Kommentar: Villis beendet seine Hängepartie bei EnBW

Kommentar: Villis beendet seine Hängepartie bei EnBW

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 16:24 Uhr
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Im Abseits: EnBW-Chef Hans-Peter Villis.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

EnBW-Chef Villis hat mit allen Mitteln für eine Vertragsverlängerung gekämpft. Doch der bekennende Atomkraft-Freund genießt in der grünen Landesregierung keinen Rückhalt.

StuttgartNikolaus ist kein guter Tag für Hans-Peter Villis. Vor genau einem Jahr musste der Chef des Energiekonzerns EnBW zähneknirschend mit ansehen, wie der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus sich für fünf Milliarden Euro beteiligte. Ihm schwante schon damals, dass der Einstieg des Landes für ihn die Sache nicht einfacher machen würde. Als dann im vergangenen März der Machtwechsel von CDU auf Grün/Rot folgte, waren die Tage des bekennenden Kernkraft-Verfechters bei dem drittgrößten deutschen Energiekonzern so gut wie gezählt.

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Einstieg des Landes bei der EnBW gibt Villis jetzt auf. Der 53-jährige Manager teilte Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann gestern mit, dass er nach Auslaufen seines Dienstvertrages Ende September 2012 „für eine Wiederbestellung nicht zur Verfügung steht“. Als Grund nannte er das „nicht mehr ungeteilte Vertrauen des Aufsichtsrates“. Das Land hatte die Entscheidung über die anstehende Vertragsverlängerung immer wieder verschoben.

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Mit allen Mitteln hatte er zuvor für eine Vertragsverlängerung gekämpft. Am Kapitalmarkt platzierte er eine Hybridanleihe, Standard Poors’ bestätigte das Rating für das nach Zukäufen hoch verschuldete Unternehmen und auch die Belegschaft hielt zu ihm. Geschickt hatte er den zweiten Großaktionär, die OEW, auf seine Seite gezogen. Der Interessenverband der kommunalen Eigentümer stimmte seiner Strategie zu und zeigte sich bereit für die von Villis geforderte Kapitalspritze.

Villis machte damit aber gewaltigen Druck auf die beim Thema EnBW zaudernde Landesregierung. „Als nicht hilfreich“, bezeichnete es Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dass im September der Kapitalbedarf der EnBW von 800 Millionen Euro in die Öffentlichkeit drang, bevor Villis mit dem Land über die Kosten für die Energiewende gesprochen hatte.

Das mag den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Villis bei der Landesregierung endgültig in Ungnade fiel.

Die Gründe liegen tiefer. Villis bekannte noch bei Amtsantritt vor vier Jahren, dass er gerne ein neues Kernkraftwerk bauen würde. Dafür mag er damals seine Gründe gehabt haben, aber für die grüne Landesregierung und deren Wähler war er damit nicht der Manager, in dessen Hände man nach der Katastrophe von Fukushima und dem Atomausstieg, die Energiewende legen wollte.

Noch schlimmer wiegen vielleicht aber seine strategischen Fehler: Mit seinen milliardenschweren Beteiligungen machte er sich zusätzlich angreifbar. Der Einstieg bei dem Oldenburger Energieversorger EWE erfüllte die Erwartungen nicht, weil die damit angestrebte Kontrolle über den Gasversorger VNG und damit der dringend benötigte große Einstieg ins Gasgeschäft scheiterte. Die Folge mehrere hundert Millionen Euro Abschreibungen in diesem Jahr und drohende Gerichtsprozesse mit der EWE, weil die Verträge unklar formuliert waren.

Alles Munition für die Landesregierung gegen ihn. Als auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung wiederum seine Personalie nicht stand, bereitete er der Hängepartie selbst ein Ende. Bis September hat Kretschmann jetzt Zeit einen Nachfolger zu suchen. Um diesen aufreibenden und undankbaren Job reißt sich aber derzeit keiner der Topleute in der Energiebranche.

Quelle:  Handelsblatt Online
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