Linde-Chef vor dritter Karriere: Die deutsche Wirtschaft will Wolfgang Reitzle

Linde-Chef vor dritter Karriere: Die deutsche Wirtschaft will Wolfgang Reitzle

Bild vergrößern

Wolfgang Reitzle

von Andreas Wildhagen, Matthias Kamp und Franz W. Rother

Nach erst steilem, dann gebremstem Aufstieg in der Autoindustrie, baute der Ingenieur den Traditionskonzern Linde radikal um. Bald wird er die nächste Karrierestufe zünden.

Als Wolfgang Reitzle im Februar dieses Jahres gefragt wird, was er denn nach seinem Abgang als Chef des Industriegaseherstellers Linde im Mai 2014 zu tun gedenke, lächelt er sanft und spricht ganz allgemein über „viele mögliche Aufgaben“. Einen wie ihn könne man sich kaum im Lehnstuhl in seinem Haus im Münchner Nobelviertel Bogenhausen vorstellen, legt der Frager nach. Doch Reitzle lässt sich nicht reizen und antwortet nicht.

Nun jedoch dringen mehr und mehr Signale aus seinem Umfeld, er werde tatsächlich eher nicht im Sessel hocken. Stattdessen werde „etwas kommen“. Nur – was das ist, dieses „etwas“, darüber wird in Chef- und Aufsichtsratsetagen zwischen Hamburg und München heftig spekuliert. Zieht es Reitzle in den Aufsichtsrat des Giganten Siemens? Lockt ihn, den Ex-BMW-Manager, ein Engagement ausgerechnet im Aufsichtsgremium von Daimler? Krönt damit der Tausendsassa seine so beachtete wie wechselhafte Industriekarriere mit dem Wechsel vom Typ dynamischer Drängler ins Rollenfach des Elder Statesman der deutschen Wirtschaft? Und schließlich: Nutzt er seine Rolle als Chefkontrolleur beim Autozulieferer Continental, dem der hoch verschuldete Großaktionär Schaeffler wie ein Mühlstein um den Hals hängt, um sich für Höheres zu empfehlen?

Anzeige

Der Mann, der es wissen sollte, hält sich auffallend bedeckt. Reitzle, so viel ist klar, hält sein Pulver trocken, lauert, bis er den richtigen Moment für gekommen hält, um sich mit einem geschickten Schachzug im anschwellenden Geschacher um die Spitzenposten aus der Deckung zu wagen.

Tatsächlich hat sich der Liebhaber schneller Autos in den vergangenen zehn Jahren zum grundsoliden Konzernlenker gewandelt, der die Öffentlichkeit regelrecht scheut. Als Chef des Dax-Konzerns Linde steigerte er den Unternehmenswert des Gaseherstellers von 4,4 auf 26,5 Milliarden Euro. Tauchte Reitzle früher gern mal in der Regenbogenpresse auf, belegen heute nackte Zahlen seinen Erfolg.

Büchele Ein Chemieexperte wird Chef von Linde

Der frühere BASF-Topmanager Wolfgang Büchele wird Nachfolger von Wolfgang Reitzle auf dem Chefsessel. Was wird nun aus Reitzle?

Der scheidende Linde-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle. Quelle: dpa

Denn es gab auch einen anderen Reitzle, es gab ein Leben vor dem Traditionskonzern, den der drahtige Manager auf einen reinen Industriegaseanbieter trimmte. Die Glitzerwelt der schnellen Automobile, das war zuvor sein Feld. Bei BMW schob sich der promovierte Ingenieur und diplomierte Wirtschaftswissenschaftler Anfang der Neunzigerjahre als Entwicklungsvorstand in die Poleposition für den Vorstandsvorsitz. Doch der Traum zerplatzte, als durchsickerte, dass er auch mit dem Sportwagenhersteller Porsche Gespräche über den Chefposten führte.

Reitzle dementierte die Ambitionen scharf. Doch beim BMW-Großaktionär, der Familie Quandt, hatte er das Vertrauen verspielt. Neuer BMW-Chef wurde Bernd Pischetsrieder – und Reitzle suchte sich einigermaßen frustriert einen neuen Job.

Ford-Chairman Jacques Nasser warb 1999 den nach Einschätzung des Amerikaners „besten Automann der Welt“ für den US-Konzern ab, wo der so exzentrische wie perfektionistische Technik-Freak aus den Edelmarken Lincoln, Jaguar, Land Rover, Aston Martin und Volvo die Premier Automotive Group (PAG) zu schmieden versuchte. Als Nasser drei Jahre später gefeuert wurde, hatte Reitzle für seine kostspielige Wachstumsstrategie keinen Rückhalt mehr in der Zentrale – er verabschiedete sich aus der Autoindustrie und wagte bei Linde einen kompletten Neustart.

Nun beginnt Reitzle im 65. Lebensjahr seine dritte Karriere. Der Chefposten im Aufsichtsrat von Siemens soll seine neue Ziellinie sein, heißt es unverblümt im Umfeld des Technologiekonzerns. Aber auch in Stuttgart wird Reitzle hoch gehandelt: Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff bemühe sich intensiv darum, Reitzle in den Aufsichtsrat zu lotsen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%