Kunststoffe, Verpackungen, Reifen: Rohstoffpreise geben nach

Kunststoffe, Verpackungen, Reifen: Rohstoffpreise geben nach

Am Ölpreis hängt ein Großteil der Kosten in der Chemieindustrie. Sein Absturz könnte - in abgeschwächter Form - auch Endprodukte für die Verbraucher billiger machen. Das Ausmaß dürfte aber eher gering sein.

Die Chemieindustrie, aber auch Reifenhersteller können sich 2015 auf sinkende Kosten für wichtige Rohstoffe einstellen. Das liegt vor allem an den massiv gefallenen Ölpreisen. Erdöl ist ein zentraler Grundstoff für viele Chemikalien, aus denen Kunststoffe, Verpackungen und Reifengemische hergestellt werden. Branchenvertreter dämpfen jedoch Erwartungen, dass niedrigere Einkaufspreise in größerem Umfang an die Verbraucher weitergegeben werden könnten.

Nutznießer sinkender Beschaffungskosten für Chemikalien seien in einer ersten Stufe zunächst die Betriebe, sagte der Chefvolkswirt des Verbands der Chemischen Industrie, Henrik Meincke, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Unsere Produkte gehen vor allem in die Verpackungs-, Auto- oder Bauindustrie.“ Bei solchen, die direkt an Endkunden gehen - etwa Seifen, Waschmitteln oder anderen Konsumgütern -, sei wohl mit „keinem allzu großen Preisrückgang“ zu rechnen.

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Nachlässe seien prinzipiell aber möglich. „Wenn es eine Kostenentlastung gibt, erwarten die Kunden, dass das möglichst rasch weitergegeben wird“, sagte Meincke. Letztlich werde der mögliche Umfang von der Frage bestimmt, wie sich die Ölpreise weiter entwickeln. Das sei aber schwer vorherzusagen.

„Für Chemikalien rechnen wir 2015 zunächst mit einem Preisrückgang von 0,5 Prozent“, schätzte Meincke. 2014 war das Niveau bereits um ein Prozent gesunken. Mit Blick auf die billige Energie in den USA entspanne der Ölpreissturz die Lage für die deutsche Chemie etwas.

Auch die Kautschuk-Industrie meldete zum Jahreswechsel geringere Rohstoffkosten, die etwa die Reifenpreise drücken könnten. Dabei spielt einerseits Synthesekautschuk, für dessen Herstellung auch Öl verwendet wird, in bestimmten Gummigemischen eine Rolle.

So funktioniert der Rohstoffhandel

  • Future-Contracts

    Bei einem Future-Contract kauft der Investor Rohstoffe nicht an regulären Märkten zu aktuellen Preisen sondern handelt auf Terminmärkten wie der deutsch-schweizerischen EUREX, der Chicago Mercantile Exchange (CME) zu der die Chicago Board of Trade (CBoT) gehört oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Hier wird der jeweilige Rohstoff zu einem Termin in der Zukunft gekauft. Der Investor bestellt beispielsweise im Februar Kakao, der im Juli geliefert werden soll.

  • Spot-Preis

    Spot-Geschäfte mit ihren kurzen Erfüllungsfristen sind das Pendant zu den Terminmärkten. Zwischen Bestellung und Lieferung liegen maximal zwei Börsentage. Der Spot-Preis ist dementsprechend der Preis, den Händler kurzfristig für den jeweiligen Rohstoff zahlen beziehungsweise erzielen. Bei Kassa-Preis dagegenhandelt es sich um den aktuellen Preis von Finanztiteln.

