Kommentar zum Alcoa-Umbau: Angst vorm hässlichen Entlein

Kommentar zum Alcoa-Umbau: Angst vorm hässlichen Entlein

, aktualisiert 08. Januar 2016, 18:30 Uhr
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This April 7, 2014 photo shows the Alcoa logo in the lobby of the company's headquarters in Pittsburgh. A federal indictment unsealed Monday, May 19, 2014 says Alcoa and three other major manufacturing firms that are based or do much of their work in western Pennsylvania were hacked by five Chinese army officials who allegedly stole trade secrets and other proprietary or sensitive information. (AP Photo/Gene J. Puskar)

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Alles Unangenehme zuerst: Klaus Kleinfeld schließt ein Aluminiumwerk in den USA – und bereitet Alcoa für die Aufspaltung nach dem Sommer vor. Das lässt nichts Gutes hoffen für die Zahlen, die er am Montag präsentiert.

Auch wenn gerade erst Weihnachten war – bei Alcoa hat der Frühling angefangen. Es wird geschrubbt und geputzt, beim Aluminiumkonzern wird Klarschiff gemacht. Denn in der zweiten Jahreshälfte will Vorstandschef Klaus Kleinfeld das Unternehmen aufspalten: In einen reinen Aluminiumhersteller und in einen Spezialisten für High Tech-Materialien.

Die jetzt angekündigte Schließung von zwei Werken in den US-Bundesstaaten Indiana und Texas passt gut ins Bild. Wenn Alcoa sich in der zweiten Jahreshälfte aufteilt, droht der hässliche Entlein-Effekt. Schon ein flüchtiger Blick auf die beiden neuen Firmen zeigt, wer der schöne Schwan ist: Der tolle Spezialist für Materiallösungen, der beispielsweise intelligenten Schrauben für Flugzeuge oder superharten Leichtkarosserien für Pickups anbietet. In dem Geschäft winken schöne Wachstumsraten und hohe Gewinnmargen, die sich relativ frei von Konjunkturschwankungen erzielen lassen – weil die Kunden die Produkte händeringend brauchen. Kein Wunder, dass Kleinfeld künftig das bislang noch nicht benannte Geschäftsfeld leiten wird.

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Ganz anderes liegen die Dinge beim restlichen Alcoa. Der reinrassige Aluminiumhersteller ist ganz und gar den Weltmarktpreisen ausgeliefert. Kleinfeld weiß: Nach der Aufspaltung muss Alcoa Aluminium mit möglichst niedrigen Kosten produzieren, um die Schwingungen an den Rohstoffmärkten aushalten zu können – und um Anleger zu überzeugen. Die erste Reaktion der Börse auf die Schließungen war positiv, der Kurs schnellte nach oben, um aber mit den schwachen Märkten wieder nachzulassen.

Langfristig sollte die Nachfrage nach Aluminium steigen. Ob in der Autoindustrie oder im Flugzeugbau, das leichte und vielseitige Metall findet neue Einsatzgebiete. Aber derzeit braucht die Welt weniger von dem Metall. Nicht nur kämpft Chinas Wirtschaft mit Problemen, auch wird dort zu viel Aluminium hergestellt. Neu sind die Überkapazitäten nicht, der Aluminiumpreis schwächelt schon seit einiger Zeit. In den vergangenen zwölf Monaten schloss Alcoa in Brasilien bereits ein Werk und schränkte die Produktion in einem anderen ein. Jetzt kommt Amerika dran. Trotz niedriger Energiepreise ist die Produktion dort zu teuer.

Am kommenden Montag verkündet Alcoa seine Quartalszahlen. Angesichts des vorgezogenen Frühlingputzes sollten Anleger nicht auf zu viele gute Nachrichten hoffen. Die Werkschließungen kosten einiges an Geld. Auch sonst ist der Zeitpunkt für Kleinfeld günstig, unangenehme Neuigkeiten zu veröffentlichen. Erst langfristig wird sich zeigen, wie sehr Kleinfelds Strategie dem Traditionskonzern wirklich hilft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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