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KTG Agrar: KTG ist insolvent

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KTG-Agrar-Chef Hofreiter verschob die Hauptversammlung kurzerhand in den August.

von Henryk Hielscher und Mario Brück

KTG Agrar konnte die Zinszahlung einer Anleihe nicht leisten. Jetzt ist das Landwirtschaftsunternehmen pleite.

Wie der seit Wochen ums Überleben kämpfende Agrarkonzern am frühen Nachmittag mitteilte, kann das Unternehmen die fälligen Zinsen in Höhe von rund 18 Millionen Euro für die fast 250 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe auch nach rund vier Wochen Verzögerung nicht bedienen. Morgen wäre die Frist für die Zinszahlung offiziell abgelaufen.

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der KTG Agrar hätten nach eingehender und sorgsamer Prüfung die Entscheidung getroffen, die Restrukturierung und Sanierung der KTG Agrar im Rahmen der Möglichkeiten des ESUG (Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) durchzuführen.

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Ein entsprechender Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wurde beim zuständigen Amtsgericht Hamburg eingereicht und angenommen. Die Tochtergesellschaften der KTG Agrar seien von dem Antrag nicht betroffen, teilte KTG mit.

KTG Agrar Ist der Krisenkonzern noch zu retten?

Die Lage bei KTG Agrar spitzt sich zu. Nur noch wenige Tage bleiben dem Unternehmen, um fällige Anleihezinsen zu bezahlen und die Insolvenz abzuwenden. Unterdessen wachsen die Zweifel am Geschäftsmodell der Firma.

KTG-Agrar-Chef Hofreiter. Quelle: Werner Schuering für WirtschaftsWoche

Mit der KTG ist einer der größten Emittenten von Mittelstandsanleihen pleite. Neben der Anleihe über knapp 250 Millionen Euro, das die Insolvenz nun auslöste, hat KTG Agrar noch eine zweite Anleihe mit einem Volumen von knapp 100 Millionen Euro am Markt. Im Oktober sind rund 6,7 Millionen Euro Zinsen für diese Anleihe fällig. Bis Juni 2017 muss das Unternehmen zudem 250 Millionen Euro für die Rückzahlung der ersten Anleihe auftreiben. Auch die Aktie des Unternehmens ist börsennotiert.

Der operative Betrieb, so KTG, werde fortgeführt, insbesondere die Einbringung der Ernte auf über 45 000 Hektar. Zur Deckung der Löhne und Gehälter werde umgehend eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet. Ziel der Beteiligten ist es, das Unternehmen und die KTG-Gruppe langfristig zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze an den Standorten zu sichern.

Die Insolvenz hatte sich in den vergangenen Wochen angekündigt. Zudem hatte das Vertrauen der Anleger in die Aussagen des KTG-Agrar-Managements massiv gelitten. Gleich zahlreiche Erklärungen und Aussagen des Unternehmens haben sich als irreführend oder schlicht falsch erwiesen. Den Anfang machten Aussagen zu einem Einstieg der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun im vergangenen Jahr. "Wir haben mit Fosun einen verlässlichen und renommierten Partner gewinnen können", jubelte Hofreiter in einer Pressemitteilung vom 29. Juni 2015. "Wir werten den Einstieg von Fosun als Bestätigung für die Unternehmenspositionierung von der KTG Gruppe." Dumm nur, dass es zu dem Einstieg der Chinesen nicht kam. So musste das KTG kürzlich einräumen, dass Verhandlungen über die Beteiligung bereits Ende 2015 ausgesetzt wurden.

Von ähnlicher Substanz erwies sich die bisherige Kommunikation zu den Anleihezinsen. Am 6. Juni informierte der Konzern seine Anleger, dass die Fälligen Zinsen nicht pünktlich gezahlt werden könnten und bat die Investoren um etwas Geduld. Schließlich habe KTG "die Hebung stiller Reserven für die Zinszahlung bereits eingeleitet", erklärte das Unternehmen. Das ausstehende Geld sollte aus einer Art Sale-and-lease-back-Geschäft kommen, geht aus einer Pressemitteilung hervor.

KTG Agrar Krisenkonzern KTG Agrar hat Lebensmittelsparte geschrumpft

KTG Agrar hat bereits vor Monaten Teile seines Unternehmens umfirmiert oder verkauft, ohne Anleger darüber zu informieren. Die Veränderungen verstärken Zweifel am Geschäftsmodell des Konzerns.

Siegfried Hofreiter Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

KTG habe Flächen an einen Investor verkauft und wolle diese zurückpachten. Der Vertrag sei bereits notariell beglaubigt, die Verzögerung den Modalitäten bei der Übertragung von Agrarflächen geschuldet. Alles auf gutem Weg also. "Daher wird mit einer Zinszahlung innerhalb den kommenden 14 Tagen gerechnet", heißt es in der Mitteilung.

Doch auch diese Frist verstrich, ohne dass KTG zahlte. Stattdessen bat der Konzern "nochmals um Entschuldigung und Nachsicht" - garniert mit einem Frontalangriff auf Anleger, die es gewagt hatten, an der Finanzkraft des Unternehmens zu zweifeln: „Bedauerlicherweise haben „Kommentatoren“ aus unserer Sicht wohl aus Unkenntnis der Geschäftslage und unserem Markt- und Erntepotenzial durch deren Berichterstattung, bei einigen Investoren für Unsicherheit gesorgt.“ Trotzdem ließ Hofreiter verlauten, dass er weiter von einer Zahlung ausgehe.

Dabei hatte Hofreiter große Pläne. Einen ganzheitlichen Konzern versprach der Vorstandschef des Ackerbetriebs KTG Agrar seinen Anlegern. Von der Saat über die Ernte bis hin zur Herstellung fertiger Produkte für den Lebensmittelhandel sollte alles aus einer Hand kommen. Aus seiner Hand. Das Ziel: Statt nur Kartoffeln und Getreide zu ernten, wollte Hofreiter im margenstärkeren Geschäft mit Konsumenten mitmischen. „Vom Feld bis auf den Teller“ lautet denn auch der Slogan des Konzerns, Hofreiter stellte gar einen „gesonderten Börsengang der Foodsparte“ ab 2018 in Aussicht.

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