  • Cost of Carry

    Die Costs of Carry bei Rohstoffen setzen sich beispielsweise aus Lager- und Speditionskosten zusammen. Der Wert eines Future-Kontrakts besteht aus dem Kassa-Preis, also dem bei Vertragsabschluss herrschendem aktuellen Kakaopreis, und den Costs of Carry. Deshalb liegen die Future-Preise bei Termingeschäften anfangs meist über den Kassa-Preisen. Wenn ein Investor im März Kakao für Dezember bestellt, entstehen schließlich Lagerkosten für neun Monate. Er zahlt also den aktuellen Preis plus die Lager- und Speditionskosten. Der Händler kann die Lagerkosten aber über die neun Monate hinweg abschreiben - je näher der Liefertermin rückt, desto stärker nähert sich der Future-Preis dementsprechend wieder dem Kassa-Preis an.

  • Nearby–Future

    Der Nearby-Future ist der Rohstoff-Kontrakt mit der kürzesten Fälligkeit. Das Gegenteil, also der Future-Kontrakt mit der längsten Laufzeit, heißt dagegen Most-Distant-Futures-Contract.

  • Rollen

    Wer direkt in Rohstoffe investieren will, kauft statt einer Aktie oder eines Zertifikats einen Future-Kontrakt mit einer bestimmten Laufzeit und einem Erfüllungszeitpunkt. Der Erfüllungszeitpunkt ist nichts anderes als der Liefertermin. Das heißt, wer ein Kakao-Future mit einer Laufzeit bis Juli 2013 kauft, bekäme im Juli 2013 auch die gekaufte Menge Kakao geliefert.

    Ursprünglich ging es bei Warentermingeschäften schließlich um den Kauf physischer Rohstoffe. Mittlerweile sind viele der Kontrakte Spekulationsgeschäfte. Wer nur Geld verdienen und nicht auf zig Tonnen Kakao sitzen möchte, muss also vor Ende der Laufzeit seinen Kontrakt verkaufen und einen neuen mit einem späteren Liefertermin kaufen. Dieser Vorgang nennt sich rollen.

  • Rollrendite

    Beim Rollen können Anleger sowohl Gewinne als auch Verluste machen: Wer seinen alten Kontrakt günstig verkauft und den neuen Kontrakt teuer kauft, erwirtschaftet eine negative Rollrendite, macht also Rollverluste. Verkauft er dagegen teuer und kauft billig, fällt die Rollrendite positiv aus, er macht Rollgewinne.

  • Contango

    Bei einer Contango-Situation ist der Spot-Preis geringer als der ausgemachte Preis bei Fälligkeit des Future-Kontrakts. Wenn ein Anleger seinen Vertrag in so einer Situation weiterverkauft und in einen Most-Distant-Futures-Contract investiert, kann er Gewinne abgreifen. Wer dagegen bei niedrigem Spot-Preis und hohem Terminpreis seine Kontrakte abstößt und Kontrakte mit nächstmöglicher Lieferzeit kauft (Nearby-Futures) riskiert Verluste.

    Das Gegenteil von Contango ist eine Backwardation.

  • Backwardation

    Bei der Bachkwardation-Situation liegt der Preis der Future-Kontrakte unter denen am Kassamarkt. Der Anleger verkauft also vor Liefertermin seinen Kontrakt bei aktuell hohem Preis und kann günstig einen den Nearby-Future erstehen. Er verbucht also Rollgewinne.

Beim Naturkautschuk könne man noch nicht genau abschätzen, ob dieser weiter billig bleibt. „Aber ein großes Wachstum wird es wohl nicht geben“, schätzte Helmut Hirsch vom Branchenverband angesichts der 2014 nur leicht gestiegenen Umsätze vieler Kautschuk-Verarbeiter.

Daneben gebe es weitere wichtige Faktoren. „Bei den Reifen steht das Geschäft zum Beispiel besonders unter dem Einfluss der Witterung, jetzt besonders mit dem Verlauf des Winters“, betonte Hirsch. In den ostasiatischen Anbauländern spiele das Wetter ebenfalls eine zentrale Rolle: „In der bald wieder einsetzenden Regenzeit geht die Produktion zurück - das hat meist einen stabilisierenden Effekt auf die Preise.“

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