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Kommentar: VW hat in China immer mehr Probleme

von Finn Mayer-Kuckuk Quelle: Handelsblatt Online

Volkswagen stellt beim Verkauf seiner Autos in China immer neue Rekorde auf, aber das alleine reicht nicht. Bei der Kommunikation mit den Chinesen gibt es Probleme. Deshalb muss der China-Chef des Konzerns nun gehen.

Bei der Kommunikation zwischen Volkswagen und den Chinesen hapert es. Quelle: dapd
Bei der Kommunikation zwischen Volkswagen und den Chinesen hapert es. Quelle: dapd

PekingHarte Entscheidung aus Wolfsburg: Der derzeitige Chef von VW China, Karl-Thomas Neumann, muss nach nur anderthalb Jahren im Amt wieder gehen. Sein Nachfolger Jochem Heizmann ist dafür gleich auf Vorstandebene angesiedelt. Der auffällig nervöse Führungswechsel zeigt, dass das Chinageschäft bei weitem nicht so leicht zu steuern ist, wie die guten Zahlen der Landestochter aus der ferne suggerieren.

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Volkswagen hat im vergangenen Jahr in China die Rekordzahl von 2,3 Millionen Autos verkauft und trotzt schon seit zwei Jahren dem schwachen Markttrend durch große Absatzsteigerungen. Im Chinageschäft bleibt dermaßen viel Geld übrig, dass es für geplante Investitionen in Höhe von 14 Milliarden Euro bis 2016 reicht.

Doch gerade die gute Geschäftsentwicklung war ein Teil von Neumanns Problem. Denn sie verdeckt tiefer liegende Probleme. Es reicht nicht, jedes Vierteljahr gute Zahlen in die Zentrale zu melden. „Er hat nicht genug angepackt, war von China erst einmal verwirrt“, heißt es unter VW-Insidern in China. Der Vergleich mit seinem Vorgänger Winfried Vahland drängt sich auf. Der extrovertierte Macher Vahland war zwar manchmal mit der zurückhaltenderen chinesischen Kultur zusammengestoßen. Doch zugleich genoss er dort Respekt als einer, der unerschrocken zupackt. Neumann wollte Probleme dagegen lieber aussitzen.

Dabei häuften sich an mehreren Fronten die Alarmzeichen. Tausende von Chinesen äußern sich im Internet unzufrieden über den Umgang mit angeblich defekten Schaltgetrieben. Ein Rückruf wurde den Konzern rund 400 Millionen Euro kosten – das ist selbst dann ein großer Happen, wenn ein Unternehmen in einem Markt Milliarden verdient. Frühe Anfragen dieser Zeitung zu dem Problem führten jedoch routinemäßig zu der Auskunft: Von einem echten Problem wissen wir nichts. Doch das Wegsehen hat die Kunden nicht beruhigt, sondern eher weiter verunsichert.
Ebenfalls immer komplizierter wird das Verhältnis zum chinesischen Staat. Der Konzern hatte jahrzehntelang gehofft, die Zwangsverbindung mit zwei Staatsunternehmen in Joint Ventures hinter sich lassen zu können und eines Tages freier und privatwirtschaftlicher handeln zu können. Doch auch im Jahr 28 nach dem Markteinstieg liegt der Autobauer eher noch enger an der Leine. Das mit Druck herbeigeführte Investment in der völlig abgelegenen Region Xinjiang beweist es.
Jetzt muss Neumman einen Rückflug buchen. Als ehemaliger Chef des Zulieferers Continental hätte er ganz sicher das nötige Gewicht gehabt, den China-Vorstandsposten zu übernehmen. Mit Heizmann übernimmt jetzt einer, der sich in Schwellenländern gut auskennt. Einfach wird es jedoch auch für ihn nicht werden. Ein Unternehmen mit zwanzig Prozent Marktanteil in einem Schlüsselmarkt ist in China immer auch politisch. Sein neuer Job erfordert viel Feingefühl im Umgang mit der Kommunistischen Partei und mit den zunehmend anspruchsvollen Kunden.

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