Künftiger Bayer-Chef Werner Baumann : Nicht der Revoluzzer-Typ

Künftiger Bayer-Chef Werner Baumann : Nicht der Revoluzzer-Typ

, aktualisiert 12. April 2016, 11:59 Uhr
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Der bisherige Strategievorstand wird Nachfolger des scheidenden Bayer-Chefs Marijn Dekkers.

Quelle:Handelsblatt Online

Am 1. Mai wird Werner Baumann neuer Chef der Bayer AG. Er setzt auf Evolution statt Revolution, hat aber ambitionierte Ziele: Im Pflanzenschutz will er den Konzern an die Weltspitze führen und Syngenta abhängen.

FrankfurtEnde April steht der große Führungswechsel bei Bayer an. Werner Baumann übernimmt dann die Führung als Nachfolger des bisherigen Chefs Marijn Dekkers. Der Niederländer hat Bayer in den vergangenen fünf Jahren zu einem der erfolgreichsten Player in der Pharmaindustrie und in der Agrochemie gemacht. Daran wird der bisherige Strategievorstand Baumann anknüpfen.

Bei seinem ersten offiziellen Auftritt vor Journalisten machte der 53-Jährige klar: Große strategische Veränderungen werden mit dem Wechsel an der Spitze nicht einhergehen. „Sie sollten nicht davon ausgehen, dass sich Bayer auf einmal in eine andere Richtung entwickelt“, sagte Baumann. Es gelte vielmehr weiter die Devise: Evolution statt Revolution.

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Dem künftigen Bayer-Chef mangelt es aber nicht an Ambitionen. Baumann machte deutlich, dass er Bayer entlang der bisherigen Strategie auf breiter Front als Gesundheits- und Life-Science-Konzern voranbringen will. Dabei steht nicht nur die derzeit besonders wachstumsstarke Pharmasparte im Blickfeld, die dank mehrerer erfolgreicher Neuentwicklungen in den letzten Jahren jeweils zweistellig zulegte. Auch bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten (OTC) und der kleineren Sparte Animal Health (Tierarzneien) setzt der designierte Bayer-Chef offenbar auf Expansion.

Ein konkretes Ziel verfolgt Baumann im chemischen Pflanzenschutz, also im Verkauf von Mitteln gegen Unkraut und Pilz- und Insektenbefall. Bis Ende des Jahrzehnts soll Bayer darin der weltweit führende Anbieter werden und und damit den aktuellen Marktführer Syngenta überrunden. Dahinter steckt auch die Botschaft: Bayer wird sich nicht von der Agrarchemie trennen, wie zuletzt am Finanzmarkt spekuliert wurde.


Offensive bei rezeptfreier Medizin

Zugleich machte Baumann klar, dass Bayer in der gegenwärtigen Neuordnung der Agrarchemiebranche nicht unter Zugzwang stehe. Seiner Überzeugung nach braucht Bayer keine großen Akquisitionen, um Nummer eins im chemischen Pflanzenschutz zu werden. Das Ziel könne mit der bisherigen Strategie erreicht werden, die sich auf Innovationen, kleinere Zukäufe und intelligentes Marketing stützt. Bereits in den letzten Jahren konnte der Leverkusener Konzern damit Marktanteile im Agrogeschäft gewinnen. Was den Pflanzenschutz angeht, hat der Baseler Konkurrent Syngenta mit zuletzt knapp neun Milliarden Euro Umsatz noch rund 700 Millionen Euro Vorsprung vor Bayer. Im Saatgutbereich ist Syngenta mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz rund doppelt so groß wie Bayer.

Auch im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (OTC), das derzeit von starken Konsolidierungstendenzen geprägt ist, zeigt sich der neue Bayer-Chef entschlossen, die Position des Leverkusener Konzerns weiter auszubauen. Im OTC-Geschäft sah sich Bayer nach dem Kauf der Consumer Health Sparte vom US-Konzern Merck & Co mit rund sechs Milliarden Euro Umsatz und rund 4,5 Prozent Weltmarktanteil kurzzeitig in einer Spitzenposition.

Inzwischen wurde der Konzern aber auf diesem Gebiet eingeholt, und zwar durch den Zusammenschluss der OTC-Sparten von Novartis und Glaxo-Smithkline sowie durch die geplante Übernahme des Consumer Health-Geschäfts von Boehringer durch Sanofi. Mit seiner starken Marke und Produkten wie Aspirin habe Bayer aber alles Recht der Welt, „diesen Markt führend mit zu entwickeln“.

Selbst das Tierarzneien-Geschäft (Animal Health), wo Bayer in den letzten Jahren mehrfach bei Übernahmen nicht zum Zuge kam und von Konkurrenten übertrumpft wurde, sieht Baumann weiter als potenzielles Expansionsfeld für Bayer. „Wir finden, dass das eine attraktive Industrie für Bayer ist, und es ist weiter unser Ziel, dieses Arbeitsgebiet strategisch zu stärken.“ Sollte dies allerdings nicht gelingen, räumt der künftige Bayer-Chef ein, müsse man sich wie in allen Bereichen auch bei diesem Thema die Frage stellen, ob diese Geschäfte bei Bayer noch am besten aufgestellt seien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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