Leuchtmittelhersteller Osram: Siemens entzieht dem Osram-Chef das Vertrauen

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Leuchtmittelhersteller Osram: Siemens entzieht dem Osram-Chef das Vertrauen

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Der Osram-Vorstandsvorsitzende Olaf Berlien auf der Hauptversammlung der Osram Licht AG.

Osram-Chef Olaf Berlien hat die Neuausrichtung des Leuchtmittelherstellers vorangetrieben. obwohl der Kurs Großaktionär Siemens missfällt. Bei der Hauptversammlung ziehen die Siemens-Vertreter jetzt Konsequenzen.

Siemens stellt sich offen gegen den Chef seiner Beteiligung Osram. Siemens-Vertreter Christian Bleiweiß beantragte am Dienstag auf der Hauptversammlung die Einzelabstimmung über die Entlastung von Osram-Chef Olaf Berlien. "Wir werden gegen die Entlastung von Herrn Dr. Berlien stimmen", kündigte der Jurist an.

Hintergrund ist ein Streit über die Ausrichtung des traditionsreichen Leuchtmittelherstellers. Während Berlien sein Haus stark auf die Produktion von LED-Chips ausrichten und dafür Milliarden investieren will, sieht Siemens-Chef Joe Kaeser die Ausrichtung äußerst kritisch. "Der Strategieschwenk, sofern er denn erfolgt, würde das Risikoprofil von Osram deutlich erhöhen", sagte sein Vertreter Bleiweiß. Die Neuausrichtung mache Siemens Sorgen, zudem sei die Kommunikation des Schritts mangelhaft gewesen.

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Der Traditionskonzern Osram

  • Die fünf Geschäftsfelder

    Der Lichtkonzern Osram konzentriert sich bisher auf fünf Geschäftsfelder. Neben traditionellen Leuchtmitteln wie Halogenlampen und Leuchtstoffröhren bietet das Unternehmen LED-basierte Lampen, Spezialbeleuchtungen vor allem für Autos, LED-Halbleiter sowie Beleuchtungslösungen etwa für Museen. Die frühere Siemens-Tochter war Mitte 2013 an der Börse gestartet. Zuletzt kam das Unternehmen mit weltweit rund 34 000 Beschäftigten auf einen Umsatz von gut 5,1 Milliarden Euro.

    Quelle: dpa

  • Die Historie

    Im Jahr 1919 hatte der von der Auer-Gesellschaft mit AEG und Siemens & Halske gegründete Leuchtenhersteller seine Arbeit aufgenommen und das Geschäft mit der Glühbirne geprägt. Der Name Osram, der sich aus den Materialien für Glühdrähte, Osmium und Wolfram, zusammensetzt, wurde zur Weltmarke.

Osram-Chef Olaf Berlien hatte seinen Strategiewechsel zuvor auf der Hauptversammlung in München verteidigt: Bei Autolampen sei Osram klar Weltmarktführer - aber sich darauf auszuruhen, hätte die Zukunft des Konzerns in Frage gestellt.

Osram werde durch den Bau einer neuen LED-Fabrik für Leuchtdioden für den Massenmarkt in Malaysia neue Wachstumspotenziale erschließen. Osrams hochwertige LEDs für Autolampen und die Industrie würden immer schneller von den billigeren Massen-LEDs verdrängt, deshalb müsse das Unternehmen auch dort mitspielen. „Nur wer sich in der dramatisch wandelnden Lichtindustrie konsequent, mutig und schnell bewegt, kann unternehmerisch gewinnen“, sagte der Vorstandschef.

Osram: Die Welt in neuem Licht

  • 1910: Osrams Aufstieg

    Mit der klassischen Glühlampe mit Wolfram-Wendel begann Osrams Aufstieg.

  • 1979: Ein Dauerbrenner

    Die Lumilux-Leuchtstofflampen: von zweifelhafter Ästhetik, aber ein Dauerbrenner.

  • 1985: Pionierarbeit

    Mit der Einführung der Dulux EL wurde Osram zum Pionier für Energiesparlampen.

  • 1993: Neue Dimensionen

    Die Colorstar Natrium-Xenonlampe schaffte neue Dimensionen an Effizienz und Licht.

  • Leuchtende Zukunft: Der neue Maßstab

    Die LED-Technik stellt all die anderen Leuchten in den Schatten. Sie gilt als der neue Maßstab.

Die Abspaltung des traditionellen Lampen- und Leuchtröhrengeschäfts mit inzwischen nur noch 9500 Mitarbeitern laufe auf Hochtouren, sagte Berlien. Er will die Sparte demnächst verkaufen.

Der Einstieg in die Fertigung von LEDs für den Massenmarkt war von Großaktionär Siemens und anderen Investoren hart kritisiert worden. Die Osram-Aktie war im November um ein Drittel eingebrochen, hat sich aber seither erholt. Siemens hält nach eigenen Angaben noch 17,5 Prozent an Osram, die Mehrheit an der Tochter hat Siemens 2013 an die eigenen Aktionäre verschenkt.

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Osram-Aufsichtsratschef Peter Bauer kündigte an, dem Siemens-Antrag auf Einzelabstimmung zu folgen. Rund 60 Prozent der Stimmen sind auf der Hauptversammlung vertreten, Siemens alleine käme damit auf einen Anteil von knapp einem Drittel. Eine verweigerte Entlastung Berliens hätte rechtlich keine Folgen, wäre aber ein massiver Reputationsschaden. Vor dem Siemens-Vertreter hatten mehrere Fonds und Aktionärsvereinigungen erklärt, sie wollten den Vorstand trotz des Kurssturzes vom Herbst und der umstrittenen neuen Strategie entlasten.

Berlien hatte sich im Vorfeld der Hauptversammlung betont sorglos gegeben. "Heute ist ein schöner Tag, draußen scheint die Sonne", sagte er vor Reportern. Die Wolkendecke über München ist seit dem Morgen lückenlos geschlossen.

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