K+S: Konzern leidet unter hausgemachtem Desaster

K+S: Konzern leidet unter hausgemachtem Desaster

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Logo der K+S am Standort Sigmundshall in Wunstorf.

von Jürgen Salz und Andreas Macho

Deutschlands größter Rohstoffkonzern K+S bekommt seine Umweltprobleme derzeit nicht in den Griff. Zusätzlich leidet der Kasseler Konzern unter den niedrigen Weltmarktpreisen für Kali. Die Aktie knickte prompt ein.

Im ersten Halbjahr reduzierte sich der Umsatz des Kali- und Salz-Produzenten K+S um 20 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn brach gar um 53 Prozent auf 233 Millionen Euro ein.

Ganz unerwartet kam das Desaster nicht: Bereits Ende Juni ließ K+S durchblicken, dass sich der Gewinn vor Zinsen und Steuern im zweiten Quartal gegenüber Vorjahr von 180 Millionen Euro auf zehn Millionen Euro pulverisiert. Für 2016 erwartet K+S-Finanzvorstand Burkhard Lohr jetzt nur noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 200 und 300 Millionen Euro – nach 782 Millionen im Jahr 2015. Nach der Bekanntgabe der Zahlen gab der Aktienkurs um fünf Prozent nach.

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Die Ursachen für das Desaster sind zum Teil hausgemacht. Die Entsorgung der Salzabfälle wird für das Unternehmen immer mehr zum Problem. Es fehlt an überzeugenden Konzepten, eine endgültige Genehmigung der Behörden steht immer noch aus. So muss das Unternehmen um die Erlaubnis bangen, Salzabfälle wie bisher weiter unter der hessischen Erde verschwinden zu lassen; Salzabwässer darf K+S nur noch bei ausreichendem Regen in den Fluss Werra leiten.



Im Werk Werra musste K+S schon seine Bergleute, die unter Tage das Kalisalz fördern, in Kurzarbeit schicken. 4400 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Laut einem internen Schreiben, über das die WirtschaftsWoche Ende Juli berichtete, rechnen Anwälte des Unternehmens bei einer kompletten Werksschließung sogar mit Kosten von mehr als einer Milliarde Euro. K+S bezeichnet den Inhalt des Schreibens als „Worst-Case-Szenario“, das verdeutlichen soll, dass „ die Untersagung der Versenkung sehr weitreichende Folgen haben könnte.“

Probleme beim Projekt "Legacy"

Hinzu kommt die ungünstige Entwicklung auf dem Weltmarkt. Noch vor drei Jahren konnten für eine Tonne Kali Preise von rund 400 Dollar erzielt werden. Inzwischen sind die Preise aufgrund von Überkapazitäten und niedrigerer Nachfrage bei weniger als 250 Dollar je Tonne angekommen. Kürzlich einigten sich große Kalilieferanten mit chinesischen und indischen Abnehmern auf Preise in Höhe von 219 beziehungsweise 227 Dollar je Tonne. Sowohl die Probleme beim Gewässerschutz als auch die niedrigen Kalipreise drückten den K+S-Gewinn. Auch lief das Salzgeschäft nicht besonders, da aufgrund des milden Winters weniger Auftausalz nachgefragt wurde.

K+S Krisen+Sorgen statt Kali+Salz

Der Rohstoffkonzern bekommt seine Umweltprobleme im Bergwerk Werra aktuell nicht in den Griff. Schlimmstenfalls droht laut einem internen Papier ein Milliardenschaden – und dem Unternehmen ein finanzielles Fiasko.

K+S: Umweltprobleme können einen Milliardenschaden hervorrufen. Quelle: dpa/Montage

Und dann kam auch noch Pech dazu. Als größter Hoffnungsträger im Konzern gilt das Projekt „Legacy“ (Vermächtnis) – eine neue Kali-Mine in der kanadischen Provinz Saskatchewan, die dank eines neuen Förderverfahrens mit sehr niedrigen Produktionskosten arbeitet. Rund drei Milliarden Euro hat K+S dort investiert. Vor gut vier Wochen löste sich dort allerdings ein rund 30 Meter hoher Behälter aus seiner Verankerung. Menschen kamen nicht zu Schaden, doch damit verzögert sich der Zeitplan bei dem ehrgeizigen Projekt.

Die Inbetriebnahme stehe kurz bevor, versichert K+S. Allerdings wird die Produktion der ersten Tonne Kali nun erst für das zweite Quartal 2017 erwartet – und nicht, wie bisher, zum Jahresende 2016. Das Unternehmen geht aber weiter davon aus, die angestrebte Produktionskapazität von zwei Millionen Tonnen Ende 2017 erreichen zu können.

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