Lanxess fällt aus dem Dax: Warum der Abstieg für Konzernchef Zachert erst der Anfang ist

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Lanxess fällt aus dem Dax: Warum der Abstieg für Konzernchef Zachert erst der Anfang ist

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Der Vorstandsvorsitzende von Lanxess, Matthias Zachert, plant schon für die Zeit nach dem DAX

von Jürgen Salz

Für Lanxess war es ein kurzer Aufenthalt in der ersten Börsenliga: Schon nach drei Jahren muss das der Chemiekonzern seinen Platz im deutschen Leitindex Dax abgeben. Konzernchef Matthias Zachert plant die Zeit danach und genießt das Vertrauen der Investoren. Wie macht er das?

Die ersten Kilometer laufen gut für Startnummer 2236. Matthias Zachert, 47 Jahre, trägt ein Laufshirt mit Lanxess-Logo, kurze Sporthose, weiße Socken und Laufschuhe mit orangefarbenen Schnürsenkeln. Der Antritt: entspannt und ambitioniert. Die Strecke beim Leverkusener Halbmarathon führt zunächst durch einen Wald namens Bürgerbusch. Die äußeren Bedingungen sind gut, 15 Grad, leichter Wind, weder Hitze noch Regen.

Doch nun, nachdem die ersten Abschnitte geschafft sind, wird der Weg anstrengender. Zachert läuft nun auf Asphalt statt Lehmboden. Seine Knie werden schwerer. Und die schwerste Prüfung steht noch bevor: Der gefürchtete Anstieg am Sauerberg kommt erst zum Schluss. Am Ende erreicht Startnummer 2236 das Ziel in Leverkusen-Opladen. Hochroter Kopf, das Gesicht voller Schweißtropfen. Eine Stunde, 46 Minuten, 43 Sekunden zeigt die elektronische Zeitmessung an. Besser als die 1:49 aus dem vergangenen Jahr.

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Die äußeren Bedingungen sind gut

Was nach fröhlichem Freizeitvergnügen klingt, spiegelt in Wirklichkeit Zacherts eigentliche Hauptbeschäftigung sehr gut wider: seinen Job als Vorstandschef beim Kölner Chemiekonzern Lanxess.

Zachert ist vor mehr als einem Jahr gestartet, nachdem der Dax-Konzern aus Köln vor allem wegen Problemen im Kautschukgeschäft rote Zahlen schrieb und Vorgänger Axel Heitmann gehen musste.

Die Lanxess-Krise

  • 2004

    2004 bringt Bayer Teile seines Chemie- und Kunststoffgeschäfts unter dem Namen Lanxess an die Börse.

  • 2012

    2012 steigt der Konzern in den Dax auf.

  • 2014

    2014 wird Matthias Zachert Vorstandschef. Vorgänger Axel Heitmann hatte trotz rückläufiger Nachfrage sogar noch ins Hauptprodukt Kautschuk investiert.

  • September 2015

    Im September 2015 könnte Lanxess aus dem Dax fallen – die Marktkapitalisierung ist mit vier Milliarden Euro gering. Der Umsatz (2014) liegt bei acht Milliarden Euro.

Der Antritt im April 2014: dynamisch. Zachert besorgt über eine Kapitalerhöhung frisches Geld und tauscht fast die Hälfte der Manager aus. Die äußeren Bedingungen sind gut, der schwache Euro hilft beim Export. Doch nun, nachdem die ersten Abschnitte geschafft sind, wird der Weg anstrengender: Überkapazitäten und Preisdruck herrschen, die Aktie schwächelt. Im Leitindex Dax konnte sich Lanxess aufgrund der schwachen Marktkapitalisierung nicht halten. Die Deutsche Börse entschied deshalb am Donnerstagabend, dass der Chemiekonzern nach nur knapp drei Jahren seinen Dax-Platz räumen muss und durch den Immobilienkonzern Vonovia, die frühere Deutsche Annington, ersetzt wird.

Und die schwerste Prüfung steht noch bevor: Zachert muss einen Partner für das kriselnde Kautschukgeschäft finden.

Mit Ausdauer, Strategie und Teamgeist

Am Ende wird Zachert sein Ziel – konstante Gewinne bei besserer Wettbewerbsfähigkeit – wohl dennoch erreichen. Angestrebte Zielzeit: noch zwei bis drei Jahre. Der Lanxess-Chef kennt die Branche und den Konzern; zwischen 2004 und 2011 war er bei dem Chemieunternehmen schon Finanzvorstand. Bei früheren Arbeitgebern wie Hoechst (Chemie) oder Kamps (Nahrungsmittel) hat Zachert Restrukturierungen und Portfolio-Veränderungen in Serie erlebt, er kann gut mit Analysten und Mitarbeitern. Und er hat sich beim Marathon abgeschaut, wie auch große Hindernisse überwunden werden können. Durch Ausdauer, Opferbereitschaft, Strategie und Teamgeist.

„Der nimmt das Laufen genauso ernst wie das Managen“, sagt ein leitender Lanxess-Mitarbeiter. Zachert läuft, seit er 15 ist. Er wollte damals so den Kopf frei bekommen. Seine um anderthalb Jahre ältere Schwester Isabell erkrankte damals an Keimzellenkrebs, nach der Diagnose lebte sie nur noch ein Jahr. Mutter Christel schrieb später ein Buch über diese Zeit. „Wir sehen uns wieder in meinem Paradies“, war ein Bestseller. Der jüngere Bruder Matthias hatte verstanden. Er beschloss, unbedingt aus seinem Leben etwas zu machen.

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