Kretschmann bei Mercedes: „Es gibt den sauberen Diesel“

Kretschmann bei Mercedes: „Es gibt den sauberen Diesel“

, aktualisiert 03. April 2017, 14:05 Uhr
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Gemeinsam mit Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius (rechts) kam der Ministerpräsident zum Produktionsstart des neuen Diesel-Motors nach Untertürkheim.

von Martin-W. Buchenau und Markus FasseQuelle:Handelsblatt Online

Zwischen Abgasskandal und Feinstaubalarm schickt Daimler eine neue Generation Dieselmotoren auf die Straße. Zum Produktionsstart gibt selbst der grüne Ministerpräsident dem Selbstzünder-Motor seinen Segen.

Normalerweise sind Produktionsanläufe in der Autoindustrie keine öffentlichen Veranstaltungen. Nachdem der Knopf gedrückt ist, beginnt der ewige Kampf um Stückzahlen und Qualität. Nichts so bei Mercedes an diesem Montagmorgen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist eigens gekommen, um sich ein Bild vom neuen Ölmotors 654 zu machen. Bei der Testfahrt auf der Untertürkheimer Erprobungsstrecke atmet das gelbe, von der Dekra geprüfte Messgerät während der Fahrt alle Abgase des Fahrzeugs ein. Denn der OM 654 ist nicht irgendein Aggregat, es ist der neueste Dieselmotor des Hauses.

„Es gibt den sauberen Diesel, und er wird kommen“, sagt der grüne Regierungschef nach der Fahrt in staatstragendem Ton. Gleich daneben steht Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius und versichert: „Das ist der Stand der Technik, der hält die Grenzwerte ein.“

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Der demonstrative Schulterschluss zwischen Politik und Autobauer in Sachen Diesel ist wichtig für beide Seiten. Es sind nervöse Zeiten in der Branche. Die Geschäfte laufen einerseits gut wie lange nicht. Daimler und BMW sind laut der Unternehmensberatung EY die profitabelsten Autokonzerne der Welt, Volkswagen trotz Dieselskandal mittlerweile der Größte. Doch die Dieseltechnik, mit der die deutschen Autobauer in den vergangenen Jahren die Märkte aufgerollt haben, steht massiv in der Kritik.

Dieselskandal Was wusste Müller?

VW-Vorstandschef Müller blickt auf eine lange Karriere im Konzern zurück. Auffällig: Wo immer er an höchster Stelle Produktverantwortung hatte, blühten die Dieselmanipulationen. Was wusste er über die Tricksereien?

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG Quelle: dpa

Die Mercedes-Heimat Stuttgart will pikanterweise künftig bei hoher Feinstaubbelastung einen Großteil der Dieselautos mit Fahrverboten belegen. Und seit Ende März ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen nicht benannte Mitarbeiter im Daimler-Konzern wegen des Verdachts des Betrugs und der betrügerischen Werbung. Denn auch Daimler-Diesel zeigten im Labor ein anderes Abgasverhalten als auf der Straße.

Das soll mit dem OM 654 nicht mehr passieren. Drei Milliarden Euro haben die Stuttgarter in die neuen Aggregate investiert, die so sauber seien sollen, dass sie auch dem strengen Stuttgarter Fahrverbot standhalten. Der Motor verbraucht nicht nur 13 Prozent weniger Kraftstoff als sein Vorgänger, er liefert auch mehr Leistung. Die Techniker haben noch einmal viel aus dem über einhundert Jahre altem Antriebsprinzip herausgeholt: Zum Einsatz kommt das von Daimler-patentierten Nanoslide-Verfahren, bei dem der Kolben mit einer besonderen Beschichtung fast ohne Reibung durch das Zylindergehäuse gleitet.

Anders als bei seinem Vorgänger OM 651 sitzt gleich hinter dem Brennraum ein SCR-Katalysator und ein Dieselpartikelfilter, das macht die Abgasreinigung effektiver. Was dann noch an Stickoxiden übrig bleibt, soll in einem „Fallstrommischer“ durch Harnstoffeinspritzung endgültig zersetzt werden. Trotz der aufwendigen Abgasnachbehandlung soll der neue Motor – dank Aluminiumgehäuse – 30 bis 40 Kilogramm leichter sein als sein Vorgänger.

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