Luftfahrt-Riese: Boeing – eine Bilanz ohne Bedeutung

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Luftfahrt-Riese: Boeing – eine Bilanz ohne Bedeutung

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der weltgrößte Luftfahrtkonzern Boeing legt heute gute Geschäftszahlen vor. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie hoch werden die Kosten der jüngsten Pannen beim Erfolgsmodell Dreamliner? Und die kann derzeit keiner beantworten.

Auf den heutigen Tag hat sich Boeing-Chef Jim McNerney bestimmt eine Zeit lang gefreut. Nach vielen Jahren voller Unsicherheit wollte er heute zum ersten Mal in seiner fast achtjährigen Amtszeit eine Bilanz ohne große Fragezeichen vorlegen. Nachdem das bisher wiederholt an den immer neuen Verspätungen seines Leichtbauflieger 787 gescheitert war, lief im Jahr 2012 mal endlich alles nach Plan.

Der Umsatz liegt auf dem Rekordniveau von fast 82 Milliarden Dollar und der Netto-Gewinn bei fast vier Milliarden Dollar. Denn der Dreamliner 787, von dem die Amerikaner mehr als 800 Maschinen im Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar verkauft hat, rollte im vorigen Jahr endlich vom Band. Dazu hatte Boeing seinen europäischen Erzrivalen  EADS überholt, weil das Unternehmen nach vielen Jahren endlich wieder mehr Maschinen als die EADS-Tochter Airbus verkauft.

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Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

  • Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

    Umsatz (in Millionen Euro):

    Airbus: 33.103
    Boeing: 27.931

    Gewinn (Ebit, in Millionen Euro):

    Airbus: 584
    Boeing: 2.699

    Beschäftigte:

    Airbus: 55.000
    Boeing: 80.000

    Angaben für 2011

  • Auftragsbestand

    Flugzeuge:

    Airbus: 4.437
    Boeing: 3.371

    Wert (in Millionen Euro, Listenpreis):

    Airbus: 495.513
    Boeing: 226.487

    Angaben für 2011

  • Bestellungen und Auslieferungen

    Bestellungen 2011:

    Airbus: 1.419
    Boeing: 805

    Bestellungen 2012 (Stand: 31. August):

    Airbus: 384
    Boeing: 666

    Auslieferungen 2011:

    Airbus: 534
    Boeing: 477

Die Hoffnung auf eine freudige Bilanz endete spätestens vor zwei Wochen, als die Flugaufsichtsbehörden den Dreamliner nach Problemen mit den Batterien für die Bordelektrik aus dem Verkehr zogen. Und bis die Kosten der Panne geklärt sind, sind die heutigen Zahlen zumindest unvollständig, wenn nicht gar ohne große Bedeutung.

Gründe für Brand weiterhin unklar

Denn die Gründe für den Brand der Batterie sind nicht nur nach wie vor ungeklärt. Je länger die Prüfer suchen, umso ungemütlicher wird die Sache. Was am Anfang nach einem Problem mit der Batterie aussah, mausert sich allmählich zu einem Problem des ganzen Flugzeugs. Inzwischen ist klar, dass nicht nur die Steuerung der Batterie versagt hat. Offenbar haben in Japan sowohl die Hersteller als auch die Zulassungsbehörden bei der Abnahme der Batterie nicht so genau hingesehen. Schließlich wird die 787 zu rund einem Drittel in Japan gebaut. Und weil der Auftrag den Startschuss für einen japanischen Vorstoß in die Luftfahrtindustrie sein sollte, hat sich der japanische Staat mit mehreren Milliarden an der Finanzierung der 787 beteiligt. Das wollten die Aufsichtsbehörden möglicherweise nicht durch übertriebenen Pessimismus gefährden.

Und gestern Abend berichtete die New York Times sogar, dass auch Boeing von - wenn auch weitgehend anders gearteten - Batterieproblemen wusste. Damit wächst der Druck auf die Aufsichtsbehörden. Sie müssen nun besonders genau hinsehen und werden den Wundervogel erst wieder starten zu lassen, wenn wirklich alle Fragen geklärt sind.

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Das könnte sich hinziehen. Denn die Fehlersuche könnte noch Wochen dauern. Eine Lösung des Problems vielleicht Monate. Und bis die Behörden die neue Technik dann zugelassen haben und Boeing den Ersatz eingebaut und getestet hat, könnte es sogar mehr als ein Jahr dauern. Darauf deutet die Erfahrung von Airbus mit den Flügeln des Superjumbo A380 hin. Die ersten Probleme tauchten Ende 2011 auf. Und die ersten Flugzeuge mit der Ersatztechnik rollen erst im Laufe des Jahres vom Band. Im schlimmsten Fall könnte das Problem Boeing weitere fünf Milliarden Euro kosten, schätzen Experten.

Somit braucht sich Boeing-Chef McNerney vorerst keine Hoffnung auf eine entspannte Bilanzpressekonferenz im nächsten oder gar übernächsten Jahr zu machen.

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