Lebensmittel-Imperium: Oetker-Konzern kurz vor der Schockstarre

Lebensmittel-Imperium: Oetker-Konzern kurz vor der Schockstarre

von Mario Brück und Nele Hansen

Seit sich der vielköpfige Oetker-Clan intern zerfleischt, herrscht in dem Pudding-, Pizza- und Reedereikonzern Stagnation in fast allen Sparten. Schaffen es die Bielefelder, das Steuer herzumzureißen?

Das piekfeine Brenners Park-Hotel in Baden-Baden, dazu Pudding, Pizza, Pils und Piccolöchen bis hin zu gigantischen Containerschiffen und der kleinen Privatbank Lampe in Düsseldorf – die Oetker-Gruppe in Bielefeld ist ein Mischkonzern aus dem Lehrbuch. Gegründet 1891, zählt Oetker heute mit fast elf Milliarden Euro Umsatz und 26.500 Mitarbeitern zu den bekanntesten deutschen Marken.

Die Westfalen leben vom Ruf ihrer bekannten Marken – und seit Jahren von der Substanz. Zwar verkaufen sich Backmischungen, Pizzen und Bier (Radeberger, Jever) recht stabil. Doch das ist es auch schon. Das Image vieler Marken ist altbacken und angestaubt. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine Sparte das ausgleicht, was in der anderen wegbricht.

Anzeige

Die Zeit ist überreif für neue Ideen und eine grundlegende Ausrichtung der Gruppe. Doch zwischen den insgesamt drei jungen und den fünf alten Nachkommen des 2007 verstorbenen Firmenpatriarchen Rudolf-August Oetker hakt es so sehr, dass seit drei Jahren ein Schiedsgericht die Streithähne zur Räson zu bringen versucht. An der Spitze des Konzerns steht zwar Richard Oetker, der 1976 entführt und gegen ein Lösegeld von umgerechnet 10,5 Millionen Euro freigekommen war. Mit seinen 63 Jahren ist er aber offenkundig nicht derjenige, der den Umsatz des Unternehmens wie angekündigt auf 22 Milliarden Euro in 2023 verdoppeln kann.

Weil aber Richards knapp 20 Jahre jüngerer Halbbruder Alfred, der in der Sippe das Moderne, Risikobereitschaft und Veränderung repräsentiert, nicht an die Macht darf, obwohl dies offenbar von seinem Vater schriftlich verfügt worden sein soll, lebt Oetker von seiner über 120-jährigen Tradition. Offenbar können die verfeindeten Familienmitglieder immer seltener eine Einigung erzielen, in welche Sparten sie künftig ihr Geld stecken sollen. Ein Indiz dafür ist der drastische Einbruch bei den Investitionen, die zwischen 2011 und 2012 um ein Drittel zurückgingen. Jede unternehmerische Entscheidung wird inzwischen zum Zankapfel, über dem Dauerzoff ist der Konzern in fast allen Sparten so gut wie erstarrt.

Sie hätten zu den ganz großen der Welt gehören können, mit mehr als 250 Handelsschiffen und einem Umsatz über elf Milliarden Euro im Jahr. Sie hätten direkten Anschluss an die führenden Reedereien der Welt finden können, an APM-Maersk aus Dänemark, MSC aus der Schweiz und CMA CGM aus Frankreich. Dadurch hätten sie einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen, die Schiffe besser auslasten, die Kosten pro Container senken können.

Hätte, hätte, hätte. Statt mit Deutschlands Marktführer Hapag-Lloyd zu fusionieren, stehen die Oetkers mit ihrer Reederei Hamburg Süd weiterhin allein und abgeschlagen weltweit auf Platz elf. Der Clan ließ die Chance vor einem Jahr verstreichen und tuckert nun mit einem Umsatz von knapp fünf Milliarden Euro allein übers Meer. Dagegen plant Hapag-Lloyd nun den Zusammenschluss mit dem Hauptkonkurrenten, der chilenischen Compañia Sud Americana de Vapores (CSAV), die wie Hamburg Süd die Routen von und nach Lateinamerika bedient.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%