Kommentar: Toyota muss sich neu erfinden

Kommentar: Toyota muss sich neu erfinden

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 12:18 Uhr
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Toyota-CEO Akio Toyoda steht vor einem schwierigen Rennen mit Toyota.

von Florian BrücknerQuelle:Handelsblatt Online

Bremsenskandal, Fukushima, Thailand - der Autobauer Toyota wankt von einer Katastrophe in die nächste. Die größten Probleme sind allerdings hausgemacht. Toyota ist zu groß und schwerfällig geworden.

Es gibt viele Chefsessel, auf denen man vielleicht gerne mal Platz nehmen würde - auf den von Toyota trifft das allerdings bestimmt nicht zu. Seit der Insolvenz des Autoriesen General Motors und des dem Abgrund entgegen taumelnden Autobauers Saab hat die Automobilindustrie keinen härteren Sitz mehr zu vergeben als den von Toyota.

Konzernchef Akio Toyoda kann auf seinem Chefsessel machen was er will: am Ende kommt doch wieder eine Hiobsbotschaft dabei heraus - oder besser gesagt, auf ihn zu. Jüngstes Beispiel: Toyota hat jetzt seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr radikal um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr heruntergeschraubt. Alles andere wäre ehrlich gesagt fast schon ein Wunder gewesen.

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Denn der unlängst noch größte Autobauer der Welt und lange als Branchenprimus geltende Konzern stolpert von einem Schlamassel ins nächste. In Kürze: Erst der berüchtigte Bremsenskandal in den USA mit Millionenrückrufen, dann das verheerende Erdbeben in Japan mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima und schließlich noch die dramatischen Überflutungen in Thailand.

Diese allein hatten dazu geführt, dass Fabriken in zehn Ländern nicht rechtzeitig mit Bauteilen beliefert werden konnten. Folge: Ein Pick-up wie das Modell Hilux soll in Deutschland deswegen eine Lieferzeit von gut einem Jahr haben. Und: Die Lieferkette war nach Fukushima - das ähnlich dramatische Konsequenzen gehabt hatte - gerade erst wieder halbwegs hergestellt worden. Es dürfte in den vergangenen Monaten wohl kaum noch einen Konzernteil von Toyota gegeben haben, der nicht irgendwie im Ausnahmezustand war.

Und dann ist da ja noch der starke Yen, der die Gewinnmarge der in Japan hergestellten Autos und Bauteile so sehr verteuert hat, dass Toyota nun seinen Kunden auch noch deutliche Preiserhöhungen verkaufen muss.

Das Beispiel Yen zeigt aber auch, dass das Unternehmen nicht nur Opfer ist: Denn ja, Toyota trägt schwer an einer Unglücksserie, für die der Autobauer nicht wirklich etwas kann. Nur: Die Malaise, in der Toyota steckt, ist zu einem Großteil halt auch hausgemacht.


Toyota erinnert an General Motors

Denn die Problematik mit einem (zu) starken Yen etwa ist keineswegs neu. Wer als weltweit tätiger Autobauer einen Gutteil seiner Produkte dennoch weiter an einem Standort mit derart großen Währungsnachteilen wie Japan produzieren lässt, muss zumindest damit rechnen, dass das nicht ewig gut gehen kann.

Und dass die beiden südkoreanischen Autobauer Hyundai und Kia in Europa Toyota längst den Schneid und Marktanteile abgekauft haben, liegt vor allem an einem Produktportfolio, das nicht mehr so erfolgreich ist wie in der guten alten Zeit. Und das hat auch mit Managementstrukturen und Entscheidungsprozessen zu tun, die weit hinter die berühmten Produktionsmethoden Marke Toyota zurückgefallen sind.

Toyota erinnert heute mehr an General Motors von früher als an Volkswagen von heute. Ja, der Vergleich hinkt, die Kriegskasse von Toyota ist zum Beispiel prall gefüllt und mit dem Hybried-Antrieb hält das Unternehmen eine Schlüsseltechnologie in Händen - und doch: Toyota ist zu groß, zu schwerfällig geworden.

Toyota muss sich ein gutes Stück neu erfinden und dabei die Erfolgsrezept des Konzerns wieder fest ins Visier nehmen: Nämlich hocheffizient und kostengünstig einfach stabile Autos zu einem guten Preis bauen - “value for money” hat Toyota groß gemacht. Genau damit punktet Hyundai jetzt. Schick und edel mussten Toyotas nie sein.

Akio Toyoda hat das verstanden. Mit neuen (oder neu aufgelegten) Kooperationen wie etwa mit Ford und BMW dürfte Toyota Kosten senken können und gleichzeitig in den Besitz dringend benötigter Technologien wie etwa fortschrittliche Dieselmotoren kommen. Toyota braucht mehr Beispiele wie diese, um wieder zu alter Größe aufzusteigen. Erst dann ist der Chefsessel in Toyota City wieder genauso attraktiv wie der in Wolfsburg.

Quelle:  Handelsblatt Online
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