Lanxess-Chef Heitmann: „Wir sind dort, wo alle hinwollen“

Lanxess-Chef Heitmann: „Wir sind dort, wo alle hinwollen“

, aktualisiert 21. Dezember 2011, 13:11 Uhr
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Axel Heitmann (52) ist Vorstandsvorsitzender bei Lanxess seit der Ausgliederung des Unternehmens aus dem Bayer-Konzern im Jahr 2004.

von Peter Brors und Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

Axel Heitmann will den Chemiekonzern Lanxess vom Massenmarkt abgrenzen. Im Interview erläutert der Vorstandsvorsitzende seine teils riskante Wachstumsstrategie - und warum er trotzdem daran glaubt.

Handelsblatt: Herr Heitmann, vor wenigen Monaten haben Sie den Großteil Ihrer Lanxess-Aktien verkauft. Würden Sie das aus heutiger Sicht noch einmal so machen?

Axel Heitmann: Dazu ist doch schon alles gesagt. Die Gründe für diesen Verkauf waren rein privater Natur und hatten mit der Unternehmensentwicklung nichts zu tun. Daran hat sich nichts geändert. Das habe ich damals allen Beteiligten so erläutert. Und das ist auch so verstanden worden.

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Manche Aktionäre haben das offenbar nicht gleich verstanden, sonst wäre der Kurs zunächst doch nicht so eingebrochen. Hätte man das insofern nicht besser kommunizieren müssen?

Den eigenen Aktienkurs sollte man als Vorstandsvorsitzender nicht kommentieren. Aber schauen Sie sich den Kursverlauf und alle externen Faktoren um diesen Zeitpunkt herum einmal genau an. Und was die Kommunikation betrifft: Wo fängt privat an? Wo hört es auf?

Für die Öffentlichkeit ist es nicht leicht zu begreifen, wenn ein Unternehmenslenker 90 Prozent seiner Aktien verkauft.

Ich besitze ja immer noch rund 20.000 Lanxess-Aktien. Das ist mehr als die meisten deutschen Vorstände an ihren Unternehmen halten. Mein Commitment zum Unternehmen ist genauso stark wie am ersten Tag. Ich habe kürzlich meinen Vertrag verlängert, habe das Vertrauen des Aufsichtsrats und habe tolle Pläne für Lanxess.

Manche interpretierten den Deal vielleicht trotzdem als Indiz für getrübte Aussichten.

Lassen wir doch mal die Fakten sprechen: Wir haben Rekordergebnisse für das zweite Quartal publiziert, Rekordergebnisse für das dritte Quartal, und werden auch für das Gesamtjahr ein Rekordergebnis erzielen. Während andere Chemiefirmen ihre Prognosen reduzierten, haben wir die Prognose für 2011 vor wenigen Wochen bestätigt und erwarten nunmehr einen Anstieg unseres Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) um ein Fünftel auf rund 1,1 Milliarden Euro.

Stellen die wachsenden Konjunkturrisiken das nicht infrage? Der US-Konzern Dupont hat seine Prognose im Oktober auch angehoben und musste sie inzwischen wieder korrigieren.

Wir stehen zu unserer Guidance. Der Konsensus der Analysten geht sogar von einem noch höheren Ergebnis aus. Und auch das macht mich nicht nervös. Wir haben die Erwartungen, die an uns gestellt wurden, bisher immer erfüllt.


„Wer zu früh vom Gas geht, hat schon verloren“

Wie wird es denn 2012 weitergehen?

Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Start in das neue Jahr haben werden. Für einen Blick auf das ganze Jahr ist es aber noch zu früh. Die Unsicherheit ist hoch. Auch unsere Kunden sind nervös und ordern mit größerer Vorsicht. Aber mir sind verantwortliche Kunden lieber als solche, die hektisch auf Veränderungen reagieren müssen.

Wären Sie gegen eine Flaute wie im Jahr 2008 gewappnet?

Einen solchen dramatischen Einbruch betrachte ich als sehr unwahrscheinlich. Zudem sind wir sowohl mit unserem Produktportfolio als auch geografisch heute besser positioniert. Fast 40 Prozent der Erlöse erzielen wir in den Schwellenmärkten. Zudem haben wir ja vor zwei Jahren gezeigt, was wir können, wenn’s tatsächlich mal nicht so gut läuft.

Und das heißt?

Wir wollen das Tempo hoch halten. Wenn dann Hindernisse kommen, muss man eben umso stärker bremsen. Das ist wie in der Formel 1: Wer zu früh vom Gas geht, hat schon verloren.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass Sie langfristig vorne mithalten können?

Wir haben Lanxess in den vergangenen sieben Jahren grundlegend transformiert, uns dabei aus niedrigmargigen Massengeschäften zurückgezogen, gezielt das Geschäft mit höherwertigen Produkten ausgebaut und investieren stark in die Forschung. Lanxess ist heute ein Technologieunternehmen und wird auch von den Kunden zunehmend so gesehen. Wir sind im Grunde schon dort, wo alle in der Branche hinwollen: in der höherwertigen Chemie.


