KTG Agrar: Dubiose Geschäfte des einstigen Börsenstars

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KTG Agrar: Dubiose Geschäfte des einstigen Börsenstars

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Nach der Pleite häufen sich die Ungereimtheiten.

von Mario Brück, Henryk Hielscher, Annina Reimann und Cordula Tutt

Nach der Pleite des Landwirtschaftskonzerns KTG Agrar häufen sich die Ungereimtheiten. Fragwürdige Darlehen und undurchsichtige Geschäfte in Rumänien müssen aufgeklärt werden.

Die Agusta A109S mit der Kennung D-HKTG landet am späten Nachmittag auf einem Parkplatz an der A9 südwestlich von Berlin. Siegfried Hofreiter packt seine Aktentasche und den Lederkoffer und kämpft sich geübt gegen den Propellerwirbel auf den achtsitzigen Helikopter zu. Der wuchtige Herr über Tausende Hektar Agrarland hat die Piloten kurzfristig nach Linthe im Landkreis Potsdam beordert.

Dort inspizierte der Chef des börsennotierten Ackerbaukonzerns KTG Agrar noch schnell eine alte Fertighausfabrik, die er gekauft und zu einem Lager- und Verarbeitungsbetrieb für Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln umgebaut hatte.

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Doch jetzt pressiert es den gebürtigen Oberpfälzer. Der Rundflug am Morgen über die Ländereien der KTG hat viel zu lange gedauert. Am Abend ist er in Belgien mit seinem Freund und Geschäftspartner Clemens Tönnies verabredet. „Er ist aus meinem Schrot und Korn. Bei ihm gilt: ein Mann, ein Wort“, lobt Hofreiter den Chef und Mitinhaber von Deutschlands größtem Fleischkonzern – und sich selbst gleich mit. Dann hebt der viel beschäftigte Vielflieger ab. Die große Show des Agrarindustriellen aus kleinen Verhältnissen geht weiter.

Allerdings nicht mehr lange.

PremiumKTG Agrar Krisenkonzern macht sich vom Acker

Missmanagement hat das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar ruiniert. Für Anleger geht es um mehr als 390 Millionen Euro in Aktien und Anleihen.

Quelle: dpa

Rund anderthalb Jahre später ist Hofreiters Höhenflug beendet. KTG Agrar, Deutschlands größter und seit 2007 an der Börse notierter Agrarkonzern, meldete am 5. Juli Insolvenz an. Eine Woche später legte Hofreiter seine Ämter nieder und machte sich vom Acker. Der Aufsichtsrat bestellte den Rechtsanwalt Jan Ockelmann in den Vorstand, der gemeinsam mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Sachwalter, dem Juristen Stefan Denkhaus, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung umsetzen soll.

20.000 Anleihekäufer bangen um ihr Geld

Die Sanierer stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: Innerhalb weniger Jahre hat Hofreiter seine Landwirtschaft zu einem europäischen Agrarimperium mit 46.000 Hektar bewirtschafteter Fläche aufgeplustert. Die Landnahme finanzierte der bayrische Pfundskerl vor allem auf Pump – über Bankkredite und Anleihen. 20.000 Käufer von Anleihen im Wert von 340 Millionen Euro bangen um ihr Geld.

Auch für Hofreiter und seinen Hofstaat steht viel auf dem Spiel. Die Pleite könnte ein juristisches Nachspiel haben. Anlegeranwälte machen bereits mobil und prüfen Klagen, weil KTG Agrar seine Anleger allenfalls rudimentär informiert habe. Auch Banken, die KTG-Aktien zum Kauf empfohlen haben, stehen in der Kritik.

Zudem lichtet Sachwalter Denkhaus derzeit das Firmengestrüpp aus mehr als 100 Beteiligungen, das Hofreiter um die KTG herum geschaffen hat. Denkhaus muss klären, was hinter Umfirmierungen und Verkäufen von einst zentralen Unternehmensteilen wie der Food-Sparte und der Tiefkühldivision steckt. Und es gilt, das Darlehensgeflecht von KTG Agrar zu entwirren.

Denn der klamme Ackerkonzern hat Darlehen von mehr als 130 Millionen Euro an externe Unternehmen vergeben. Allein rund 66 Millionen Euro – ein Fünftel der Anleihesummen – entfielen auf die KTK-Gruppe, die für den Vertrieb der Ernte zuständig ist. Statt die Gelder der Anleger zu investieren, wurden sie großteils an Dritte durchgereicht. Diese werden nicht selten von Personen aus Hofreiters direktem Umfeld kontrolliert.

Wozu die Darlehen dienten und ob sie jemals zurückgezahlt werden können, dazu schweigt Hofreiter. Weder telefonisch noch schriftlich beantwortet er die Fragen der WirtschaftsWoche. Auch ein Sprecher von KTG Agrar will zu konkreten Fragen derzeit keine Stellung beziehen. Zunächst stehe die Fortführung des Geschäftsbetriebs im Vordergrund, sagt er. Der Konzern sei „ein einziger Sumpf“, heißt es derweil aus dem Umfeld beteiligter Sanierer.

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