Kommentar: Winterkorns aussichtsloser Kampf

Kommentar: Winterkorns aussichtsloser Kampf

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Winterkorn im Torwartdress: Vielleicht sind die Gegner zu mächtig.

von Christian Schnell

Als Konzernchef hat Martin Winterkorn Volkswagen zur Erfolgsmarke gemacht. Doch nach der scharfen Attacke von VW-Patriarch Piëch ist er angezählt. Winterkorn wird sich nicht mehr lange an der Spitze halten können.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn versteckt sich nicht seit Freitagnachmittag. Da wurde bekannt, dass er erstens wohl nicht Aufsichtsratschef des Konzerns werden wird in zwei Jahren. Und noch überraschender: Dass es zweitens eine Distanz zum mächtigen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gibt.

Winterkorn war am Samstag in München beim Bundesliga-Spiel der Bayern, er ist heute bei der Eröffnung der Hannover-Messe und wird morgen mit der Kanzlerin den Rundgang machen. Keine Frage: Er lässt sich nach außen nicht anmerken, dass er seit Freitag noch mehr zur öffentlichen Person geworden ist als er es ohnehin schon war. Als Chef des womöglich bald größten Autobauers der Welt und als bestverdienender Dax-Vorstand.

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An der Spitze zu bleiben wird jedoch ein aussichtsloser Kampf bleiben. Zu sehr ist Winterkorn durch die kurzen, aber tief ins Herz treffenden Aussagen des Aufsichtsratschefs angezählt. Selbst dass er bis zum Ende seiner Amtszeit, Ende 2016, als Vorstandschef durchhalten wird, ist nach aktuellem Stand völlig unwahrscheinlich. Es wäre für ihn nicht gut. Und auch nicht für den Konzern.

Volkswagen in Zahlen

  • Umsatz

    108,8 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2015 (+10,1 Prozent)

  • Auslieferungen an Kunden

    5,039 Millionen Fahrzeuge (-0,5 Prozent)

  • Gewinn nach Steuern

    5,663 Milliarden Euro (-0,9 Prozent)

  • Mitarbeiter

    597.800 am 30. Juni 2015 (+0,9 Prozent im Vergleich zum 31. Dezember 2014)

  • Mitarbeiter im Inland

    273.900 (+1,0 Prozent)

  • Werke

    118 (Vorjahr: 106)

Stand heute könnte Winterkorn erhobenen Hauptes seinen Posten räumen. Es war das Jahr vor der Finanzkrise und dem Beinahe-Kollaps der Weltwirtschaft, als er in das Büro des Vorstandschefs im zwölften Stock im Backsteinbau der Wolfsburger Konzernzentrale einzog. Volkswagen war damals zwar schon Europas größter Autobauer, von den Dimensionen, die General Motors in den USA oder gar Toyota in Japan produzierten, war man indes meilenweit entfernt.

Acht Jahre später hat Volkswagen General Motors überholt, und zu Toyota fehlten im vergangenen Jahr gerade noch 90.000 Autos. 10,14 Millionen Autos verkauften die Deutschen, 10,23 Millionen die Japaner. Und da sich Winterkorn zum Ziel gesetzt hat, die Umsatzerlöse auch in diesem Jahr um bis zu vier Prozent zu steigern, die Japaner aber bereits angekündigt haben, sich eher auf den Neustrukturierung interner Prozesse konzentrieren zu wollen, könnte Volkswagen in diesem Jahr bereits zum größten Autobauer der Welt aufsteigen. Winterkorns Name ginge damit unweigerlich in die Geschichtsbücher des Konzerns an ganz prominenter Stelle ein.

Doch auch ohne diesen Rekord kann man Winterkorns Wirken bei VW erfolgreich nennen. Das belegen allein die Zahlen seit seinem Amtsantritt: Rund sechs Millionen Autos wurden damals gebaut, zuletzt waren es erstmals mehr als zehn Millionen. Bei knapp zehn Prozent lag damals der Weltmarktanteil, nun sind es 12,9 Prozent. Der Umsatz wurde fast verdoppelt, das operative Ergebnis sogar mehr als verdoppelt. Hinzu kamen rund 140.000 neue Arbeitsplätze, davon gut 55.000 in Deutschland. Rund 600.000 Menschen arbeiten inzwischen weltweit für den Konzern. Kein Wunder, dass gerade das Verhältnis des Betriebsrates zum Chef als besonders gut gilt.

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