K+S: Das steckt hinter der Anklage gegen die K+S-Manager

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Norbert Steiner, Vorstandsvorsitzender des Düngemittel- und Salzproduzenten K+S.

von Andreas Macho

Die Staatsanwaltschaft erhebt wegen des Verdachts der unerlaubten Abfallentsorgung Anklage gegen hochrangige K+S-Manager. Nach Informationen der WirtschaftsWoche richtet sich die Anklage auch gegen Vorstandschef Steiner und Chefkontrolleur Bethke.

Werner Hartung, Bürgermeister von Gerstungen, ist ein gemütlicher Typ: Ein runder Bauch, ein treuer Blick und ein zottiger Schnauzbart, aus dem er sich den Kaffee wischt - so regiert der 62-Jährige seit zwölf Jahren die thüringische 6000-Einwohner-Gemeinde. Doch Hartungs Gemütlichkeit schwindet beim Blick aus seinem Arbeitszimmer. Vor ihm ragt der "Monte Kali" in den Himmel, so nennen sie den 220 Meter hohen, weißgrauen Kegel aus rund 200 Millionen Tonnen Kalisalzabfällen hier.

Und ein paar Steinwürfe entfernt plätschert, mehr Salzlake denn Fluss, die schmutzige Werra. Richtiggehend wütend wird Hartung, wenn es um den Unrat unter seinem Rathaus geht. In 500 Meter Tiefe unter dem Gemeindegebiet schlummern hier nach seinen Berechnungen 9,5 Millionen Kubikmeter Kalisalzlauge, im Plattendolomit, einer porösen Gesteinsschicht. Die Brühe hat der Dax-Konzern K+S dort hineingepresst.

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Unerlaubte Abfallbeseitigung Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen K+S-Manager

Manager des Kali-Konzerns K+S sind vor dem Landgericht Meiningen wegen unerlaubter Abfallbeseitigung angeklagt worden. Das Landgericht im thüringischen Meiningen bestätigte den Eingang der Anklageschrift.

Manager des Kali-Konzerns K+S sind wegen unerlaubter Abfallbeseitigung von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden.  Quelle: dpa

Hartung wirft dem Unternehmen vor, mit der aufsteigenden Kalisalzlauge die Trinkwasserbrunnen der Gemeinde allmählich zu vergiften. Bereits 2008 stellte er deshalb Strafanzeige gegen unbekannt. Jetzt, mehr als sieben Jahre später, winkt dem Thüringer ein Erfolg - und K+S drohen ungemütliche Zeiten. Denn die Staatsanwaltschaft im benachbarten Meiningen hat den Rohstoffriesen mit 3,8 Milliarden Euro Umsatz und 14 000 Mitarbeitern zusammen mit dem Thüringer Landesbergamt als den großen Unbekannten in Hartungs Anzeige identifiziert. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklageschrift bereits am Landgericht Meiningen eingebracht, die sie nun an die Angeklagten zustellt.

Kommt es zur Hauptverhandlung, dürfte dies K+S im Kern zu erschüttern. Auch wenn das Landgericht Meiningen die Namen der Beschuldigten offiziell noch nicht bestätigt sind, richtet sich die Anklage nach Informationen der WirtschaftsWoche gegen keine Geringeren als Vorstandschef Norbert Steiner sowie seinen Aufsichtratsvorsitzenden und Vorgänger Ralf Bethke, der das Unternehmen von 1991 bis 2007 leitete. In gleicher Sache richtet sich die Anklage gegen rund ein Dutzend weiterer K+S-Manager und -Angestellte. K+S-Chef Steiner, sein Vorgänger Bethke sowie rund ein Dutzend Mitarbeiter sollen, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, daran beteiligt gewesen sein, dass K+S über Jahre hinweg Salzabfälle illegal unter der Erde entsorgt hat.

Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen drei Mitarbeiter des Thüringer Landesbergamtes. Ohne deren Mitwirken, so der Verdacht, hätte K+S die Kalisalzlauge nicht unter der Erde verschwinden lassen können. Stein des Anstoßes ist die Genehmigung der Behörde, an deren Rechtmäßigkeit die Staatsanwaltschaft zweifelt. Für die Eröffnung des Hauptverfahrens muss das Landgericht noch prüfen, ob hinreichender Tatverdacht besteht.

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