Luft- und Raumfahrt: EADS wird künftig aus Toulouse gesteuert

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Luft- und Raumfahrt: EADS wird künftig aus Toulouse gesteuert

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat seine Umzugspläne in trockene Tücher gebracht: Zum 1. April sei die neue Struktur der Unternehmenszentrale in Kraft getreten, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit.

Der operative Hauptsitz des Unternehmens wird in Toulouse eingerichtet. Mit den Arbeitnehmervertretern hat sich das Unternehmen dafür auf die Verlagerung von 75 Stellen aus München und weiteren 116 Stellen aus Paris nach Toulouse geeinigt. „Diese Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur weiteren Integration von EADS“, erklärte Konzernchef Tom Enders.

Wie die neue Eigentümerstruktur der EADS funktioniert

  • Kompliziertes Geflecht

    Monatelange Verhandlungen, buchdicke Verträge, Unter-Unter-Unter-Gesellschaften in einem komplizierten Geflecht und das alles im Legalese genannten für Laien unverständlichen Juristenenglisch formuliert – wenn Großkonzerne wie die EADS Verträge schließen wird nichts dem Zufall überlassen.

    Am Ende ist die neue Aktionärsstruktur von Europas größtem Luftfahrt- und Rüstungskonzern aber doch weniger kompliziert als sie aussieht. Die Struktur, die aus juristischen Gründen bisher nur auf Englisch vorliegt, besteht nach der geplanten Kapitalerhöhung aus insgesamt vier Schichten.

  • Oberste Reihe - Aktionäre

    Hier stehen die aktuellen Aktionäre: Dunkel unterlegt sind die Parteien, die auch künftig Anteile am Konzern halten: der französische Staat, Spanien, die deutschen Staatsbanken KfW und andere öffentliche Institute der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg und Niedersachsen. Die hell unterlegten Unternehmen Lagardère und Daimler waren zwar Gründungsaktionäre. Doch sie wollen möglichst bis Ende 2013 komplett aussteigen.

  • Zweite Reihe - Zwischengesellschaften

    Hier stehen die Zwischengesellschaften. Das sind in der Regel Briefkastenfirmen ohne Personal. Diese gründen die Aktionäre in der Regel, um im Falle von finanziellen oder sonstigen Problemen einen Puffer zu dem Unternehmen zu haben. Dazu machen es diese Firmen leichter, die Beteiligung teilweise zu Geld zu machen ohne die Stimmrechte abzugeben. Denn die Konstruktion erlaubt, Teilhaber aufzunehmen und trotzdem die Kontrolle zu behalten. Auch hier gilt: dunkel unterlegt ist ein Daueraktionär, hell unterlegt heißt. Muttergesellschaft will aussteigen.

    Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Die deutsche KfW hält einen Teil der AKtien direkt und steuert als Mehrheitseigentümer das deutsche Konsortium aus Länderbanken.

    Ein Sonderregelung gibt es bei dem französischen Staat und Spanien. Diese wollen ihren Anteil herunterfahren, damit sie zusammen mit Deutschland weniger als 30 Prozent der Anteile halten. So verhindern die drei Staaten, dass sie bei einem An- und Verkauf ihrer Anteile allen Aktionären ein Abfindungsangebot machen müssen. Frankreich und Spanien wollen ihre Anteile aber noch nicht auf den Markt werfen, weil das den Aktienkurs drückt. Darum packen sie den Teil ihrer Anteile, den sie quasi zu viel haben (sogenannte excess shares) vorübergehend in eine Art Quarantäne („warehouse“), bei der die Staaten das Stimmrecht nicht nutzen können.

  • Anteile nach der Kapitalerhöhung

    Dritte und vierte Reihe: Das sind die Anteile nach der Kapitalerhöhung. Die hellen Kästchen von Daimler/DLRH sowie Lagardère (Sogeade) werden auf Null gefahren. In welchem Maß hängt davon ab, wie weit sich diese Unternehmen entschließen im Rahmen der geplanten Kapitalerhöhung ihre Aktien an die EADS verkaufen oder später am freien Markt abstoßen.

Vor seinem Wechsel an die EADS-Spitze im vergangenen Jahr hatte Enders die Flugzeugtochter Airbus mit Sitz in Toulouse geführt. In Branchenkreisen war der Umzug der Konzernzentrale als Schritt gewertet worden, dem Gewicht von Airbus im Konzern entsprechend Rechnung zu tragen. Widerstand kam bei Bekanntwerden der Pläne vor gut einem Jahr aus der deutschen Politik: Vor allem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wetterte dagegen und drohte sogar damit, die Übernahme eines EADS-Anteils durch den Bund zu verhindern, falls sie nicht wieder in den Schubladen verschwinden.

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Zum 1. September soll die neue EADS-Zentrale in Toulouse voll einsatzbereit sein, hieß es in der Mitteilung. Künftig sollen dort dauerhaft mehr als 500 Stellen beheimatet sein, einschließlich der integrierten Bereiche Personalwesen und Finanzen von EADS und Airbus sowie weiterer Funktionen. In München verbleiben mehr als 300 Stellen und in Paris rund 250 Stellen. „Ich möchte mich bei den Betriebsräten in Deutschland und Frankreich für die konstruktiven und vertrauensvollen Verhandlungen der letzten Monate bedanken“, erklärte Enders.

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