Lebensmittel-Produktion: Das giftige Geheimnis auf unseren Tellern

Lebensmittel-Produktion: Das giftige Geheimnis auf unseren Tellern

, aktualisiert 22. Mai 2012, 11:00 Uhr
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Gemessen und für gut befunden. Aber nach wie vielen Giften wird nicht gesucht?

von Thorsten GierschQuelle:Handelsblatt Online

Die Lebensmittelbranche ist außer Kontrolle geraten. Darunter leiden vor allem Nutztiere, aber auch Verbraucher durch verseuchte Produkte. Eine Spurensuche, warum wir schlechter Essen denn je - und wer die Schuld trägt.

„Die Güte des Herzens“, schrieb der Philosoph Arthur Schopenhauer vor rund 200 Jahren, „besteht in einem universellen Mitleid mit allem, was Leben hat.“ Irgendwie mag man ihm da nicht widersprechen – und doch tut der Mensch von heute das Gegenteil. Die Art und Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, empfinden längst nicht mehr nur militante Tierschützer als einen Rückfall in Zeiten schlimmster Barbarei. In einem hoch subventionierten System haben sich Großbauern, Tierfabriken, Hersteller von Pestiziden, Tierärzte, Saatgutproduzenten und Pharmafirmen zusammengetan. Die Überproduktion und der Wegwerf-Wahnsinn sind kein Irrläufer, sondern ein gern gesehener Nebeneffekt der Überproduktion. Es ist ein brutales Wachstum auf Kosten derjenigen, die wehrlos sind.

Es ist schwer, zu diesem Thema unabhängige Experten zu befragen. Einer der größten Fachmänner aus dieser Kategorie ist Richard Rickelmann. 25 Jahre lang war er Wirtschaftskorrespondent für den „Spiegel“ und von 1999 an Reporter beim „Stern“. Jetzt hat er sein neues Buch „Tödlich Ernte“ veröffentlicht.

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Als die sichtbarste Folge der Missstände in der Lebensmittelindustrie beschreibt der Experte die gigantische Verschwendung und zitiert aus einer vielbeachteten Untersuchung der Autoren Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn. Wenn 40 Prozent der Kartoffeln verrotten oder bestenfalls an Schweine verfüttert werden, dann stimmt allem Anschein nach etwas nicht. 20 Millionen Tonnen Lebensmittel – etwa die Hälfte der Produktion – landen Jahr für Jahr im Müll.

Hauptgrund für diesen Missstand ist laut Rickelmann „die Brüsseler Geldmaschinerie“: 60 Milliarden Euro verteilt die EU pro Jahr an die Landwirtschaft und an die verarbeitende Industrie – der Autor nennt es „die größte steuerliche Geldverschwendung aller Zeiten“. Oder anders ausgedrückt: Jeder vierte Euro, der an Steuern gezahlt wird, fließt in die Unterstützung des Agrarsektors. Wer glaubt, dass dieses Geld vor allem bei den kleinen Bauern ankommt, der irrt gewaltig. „Während die Branchenriesen finanziell gemästet werden, sind die ansonsten spendablen staatlichen Geldverteiler bei den kleineren Betrieben eher knauserig.“ 

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4 Kommentare zu Lebensmittel-Produktion: Das giftige Geheimnis auf unseren Tellern

  • solange anstatt qualität preise gekauft werden, wird sich nichts ändern. wir selbst (damit meine ich uns als verbraucher) haben es selbst in der hand, durch unser verhalten und unseren konsum hier einiges, wenn nicht viel zu ändern. ich kaufe nur sehr hochwertige lebensmittel die sicher auch einiges kosten, aber das ist es mir wert.

  • Jede dritte Frau erkrankt heute in ihrem Leben an Krebs, und sogar jeder zweite Mann. Selber schuld sage ich. Der eigene Egoismus, die Ignoranz und Gier der Menschen waren seit je her sein grösster Feind.
    Der Mensch ist was er isst. So einfach ist die Wahrheit.

  • Sehr schön Wolfgang, Dir ist es das wert.
    Mir sind meine eigenen Hühner und Hähnchen die kein Mastfutter bekommen sondern nur Getreide vom Bauern hier aus der Gegend auch das wert. Mein kaputter Rücken ist es mir wert mein eigenes Gemüse zu essen, meine eigene Marmelade zu machen und mein eigens Pesto und Tomatenmark, sowie Pflaumenmuß.

    Aber wieviele Menschen können sich das nicht leisten???
    Wieviele Menschen habe nicht das Glück in einem Umfeld zu wohnen wo es möglich ist fast autake zu leben? Menschen die zu wenig verdiehnen, nicht genügend Bildung haben es zu verstehen?

    Ich meine unser gesamtes System ist verkehrt, wir sollten A L L E daran versuchen zu arbeiten das sowas nicht vorkommen kann. Wir alle sollten für ein neues, besseres System eintreten und streiten !!!!!

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