Luft- und Raumfahrtkonzern: Berlin parkt Daimlers EADS-Anteil bei der KfW

Luft- und Raumfahrtkonzern: Berlin parkt Daimlers EADS-Anteil bei der KfW

, aktualisiert 09. November 2011, 15:37 Uhr
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Deutschland will über die Staatsbank KfW beim Airbus-Mutterkonzern EADS einsteigen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Staatsbank KfW übernimmt von Daimler die Hälfte von dessen Anteilen am Flugzeugbauer EADS. Einen direkten Einfluss auf die Geschäfte will der Bund allerdings nicht nehmen. EADS-Papiere büßen an der Börse ein.

Berlin/FrankfurtDer deutsche Staat übernimmt von Daimler die Hälfte von dessen Anteilen am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. Daimler hält 15 Prozent der Aktien und 22,5 Prozent der Stimmrechte an dem Airbus-Mutterkonzern und strebt seit längerem einen Verkauf von Anteilen an.

Die FDP habe ihren Widerstand gegen einen direkten Staatseinstieg aufgegeben, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Politiker und Banker am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Grund sei, dass sich kein privater Investor gefunden habe, der den vom Autobauer Daimler zum Verkauf gestellten EADS-Anteil übernehmen wolle. „Es läuft jetzt alles in Richtung KfW“, betonte ein Insider. Die Bundesregierung werde hier mit einer Stimme sprechen. Am Mittwoch büßten die Aktien knapp vier Prozent ein.

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Dieses Modell werde klar favorisiert, um das deutsch-französische Machtgleichgewicht bei EADS zu sichern, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Berliner Regierungskreisen. Über die KfW sollen Anteile erworben werden, die der EADS-Großaktionär Daimler aus strategischen Gründen verkaufen will.

Komplizierte Aktionärsstruktur

Daimler hatte vor Monaten angekündigt, seine EADS-Beteiligung möglichst bald auf maximal 7,5 Prozent zu senken. Der Konzern hält 15 Prozent am Kapital und übt darüber hinaus die Stimmrechte für ein weiteres 7,5-Prozent-Paket aus, das bei einer Gruppe von vornehmlich deutschen Finanzinvestoren liegt. Diese hatten wiederholt ihre Verkaufsbereitschaft signalisiert. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat lange einen privaten Investor gesucht, der zumindest Teile der Daimler-Beteiligung übernehmen könnte - letztlich erfolglos. Nun dürfte wohl der gesamte Anteil bei der KfW landen, hieß es in Finanzkreisen. Details seien aber noch offen. Der französische Anteil an EADS liegt ebenfalls bei 22,5 Prozent.

Daimler will, dass bis zum Jahresende eine Lösung für die Aktionärsstruktur des deutsch-französischen Unternehmens gefunden wird. Die Zeit drängt: Am Donnerstag wird der Haushaltsausschuss des Bundestags die letzten Änderungen am Etat für 2012 vornehmen. „Sollte die KfW die Anteile im nächsten Jahr übernehmen, müsste dafür jetzt Vorsorge getroffen werden im Bundeshaushalt“, sagte ein Insider. Insbesondere, weil der KfW künftig durch Kursschwankungen der EADS-Aktion keine Nachteile für ihr Kreditgeschäft entstehen sollen. Die KfW werde nicht über ein Platzhaltergeschäft einsteigen.

Die KfW lehnte eine Stellungnahme ab. Beim Bundeswirtschaftsministerium war zunächst niemand zu erreichen. Ein Daimler-Sprecher verwies lediglich auf die laufenden Gespräche über einen Verkauf.

In Regierungskreisen hieß es weiter, der Bund wolle keinen direkten Einfluss auf die EADS-Geschäfte nehmen. So wolle die Bundesregierung keinen Vertreter im Aufsichtsrat beanspruchen. Zudem gebe es in der schwarz-gelben Regierung eine Verständigung darüber, dass der Bund verstärkt andere Staatsbeteiligungen reduziert. Dabei gehe es um die Beteiligungen an Post und Telekom. Aktienverkäufe dürfte es aber erst geben, wenn die Börsen sich wieder erholt haben.

Bei der Macht im börsennotierten EADS-Konzern gibt es bislang sorgfältig ausbalancierte Verhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich: Daimler vertritt derzeit mit 22,5 Prozent genauso viele Stimmrechte wie der französische Staat (15 Prozent) und das französische Medienunternehmen Lagardère (7,5 Prozent) zusammen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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