Linde-Chef: Die Wolfgang-Reitzle-Erfolgsshow

Linde-Chef: Die Wolfgang-Reitzle-Erfolgsshow

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Wolfgang Reitzle - viele Gerüchte ranken sich um die Zukunft des Noch-Vorstandsvorsitzenden des Industriegase-Spezialisten Linde. Unter anderem lockt ein Aufsichtsratsposten bei Linde selbst und bei Siemens.

von Andreas Wildhagen

Wolfgang Reitzle - der Linde-Lenker und Aufsichtsratschef in spe präsentiert in einer Woche seine Bilanz. Sie soll seine Eintrittskarte für Höheres sein.

Wolfgang Reitzle wird für viele Posten gehandelt. Niemand kann sich in der deutschen Industrie vorstellen, dass der frühere Automanager und jetzige Linde-Chef im Mai nach der Hauptversammlung sang- und klanglos abtritt. Die vielen Posten, für die er gehandelt wird, reihen sich wie Perlen auf der Schnur. Unter den Favoriten-Jobs für Reitzle befindet sich auch der Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens, da der jetzige Amtsinhaber Gerhard Cromme durch sein Missgeschick bei ThyssenKrupp als angezählt gilt.

Doch aus der Phase der Gerüchte ist dieses Reitzle-Amt nicht hinausgekommen. Sehr viel näher liegt ihm der Posten des Aufsichtsratschefs bei Linde. Doch muss er dafür erst einmal eine „Abkühlphase“ durchlaufen. Es entspricht guter Unternehmensführung, dass Vorstandschefs nicht nahtlos zum Chefkontrolleur ernannt werden. Doch das ist ein Prinzip, dass der jetzige Amtsinhaber bei Linde, der frühere Bayer-Chef Manfred Schneider, gar nicht gut findet. 

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Nach Meinung von Schneider soll es angeblich am besten sein, so berichten es Manager, die ihn gut kennen, wenn ein Vorstandschef im vollen Saft in die Kontrollfunktion wechselt. Die genaue Kenntnis des Unternehmens befähigt ihn ganz besonders, jeden Winkel des Unternehmens zu kontrollieren. Wolfgang Büchele, der im Mai auf den Stuhl des Vorstandschefs bei Linde nachrückt, würde es nicht einfach haben, einen solchen, allumfassend informierten Aufsichtsratschef vor der Nase zu haben.

Das Aktiengesetz sieht untersagt aber den direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat eines Unternehmens. Zwei Jahre Pause sollen dem scheidenden Vorstandschef vorgeschrieben werden, damit soll ihm Zeit zum Nachdenken und die nötige Distanz zum Unternehmen gewährt werden. Aus der Distanz heraus sehen viele Dinge klarer aus. Besonders strategische Weichenstellungen sind nicht in der kurzsichtigen Nahbetrachtung vorzunehmen. Auch lassen sich eigene Fehler besser erkennen, wenn sie aus einem gewissen Abstand heraus neu beurteilt werden. 

Das Modell, das der Linde-Aufsichtsrat angeblich jetzt bevorzugt, sieht so aus: Reitzle wird 2016 Aufsichtsratschef, die Zeit zwischen seinem Ausscheiden als Vorstandschef im Mai 2014 dient ihm dann als Loslass-Periode. Und Manfred Schneider könnte vorzeitig aus dem Amt scheiden, das er eigentlich bis 2018 bekleiden könnte. Dieses Gentleman-Agreement könnte dann den Weg freimachen für die dritte Karriere von Wolfgang Reitzle.

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Wie wird er dann, quasi auf der Wolke über Linde, seinen eigenen Großtaten beurteilen? Kritiker werfen ihm vor, er habe das amerikanische Medizingase-Unternehmen Lincare viel zu teuer erworben. Praktisch gibt es keine Synergien zwischen den Geschäften von Lincare und dem Linde-Stammhaus in Deutschland, außer dass jetzt Linde-Beatmungsstationen für Lungenkranken in den USA eingerichtet werden, die sowohl mit Linde-Sauerstoff aus Deutschland als auch aus USA versorgt werden

Vielversprechender dagegen wird eine neue Luftzerlegungsanlage sein, die größte ihrer Art in den USA. Im texanischen La Porte wird die Anlage 2015 an den Start gehen, die bei der Synthesegas-Produktion eingesetzt wird. So will Linde vom Schiefergas-Boom in den USA profitieren. Reitzle scheint überall dabei zu sein. Der „Rohdiamant“, so hat er Linde einst bezeichnet, steht geschliffen da. Soviel Schliff bringt auch Politur für weitere Anschluss-Job-Chancen.

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