Engel-Apotheke, die Keimzelle von Merck.

  • 1887

    Merck expandiert und gründet eine Niederlassung in New York, aus der 1891 die Tochtergesellschaft Merck & Co. entsteht.

  • 1917

    Infolge des Ersten Weltkrieges enteignen die Amerikaner die deutschen Eigentümer von Merck & Co. Zwischen beiden Unternehmen gibt es heute keine Verflechtungen mehr. Merck aus Darmstadt tritt in den USA unter EMD (Emanuel Merck Darmstadt) auf; Merck & Co. nennt sich außerhalb der USA und Kanada MSD (Merck Sharp & Dohme).

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert hat Merck kein neues Medikament aus eigener Forschung mehr auf den Markt gebracht. Auch Oschmann ist das nicht gelungen. Aber er hat immerhin die Voraussetzungen geschaffen, dass es in einigen Jahren – die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert oft mehr als zehn Jahre - soweit sein könnte: Oschmann baute die Forschungs- und Entwicklungsabteilung entsprechend um, ordnete gründlichere Tests an und erhöhte die Zahl der Wirkstoff-Kandidaten in frühen Entwicklungsphasen.

Gleichzeitig verhandelte der gebürtige Franke erfolgreich Pharma-Kooperationen – mit dem Weltkonzern Pfizer schmiedete Merck etwa ein Bündnis in der Krebstherapie. Die zupackende Art von Oschmann hat die Eigentümerfamilie überzeugt.

Seit Jahren schon galt der promovierte Tierarzt als Favorit für den Chefposten, Anfang 2015 kürten ihn die Inhaber zum Stellvertreter von Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley.

Beste Aktie im Dax

2018 nun darf Oschmann dann auch die Jubiläumsfeierlichkeiten von Merck ausrichten – der Traditionskonzern wird dann 350 Jahre alt. Der bisherige Amtsinhaber Kley geht dann Ende April 2016 nach acht Jahren in den Ruhestand. Der 64-Jährige hat Merck nach einigen eher mäßigen Jahren zu neuen Umsatz- und Ertragshöhen geführt.

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Im Geschäftsjahr 2015 wird Merck einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro erreichen – damit hat Kley die Erlöse seit 2005 etwa verdoppelt. 2014 war Merck die beste Aktie im Dax – kein anderes Unternehmen aus der Börsen-Eliteliga konnte so hohe Kurssteigerungen aufweisen. Merck profitierte dabei von Ertragsperlen wie den Flüssigkristallen, ohne die kein Smartphone-Display oder Flachbildfernseher auskommt, und von erfolgreichen, aber nicht selbst entwickelten Medikamenten, etwa gegen Multiple Sklerose und Krebs.

Gleichzeitig setzte Kley ein Sparprogramm durch, bei dem in Deutschland mehr als 1000 Stellen wegfielen. Der frühere Lufthansa-Finanzvorstand baute zudem das Laborgeschäft mit Chemikalien, Enzymen und Zellkulturen auf – durch zwei Milliardenzukäufe der US-Unternehmen Millipore und Sigma Aldrich. Auch das kam bei den Aktionären gut an. Merck, soviel steht fest, wird auch künftig, unter Oschmann, ein Mischkonzern bleiben.

Merck ist nun das einzige bedeutende Unternehmen, das künftig sowohl Pharma und Chemie unter einem Dach vereint - nachdem Bayer nun sein verbleibendes Chemiegeschäft schrittweise abbaut und an die Börse bringt. Einen speziellen Willkommensbonus für Oschmann gab es an der Börse allerdings nicht: Die Aktie der Merck KGaA verlor am Nachmittag etwa ein Prozent. Eine große Überraschung war die Berufung an die Spitze ja auch nicht mehr.

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