Kommentar: Steve Girsky - ein Mann fürs Grobe bei Opel

Kommentar: Steve Girsky - ein Mann fürs Grobe bei Opel

, aktualisiert 22. November 2011, 14:19 Uhr
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Steve Girsky ist Vize-Chef des amerikanischen Autobauers General Motors.

von Florian BrücknerQuelle:Handelsblatt Online

GM-Vize Steve Girsky wird neuer Aufsichtsratschef von Opel. Die Belegschaft kann sich angesichts roter Zahlen schon einmal auf harte Einschnitte einstellen. Am Ende könnte Girsky aber der Retter des Autobauers sein.

Hans Demant, Carl-Peter Forster, Nick Reilly - egal ob Vorstand oder Aufsichtsrat, an dem deutschen Autobauer Opel haben sich schon viele Manager die Zähne ausgebissen. Aus den roten Zahlen gebracht hat Opel lange niemand mehr. Jetzt schickt die US-Mutter General Motors ihre Nummer zwei als Aufsichtsratschef nach Deutschland: Steve Girsky.

Keine Frage: Mit Girsky kommt ein Manager nach Rüsselsheim, dem der Ruf eines knallharten, an den Regeln der Wall Street orientierten Zahlenmenschen vorauseilt. Und wenn Girsky unlängst ankündigte, dass bei Opel die Kostenstrukturen optimiert, die Margen verbessert und die Economy of Scale des GM-Konzerns voll ausgenutzt werden müssten, dann ist klar, wo Opels Zukunft liegen könnte, nämlich in Korea.

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Dort produziert GM seit langem höchst erfolgreich und kostengünstig etwa für die Volumenmarke Chevrolet. Dass Opel-Kleinwagen bald noch in Deutschland vom Band laufen, ist keine ausgemachte Sache mehr - dass in manch altem, unlängst erst noch gerettetem europäischen Werk noch lange die Bänder laufen auch nicht. Und wenn GM-Chef Dan Akerson angesichts der maladen Situation in Europa unlängst noch die Streichung von Tausenden Stellen beim französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroen erwähnte, dann braucht es keinen Propheten um zu ahnen: Auf Opel könnten Werksschließungen und ein Jobabbau zukommen.

So beklagenswert das für den einzelnen Opelaner auch sein mag: Der deutschen Tochter gehen die Argumente aus. Opel sitzt mehr oder weniger genau da, wo es schon 2008 saß, nämlich mitten in der Tinte. Trotz Absatzsteigerungen fährt Opel Verluste ein. Und anders als VW oder Ford geht Opel nicht mit einem neuen und erfolgreichen Produktportfolio und guten Gewinnen auf dem Konto in ein konjunkturell wohl schwieriges Jahr 2012.


Girsky ist ein Fürsprecher von Opel im GM-Konzern

Da hilft auch der Verweis auf fehlende Auslandsmärkte und die Restriktionen der Konzernmutter GM nichts mehr: Am Ende müssen die Zahlen stimmen und das tun sie seit Jahren nicht. Wobei Opel sich tatsächlich fragen muss, ob es für das Unternehmen als Ganzes nicht wirklich besser wäre, Kleinwagen wie den Corsa oder den neuen Mini-Stadtwagen nicht lieber gleich im Verbund mit Chevrolet zu stemmen - und zwar sowohl bei Technik als auch bei Produktion.

Die alte Litanei, dass eine deutsche Marke, die es mit VW aufnehmen soll, auch in Deutschland fertigen müsse, stimmt so schlicht nicht mehr. VW, BMW, Daimler - sie alle lassen schon lange Autos im günstigen Ausland bauen, die sie dann erfolgreich auf dem deutschen Markt verkaufen. Und dass sich billigere Skodas und Seats Bauteile mit teureren VWs und Audis teilen, macht im Prinzip auch nichts, wenn die Markensteuerung sauber funktioniert.

Ja, all das ist auch für Opel nichts Neues. Wer in neuere Modelle von Chevrolet für den europäischen Markt blickt, entdeckt altbekannte Schalter und Tasten der Schwestermarke Opel - und Opel Astra und Chevrolet Cruze nutzen die gleiche Plattform. Steve Girsky wird diese Art der Zusammenarbeit noch intensivieren. Nicht zu vergessen: Es war Girsky, der den Verkauf von Opel an Magna verhinderte, es war Girsky der sich immer und vehement im GM-Verbund für Opel stark machte. Girsky hat die Bedeutung von Opel für GM wohl erkannt. Und last but not least: An Bord geholt wurde Girsky von der amerikanischen Gewerkschaft UAW - also von der Arbeitnehmerseite.

2005 hatte Girsky General Motors bescheinigt: Zu viele Fabriken, zu viele Arbeiter, zu viele Modelle – zu viel von allem. Er hatte damals recht. Vielleicht liegt er auch mit seiner Opel-Analyse von heute richtig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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