Kosmetikkonzern: Beiersdorf streicht 1.000 Arbeitsplätze

Kosmetikkonzern: Beiersdorf streicht 1.000 Arbeitsplätze

, aktualisiert 30. November 2011, 18:46 Uhr
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Beiersdorf will in den kommenden Jahren kräftig sparen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf setzt seine Neuausrichtung fort und will ab 2014 jährlich mehrere Millionen Euro einsparen. Rund 1.000 Arbeitsplätze werden gestrichen - auch Deutschland ist betroffen.

HamburgDer Nivea-Hersteller Beiersdorf verschärft seinen Sparkurs und streicht nun auch Arbeitsplätze. Wenige Monate vor seinem Abschied kündigte Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas weitere Einschnitte an, darunter den Abbau von weltweit bis zu 1000 Stellen. Damit wird klar, dass der vor einem Jahr von Quaas eingeleitete Konzernumbau länger dauern und schmerzhafter wird als anfangs gedacht. Der Großteil des für Deutschland geplanten Abbaus von bis zu 230 Arbeitsplätzen entfällt auf die Verwaltung in Hamburg.

Der Dax-Konzern betonte am Mittwoch, dass er sich nicht in einer Notlage befinde. „Wir handeln nicht aus Leidensdruck, wir liegen voll im Plan“, sagte ein Sprecher. Quaas bezeichnete die neuerlichen Schritte als „finale Phase“ in der Umsetzung seiner Strategie. Bei Analysten kam dies nicht gut an. „Das ist eine negative Überraschung“, urteilte Thomas Maul von der DZ Bank. „Wir hätten nicht einen so hohen Betrag an Einmalaufwendungen erwartet.“ Im Vergleich dazu fielen die von Beiersdorf erwarteten Einsparungen nicht allzu ermutigend aus. Schlecht kamen zudem die Abschreibungen auf das China-Geschäft an.

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Das Ganze schlug auch den bereits leidgeprüften Beiersdorf-Anlegern auf die Stimmung. Die Aktie des Dax-Konzerns gewann am Mittwoch zwar über drei Prozent an Wert, lag damit aber hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der Dax kletterte um fast fünf Prozent. Bei der Ankündigung vor einem Jahr hatte die Börse Beiersdorf übelgenommen, über die Folgen nicht ausreichend informiert zu haben.

Teil des nun angekündigten Umbaus ist eine stärkere Regionalisierung des Geschäfts der Kosmetiksparte mit Marken wie Nivea, Eucerin und Labello. Künftig sollen drei Geschäftsregionen Europa/Nordamerika, Asien und Schwellenländer selbst entscheiden können, welche Produkte sie ihren Kunden anbieten. Die Zentrale in Hamburg soll lediglich die strategische Linie vorgeben und sich ansonsten auf „globale Aufgaben“ beschränken. Dadurch fallen in der Hansestadt Stellen weg.

Die Neuausrichtung soll bereits bis Mitte nächsten Jahres weitgehend abgeschlossen sein. Weltweit sollen den Angaben zufolge bis zu 1000 der insgesamt rund 18.000 Stellen im Konzern gestrichen werden - vor allem in Europa, wo das Geschäft zuletzt eher schleppend verlief. Eine Stellungnahme des Betriebsrats war zunächst nicht zu bekommen.

Von den Umstellungen erwartet sich das Traditionsunternehmen, das von dem Handelskonzern Maxingvest kontrolliert wird, ab dem Jahr 2014 jährlich Einsparungen von rund 90 Millionen Euro. Bereits im nächsten Jahr sollen die Kosten um 25 Millionen sinken, 2013 sind Einsparungen von 75 Millionen geplant. Dem stehen Sonderkosten von 265 Millionen Euro gegenüber, die den Gewinn im laufenden Jahr belasten. Operativ erwartet Beiersdorf für die Kosmetiksparte für 2011 unverändert eine Marge (Ebit-Rendite) zwischen zehn und elf Prozent.


Wechsel mitten in der Renovierung

Damit übergibt Quaas seinem Nachfolger Stefan Heidenreich auf der Hauptversammlung Ende April ein Haus, das sich mitten in der Renovierung befindet. Quaas soll dann in den Aufsichtsrat wechseln. Den Schritt hatte Beiersdorf Anfang bereits Oktober angekündigt und dabei Vermutungen widersprochen, die Umstellungen gingen Mehrheitseigner Maxingvest nicht schnell genug. Der Konzernchef hatte bereits vor einem Jahr eine Neuausrichtung eingeleitet. Unrentable Produkte wurden aus den Regalen genommen, um Beiersdorf stärker als Hautpflegemarke zu positionieren. Dies hatte bereits deutliche Schrammen in der Bilanz hinterlassen.

Mit hohem Werbeaufwand versucht Beiersdorf, das Geschäft wieder in Fahrt zu bringen. Konkurrenten wie Procter & Gamble und L'Oreal hatten Beiersdorf in seinem Kerngeschäft angegriffen und dem Unternehmen Umsatz abgejagt.

Mit der Konzentration auf das Flaggschiff Nivea will der Konzern, der in diesem Jahr den 100. Geburtstag feiert, zu alter Stärke zurückfinden. Randbereiche wie die Marken Marlies Möller und Juvena wurden verkauft, das erfolglose Make-up-Geschäft in Deutschland eingestellt.

Nun greift Beiersdorf auch in China durch. Der Wert des vor einigen Jahren mit viel Hoffnungen gekaufte Haarpflegeanbieters C-Bons wird zum Großteil abgeschrieben, weil die Firma auf keinen grünen Zweig kommt. Die fälligen Wertberichtigungen bezifferte der Konzern auf 140 Millionen Euro. Nun will sich Beiersdorf auch bei den Chinesen stärker Hautpflegeprodukten punkten.

Die Gewerkschaft IG BCE und der Betriebsrat des Beiersdorf-Konzerns haben die Personalpolitik des Unternehmens scharf kritisiert. Beiersdorf habe seit Ende 2009 in der Zentrale mehr als 170 Mitarbeiter gegen den Willen des Betriebsrats unbefristet eingestellt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Das sei fast genau die Zahl der nun anstehenden Stellenstreichungen in der Konzernzentrale. “Das sind die Folgen einer verfehlten Personalpolitik“, sagte der Vorsitzende des Beiersdorf-Betriebsrats, Thorsten Irtz. Dem Wunsch des Betriebsrats nach einem Einstellungsstopp sei die Konzernführung erst im Oktober nachgekommen und damit viel zu spät. Nun gelte es, betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit zu vermeiden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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