Lynk & Co: Chinas Autorevolution in Europa

Lynk & Co: Chinas Autorevolution in Europa

, aktualisiert 07. Oktober 2016, 17:35 Uhr
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Statt mit dem eigenen Namen anzutreten, will der chinesische Mutterkonzern des schwedischen Autobauers Volvo Geely eine völlig neue Marke für den Weltmarkt etablieren: „Lynk & Co”.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Der chinesische Autobauer Geely will sich sich am Erfolg von Modemachern wie Zara orientieren und drängt mit der neuen Premium-Marke „Lynk & Co“ nach Europa. Volvo soll dazu den Schlüssel liefern.

DüsseldorfWas wurde in Deutschland gelacht, als 2005 der chinesische Autobauer Landwind auf der IAA in Frankfurt seine Autos ausstellte. Qualitativ waren die Fahrzeuge aus Fernost gnadenlos unterlegen. Es wackelte, es schepperte und am Ende fiel sogar noch ein Türgriff des ausgestellten Modells ab. Die chinesische Offensive entpuppte sich als Luftnummer.

Seitdem tun sich die chinesischen Autoriesen schwer, über den Heimatmarkt hinaus zu wachsen – insbesondere in Regionen wie Nordamerika und Europa. Zuletzt versuchte Qoros vergeblich den Sprung. Doch nun entsteht ein neuer chinesischer Herausforderer für den Weltmarkt, der es ernst meint. Hinter der Offensive steht Geely, der chinesische Mutterkonzern des schwedischen Autobauers Volvo.

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Für die Chinesen ist der Aufbau einer globalen Marke das erklärte Ziel. Am Donnerstagabend wurden nun erste Details bekannt, wie die Chinesen sich ihre globale Expansion vorstellen. Statt mit dem eigenen Namen anzutreten, will Geely eine völlig neue Marke für den Weltmarkt etablieren: „Lynk & Co”. Nicht nur der Markenname ist neu – auch bei den Produkten und Vertrieb wollen die Chinesen offenbar neue Wege beschreiten. Eine Website ist bereits online – auch wenn dort bislang nicht viel zu sehen ist.

Nach Einschätzung des Fachmagazins „Automobil Produktion“ starten die Chinesen mit einem mittelgroßen SUV – ein Segment, das derzeit massiv zulegt. Anders als bei der Konkurrenz liegt der Fokus allerdings von vornherein auf einem halbelektrischen Antrieb. Angeblich soll der erste Lynk mit einem Dreizylinder-Plug-in-Hybrid angeboten werden. Bereits im kommenden Jahr könnte das Modell auf den Markt kommen, sagen die Marktforscher von IHS Automotive voraus. Sie rechnen mit einem Produktionsvolumen von 40.000 Fahrzeugen im ersten Jahr.


Neue Wege beim Vertrieb

Das wäre zumindest ein Anfang in einem Markt, auf dem noch kein chinesischer Hersteller wirklich Fuß gefasst hat. Doch Geely hat durch die Übernahme von Volvo einen Vorteil: In Göteborg betreiben die Chinesen mit den Schweden ein Joint-Venture-Unternehmen namens CEVT (China Euro Vehicle Technology). Mit dem Know-how wollen sie schnell weitere Modelle entwickeln, die auch dem europäischen Qualitätsanspruch genügen. Bereits auf der Automesse in Peking hatten die Partner eine gemeinsame Plattform vorgestellt, auf der weitere Modelle entstehen sollen.

Doch auch beim Vertrieb dürfte Lynk neue Wege gehen. Der Kopf hinter der chinesischen Offensive ist Alain Visser. Der Belgier ist ein Experte für den Vertrieb, der einst für Volvo arbeitete und seit Ende 2015 für den Mutterkonzern Geely einen Plan für die globale Expansion entwirft. Das Ergebnis dürfte Vertriebssystem vom Reißbrett sein: Statt auf ein breites Händlernetz dürften die Chinesen auf direktere Vertriebswege setzen – und wie Tesla den Weg in die Innenstädte suchen oder ihre Modelle direkt online vertreiben.

Insidern zufolge vergleichen die Lynk-Macher ihr Konzept gerne mit großen Modemarken wie Zara. In der Modebranche ist es üblich, die Produkte in Fernost zu produzieren und hierzulande als Premium-Produkte mit moderatem Preis zu verkaufen. Ein Konzept, das auch bei Autos aufgehen könnte. Denn ohne teures Händlernetz könnte auch der Preis der Modelle weiter gesenkt werden. Ohnehin wird der Lynk zunächst im Niedriglohnland China gebaut: in Thaizhou, der Heimat von Geely.

Autoexperten halten das Konzept für durchdacht. „Geely geht sehr professionell und strategisch vor“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. „Es könnte sein, dass man mit einem neuen Konzept auch die angestammten Vertriebsmodelle der europäischen Hersteller unter Druck setzen kann”, sagt er. Am 20. Oktober wollen die Geely-Verantwortlichen ihre Pläne erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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