„Unsere Kunden sind bereit, mehr zu bezahlen“

Wie viel ihres Geschäfts ist den patentgeschützt?

Was nützt Ihnen das Patent im Safe, wenn Sie es nicht in Geschäft umwandeln? Entscheidend ist, dass man das technologisch bessere Angebot hat, in hocheffizienten Anlagen produziert und auf die richtigen Märkte und Megatrends ausgerichtet ist. Lanxess hat das geschafft. Unsere Kunden sind bereit, höhere Preise für unsere Produkte zu zahlen, weil sie eine höhere Leistungsfähigkeit dafür erhalten.

Als führender Kautschukhersteller machen sie rund 40 Prozent Ihres Geschäfts mit der Auto- und der Reifenindustrie. Ist diese Abhängigkeit nicht zu hoch?

Nein, der Megatrend Mobilität ist ein schönes und relativ krisensicheres Arbeitsgebiet, das zudem technologisch immer wichtiger wird. Die Menschen werden ja weiter den Anspruch haben, mobil zu sein, müssen dabei aber viel schonender mit den Ressourcen umgehen. Unsere neuen Kautschukprodukte können dazu einen maßgeblichen Beitrag leisten. Vor allem die bekannten deutschen Premium-Autohersteller saugen diese Technologien geradezu auf.

Was wird für die Aktionäre dabei herausspringen?

Wenn Sie sich unsere Entwicklung anschauen: Seit dem Börsengang 2005 haben wir eine bessere Kursperformance als alle großen Chemiefirmen. Und abgesehen vom Krisenjahr 2009 haben wir unser Ergebnis seit 2004 kontinuierlich gesteigert. 2011 werden wir beim Ebitda erstmals die Milliardenschwelle überschreiten, und bis 2015 wollen wir das auf 1,4 Milliarden steigern.

Sie reden immer vom Ebitda.

Das ist die gängige Erfolgsgröße in unserer Branche, ...

... aber nicht unbedingt die entscheidende aus Sicht der Aktionäre.

Auch mit unserem erwarteten Rekordnettogewinn und unserer Dividendenpolitik können wir uns sehen lassen.


„Bei uns ist noch keine Übernahme schiefgegangen“

Der Free Cash-Flow fällt dagegen bescheiden aus, und die Verschuldung geht tendenziell wieder hoch.

Da muss man genauer hinschauen. Wir erzielen einen starken Cash-Flow, reinvestieren den aber in neue Anlagen. Das ist genau austariert. 2011 investierten wir rund 600 Millionen Euro in Sachanlagen und werden in den nächsten Jahren ähnlich stark investieren. Darüber hinaus setzen wir auf externes Wachstum durch Akquisitionen wie etwa die Übernahme des Kautschukgeschäfts von DSM. Das sind alles Vorleistungen für zukünftige Ergebnisströme.

Viele Übernahmen in der Chemie gehen schief.

Bei uns ist noch keine schiefgegangen. Im Gegenteil: Die sind in der Regel besser gelaufen als erwartet. Auch das DSM-Geschäft entwickelt sich besser, als wir es erwartet hatten. Die Integration liegt voll im Plan.

Sie haben gerade eine neue Firmenzentrale in Köln für zehn Jahre angemietet. Welche Ziele haben Sie sich für diesen Zeitraum vorgenommen?

Lassen Sie uns erst mal 2015 erreichen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass die Ziele danach genauso ambitioniert sein werden. Und mein Vertrag läuft ja bis 2017.

Manche Politiker in Nordrhein-Westfalen meinen, dass Lanxess eigentlich zu klein sei und besser mit dem Konkurrenten Evonik fusioniert werden sollte.

Da wissen Sie mehr als ich. Mit mir hat darüber niemand gesprochen.

Würden Sie die Idee denn für sinnvoll halten?

Ich habe Ihnen ja gesagt, was ich für sinnvoll halte. Lanxess ist in eigener Regie eine spannende Story und hat noch enormes Wertsteigerungspotenzial.

Und Ihr einstiges Schwesterunternehmen, die Kunststoffsparte von Bayer, wäre das ein guter Partner für Lanxess?

Was BMS betrifft, da müssen Sie Bayer fragen. Die Sparte steht meines Wissens nicht zum Verkauf. Aber ich kann eines sagen: Wir wachsen auch durch Akquisitionen. Und wenn sich dabei Chancen in Deutschland ergeben, bin ich der Erste, der sich dafür einsetzt. Denn die Chemie ist eine der wichtigsten Säulen der deutschen Industrie. Sie ist einer unserer größten Exportmotoren und Garant für zukünftig sichere Arbeitsplätze. Deshalb ist es unsere Verantwortung, dass die Hauptquartiere der Chemie in Deutschland bleiben.

Herr Heitmann, wir danken Ihnen für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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