Kommentar: VW und Suzuki - wie ein enttäuschtes Liebespaar

Kommentar: VW und Suzuki - wie ein enttäuschtes Liebespaar

, aktualisiert 24. November 2011, 13:43 Uhr
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Osamu Suzuki und VW-Chef Martin Winterkorn sollten den Konflikt zwischen beiden Unternehmen lieber einvernehmlich lösen.

von Mark Christian SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Der Streit zwischen den beiden Autobauern VW und Suzuki landet vor einem Schiedsgericht. Diese Auseinandersetzung sollte Volkswagen besser schnell beenden - anstatt selbst auf Stur zu stellen. Ein Kommentar.

Nun liegt der Streit zwischen dem deutschen Autobauer Volkswagen und seinem unwilligen japanischen Partner Suzuki beim Schiedsgericht. Der International Court of Arbitration (ICC) in Paris soll über den Verbleib von gut 20 Prozent der Suzuki-Anteile entscheiden, die Volkswagen als Eigentum betrachtet. Ende 2009 hatte VW das Aktienpaket für rund 1,7 Milliarden Euro gekauft. Suzuki will die Aktien aus dem eigenen Bestand zurück, da mit dem gerade gekündigten Kooperationsvertrag die Grundlage für den Deal entfallen sei.
Der Ausgang des Verfahrens, auf das sich beim hoffnungsvollen Start der Kooperation vor zwei Jahren beide Autohersteller geeinigt hatten, ist ungewiss. VW-Chef Martin Winterkorn vertritt den Standpunkt, mit den Aktien machen zu können, was er will – selbst wenn die erhoffte Zusammenarbeit nicht zustande gekommen ist.

Die Deutschen reagieren damit genauso emotional, wie es die Japaner tun. So abgenutzt das Bild erscheint, so sehr trifft es zu: VW und Suzuki verhalten sich wie ein ehemaliges Liebespaar, das voneinander enttäuscht ist und jetzt dem anderen Steine in den Weg legen will.
Winterkorn setzt auf einen Generationswechsel in der Führung von Suzuki und nimmt damit die erbitterte Gegenwehr des japanischen Patriarchen Osamu Suzuki in Kauf. Die kommende Woche startende Tokyo Motorshow wäre eine gute Gelegenheit gewesen, den Konflikt auf höchster Ebene zu klären.
Doch die Chance ist vertan. Stattdessen setzen sich beide Seiten nun rechtlich und noch dazu in öffentlichem Streit auseinander. Richtig ist zwar, dass Volkswagen den Ausgang gelassen sehen kann. Die Deutschen haben einen einzigartigen Lauf und schreiben operativ Rekorde. Ihre Leistungsfähigkeit berührt der Konflikt mit Suzuki nicht.

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Eine einvernehmliche Lösung muss her

Allerdings müssen sie strategisch eine Alternative finden, um in Schwellenländern wie Indien ihr Angebot nach unten zu erweitern. Mit Renault-Nissan hat gerade ein weiterer Autobauer angekündigt, das Wachstumssegment unter 5000 Euro zu besetzen. VW ist hier bisher blank. Selbst eine abgespeckte Version des neuen Wolfsburger Kleinstwagens Up wird eine solche Niedrigpreisregion nicht erreichen – die Spreizung der Marke wäre zu groß.
Welchen Sinn hat dann aber der Anteil an Suzuki? Er blockiert andere Autobauer, die dank einer erfolgreichen Allianz mit den Japanern VW eines Tages gefährlich werden könnten. Solange Volkswagen 20 Prozent hält, dürften Konkurrenten abgeschreckt sein.
Doch eine solche destruktive Strategie stünde einem Autokonzern, der die Nummer eins der Welt werden will, nicht gut zu Gesicht. VW strebt nach den Sympathien der Kunden weltweit und will sie durch gute Autos überzeugen. Scharmützel wie mit Suzuki lassen den Konzern dagegen besonders in Asien aggressiv erscheinen. Toyota hat in den USA erlebt, was es heißt, als fremder Großkonzern an den Pranger gestellt zu werden.
Selbst wenn sie sich im Recht fühlt: Die VW-Spitze sollte eine einvernehmliche Lösung anstreben und damit zeigen, dass sie nicht nur erfolgreich Unternehmen führen und übernehmen, sondern auch mit anderen kooperieren kann. Das Signal wäre wichtiger als eine Finanzbeteiligung, mit der sich aktiv nichts anfangen lässt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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