K+S: Krisen+Sorgen statt Kali+Salz

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K+S: Krisen+Sorgen statt Kali+Salz

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K+S: Umweltprobleme können einen Milliardenschaden hervorrufen.

von Andreas Macho und Jürgen Salz

Der Rohstoffkonzern bekommt seine Umweltprobleme im Bergwerk Werra aktuell nicht in den Griff. Schlimmstenfalls droht laut einem internen Papier ein Milliardenschaden – und dem Unternehmen ein finanzielles Fiasko.

Monoton ratternd zieht der Förderturm den Aufzugkäfig aus rund 700 Meter Tiefe an die Erdoberfläche. Stumm eilen Hunderte Männer und einige Frauen durch die sengende Mittagshitze und aus dem Werkstor des Kalibergwerks Werra. „Die Stimmung ist angespannt“, sagt ein älterer Bergmann. „Keiner weiß, ob und wie es hier weitergeht.“

Seit Jahresbeginn stand die Förderanlage des Bergwerks Werra nahe Heringen im hessisch-thüringischen Grenzgebiet schon mehrmals still. Der Betreiber, der Kasseler Rohstoffkonzern K+S, kann die Abfälle aus der Kaligewinnung nicht mehr wie bisher entsorgen – eine wichtige Genehmigung dazu fehlt. Weil das die Produktion bremst, musste K+S die Bergleute zeitweise in Kurzarbeit schicken. Wie es mittelfristig weitergeht, ist offen. Selbst eine komplette Werksschließung scheint möglich. Die 4400 Beschäftigten würden ihre Jobs verlieren.

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Für K+S wäre der Schritt ein finanzielles Fiasko. In einem internen Schreiben, das der WirtschaftsWoche vorliegt, rechnen Anwälte des Unternehmens für diesen Fall mit Kosten von mehr als einer Milliarde Euro. Für den Dax-Absteiger mit einem Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro wäre das ein Tiefschlag mit kaum absehbaren Folgen.



Das Kürzel K+S steht derzeit ohnehin mehr für Krisen und Sorgen als für Kali und Salz. K+S leidet unter dem weltweiten Preisverfall bei Düngemitteln, der Gewinn vor Steuern und Zinsen ist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr von 180 Millionen auf 10 Millionen Euro gefallen.

Steiner hinterlässt ein vergiftetes Erbe

Wenn K+S-Chef Norbert Steiner im kommenden Mai nach zehn Jahren an der Spitze aus dem Amt scheidet, hinterlässt er ein vergiftetes Erbe. 2015 hatte der heute 61-Jährige das Übernahmeangebot des kanadischen Konkurrenten Potash in Höhe von 41 Euro pro Aktie als nicht ausreichend abgelehnt. Seitdem hat sich der Kurs von K+S von über 35 auf 19 Euro fast halbiert. Entsprechend sauer sind die Aktionäre. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai gab es heftige Kritik.

Erst vor zwei Wochen gesellte sich zum Unglück dann auch noch Pech: Denn nun hakt es auch noch bei der größten Zukunftshoffnung von K+S, der kanadischen Kalimine Legacy. Nach einem Arbeitsunfall könnte die Anlage erst verspätet in Betrieb gehen.

Salzlauge wird beim Kali-Werk "Werra" des Kaliproduzenten K+S in die Werra eingeleitet. Quelle: dpa

Salzlauge wird beim Kali-Werk "Werra" des Kaliproduzenten K+S in die Werra eingeleitet.

Bild: dpa

Zunehmend in die Bredouille bringen K+S-Chef Steiner aber vor allem die Probleme mit dem Umweltschutz. Salzabfälle des Unternehmens belasten die Werra und möglicherweise das Grundwasser. Die Staatsanwaltschaft Meiningen hat die Entsorgungspraktik des Konzerns in der thüringischen Gemeinde Gerstungen unter die Lupe genommen und im März Anklage gegen Steiner, Aufsichtsratsboss Ralf Bethke und rund ein Dutzend weiterer teils ehemaliger K+S-Leute wegen gemeinschaftlicher Gewässerverunreinigung erhoben. Sollte das Landgericht die Anklage in den kommenden Wochen zur Hauptverhandlung zulassen, könnte Steiner sein Dienstende sogar auf der Anklagebank zubringen müssen. K+S ist hingegen überzeugt, dass kein strafbares Verhalten vorliege und die Vorwürfe unbegründet seien.

Im Visier des Staatsanwalts

Die Anzeige markiert das Ende der von der Staatsanwaltschaft beklagten Kumpanei zwischen Konzern und Landespolitikern. Rund 20 Millionen Tonnen fester Salzabfälle und sieben Millionen Kubikmeter flüssiger Salzlauge entstehen jährlich bei der Kaligewinnung im Werk Werra. Bisher hat der Konzern diese in der Umgebung zu riesigen Halden aufgeschüttet, in den Fluss Werra geleitet oder in tiefe Gesteinsschichten versenkt. Obwohl die Folgen dieser Praxis kaum absehbar sind, haben Behörden und Politiker sie über Jahre geduldet. Die Region ist strukturschwach, es fehlen Arbeitsplätze.

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