Kriselnde Schifffahrt: Bundesregierung unterstützt Reeder

exklusivKriselnde Schifffahrt: Bundesregierung unterstützt Reeder

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Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsministerium

von Hermann J. Olbermann

Vor dem Jahrestreffen der deutschen Reeder am Donnerstag stellt der maritime Beauftragte der Bundesregierung Erleichterungen in Aussicht.

WirtschaftsWoche: Herr Otto, ist die deutsche Schifffahrt noch zu retten?

Otto: Wir sind im Moment in einer schwierigen Situation. Doch langfristig ist die maritime Wirtschaft auch in Deutschland eine Wachstumsbranche und wird überdurchschnittlich zulegen. Denn der Welthandel nimmt zu, und über 90 Prozent des interkontinentalen Verkehrs werden über See abgewickelt. Hinzu kommen die großen Chancen in der Meerestechnik bei der Gewinnung von Öl, Gas und Windenergie.

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Im nächsten Jahr soll die deutsche Schifffahrt Beihilfen von 57,8 Millionen Euro erhalten...

Das haben wir gerade beschlossen zur Stärkung des maritimen Bündnisses, das Reeder, Gewerkschaften und Bundesregierung vereinbart haben. Damit stärken wir die Ausbildung des maritimen Nachwuchses und sichern seemännisches Know-how am Standort Deutschland.

Die deutschen Reeder betreiben zwar mehr Schiffe, lassen aber immer weniger unter deutscher Flagge fahren.

Die Reeder erläutern uns, dass die Banken von ihnen verlangen, alle Potenziale zum Kostensparen auszuschöpfen. Aber ich appelliere an die Reeder, bald deutlich mehr Schiffe unter deutsche Flagge zu bringen.

Stattdessen fordern die Reeder Abwrackprämien und Schiffsfinanzierungen durch die staatseigene KfW Bankengruppe.

Wir haben mit allen Beteiligten vereinbart, dass wir die vorhandenen Instrumente so flexibel wie möglich einsetzen. Aber wir waren uns mit dem Reederverband immer einig, dass es keinerlei branchenspezifische Sonderprogramme geben darf, also auch keine Abwrackprämien und keine speziellen Sonderfinanzierungsprogramme der KfW.

Schiffsgesellschaften sollen plötzlich Versicherungsteuer zahlen, wenn sie mehrere Schiffe, die jeweils von einem Fonds finanziert werden, in einen Einnahmepool stecken, um das Risiko zu mindern.

Ja, das Bundesfinanzministerium verlangt jetzt von solchen Pools eine Versicherungsteuer von 19 Prozent, und das auch noch rückwirkend. Das wäre kontraproduktiv. Deshalb sprechen wir mit dem Ministerium, inwieweit Pools wie bisher von der Versicherungsteuer freigestellt werden können.

Damit geben sich die Reeder wohl nicht zufrieden?

Die Bundesregierung prüft derzeit Ansätze, ob und inwieweit in Fällen eines Verkaufs oder einer Verschrottung von Schiffen die Besteuerung des Unterschiedsbetrags modifiziert werden kann. Weiterhin wird diskutiert, ob Schiffe immer nach dem Niederstwertprinzip bilanziert werden müssen oder ob auch eine Bewertung zulässig ist, die auf dem langfristigen Ertragspotenzial eines Schiffes basiert. Dann ist da noch die Frage, inwieweit die Möglichkeit besteht, bei Krediten, die länger als drei Jahre nicht bedient wurden, keinen Kreditausfall zu konstatieren.

HSH Nordbank und Commerzbank finanzieren keine Schiffsneubauten mehr. Und Schiffsfonds sind derzeit nicht attraktiv. Wer bleibt da noch?

Vor allem Banken aus anderen europäischen Ländern zeigen Interesse. Und wenn Schifffahrtsgesellschaften Schiffe nicht nur bereedern, also betreiben, sondern auch deren Eigentümer sind, stehen ganz andere Kapitalquellen zur Verfügung als bisher: Private-Equity-Gesellschaften und andere Kapitalmarktinstrumente.

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