Macron sagt „non“: Was Frankreichs Aus für den Verbrenner bedeutet

Macron sagt „non“: Was Frankreichs Aus für den Verbrenner bedeutet

, aktualisiert 06. Juli 2017, 15:15 Uhr
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Ab 2040 will Frankreich keine Autos mit Verbrenner-Motor zulassen.

von Lukas Bay und Tanja KuchenbeckerQuelle:Handelsblatt Online

Es ist eine Botschaft – an die Autoindustrie und an Donald Trump: Ab 2040 will Frankreichs Präsident Macron keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Doch ein Risiko geht Macron mit dem Vorstoß nicht ein. Eine Analyse.

Düsseldorf, ParisEinen Tag, nachdem der schwedische Autobauer Volvo angekündigt hatte, schleichend aus dem Verbrenner auszusteigen, verabschiedet sich auch die zweitgrößte Industrienation Europas langsam von Diesel und Benzinern. Frankreich wird damit in 23 Jahren zum Nichtraucher. Dahinter, so verkündete es Umweltminister Nicolas Hulot, stehe das Ziel, Frankreich bis 2050 völlig klimaneutral aufzustellen. CO2, das erzeugt wird, solle dann an anderer Stelle kompensiert werden. Mit dem Verbrenner sei das nicht mehr möglich.

Der Ausstieg ist ein Signal an die Welt – aber vor allem auch an den US-Präsidenten Donald Trump. Ziel des französischen Klimaplans ist es, das Klimaschutzabkommen von Paris zu verteidigen, das Trump aufgekündigt hat. Frankreich will Speerspitze sein, kein Mitläufer.

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Die Franzosen demonstrieren mit ihren Umweltplänen ihr Selbstbewusstsein. Statt sich einzureihen, geben sie die Ziele vor. Kürzlich traf sich Präsident Macron dafür sogar mit dem ehemaligen kalifornischen Gouverneur  Arnold Schwarzenegger in Paris, um gemeinsam über Klimafragen zu debattieren.

Sechs große Themen hat Hulot für die Amtszeit von fünf Jahren vorbereitet, neben Diesel geht es auch um Atomkraft, Kohlekraftwerke oder Energiesparmaßnahmen im Bau. Auch kurzfristig will man den Anteil der Verbrenner senken: Es soll Subventionen geben, wenn man ein altes Auto gegen eines mit weniger Schadstoffen eintauscht. Die Versteuerung von Benzin und Diesel soll vor 2022 angeglichen werden.

Nun ist 2040 dennoch kein sonderlich ambitioniertes Datum für einen raschen Ausstieg. Die Autoindustrie gibt sich angesichts der jüngsten Ankündigung gelassen. 23 Jahre sind in der Rechnung der Industrie mehrere Modellgenerationen – und Regierungswechsel. Wie die Welt im Jahr 2040 aussehen wird, weiß kein Hersteller. Daran, dass der Verbrenner in diesem Jahr angesichts der ambitionierten Klimaziele von Paris in Zentraleuropa noch eine Rolle spielen wird, glauben ohnehin die wenigsten.

Die Franzosen riskieren mit dem nun verkündeten Ausstieg nicht viel. Die heimische Autoindustrie ist bislang ohnehin zu großen Teilen in Segmenten unterwegs, die sich auch mit alternativen Antrieben betreiben lassen. Vom Diesel haben sich die Hersteller ohnehin schon innerlich weitgehend verabschiedet. Bei der E-Mobilität gehört Renault heute schon zu den führenden Anbietern. Alleine im Nutzfahrzeugsegment scheint der Verbrenner derzeit noch schwer ersetzbar.


„Eine Revolution“ mit Signalwirkung

Für die Franzosen wäre ein Umstieg auf die elektrische Mobilität auch konsequent, weil der Strom des Landes zu großen Teilen mit Atomkraftwerken erzeugt wird,  die den CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Elektroautos schon heute auf schmale 7 Gramm senken.

Das Ende der Benzin- und Dieselautos sei für die Autohersteller „hart“, sagte Hulot und betonte: „Aber für mich eine echte Revolution.“ Dann gesteht Hulot aber selbst ein, dass Länder wie Indien den Wandel schneller vorantreiben. Dort soll mit Verbrennern schon 2030 Schluss sein.

Trotzdem ist der französische Ausstieg auch ein Signal Richtung Deutschland. Nach Randmärkten wie Norwegen und den Niederlanden hat es sich nun auch eine führende Wirtschaftsnation zum Ziel gesetzt, aus dem Verbrenner auszusteigen. In Deutschland betonen Branchenverbände wie der VDA immer noch gerne, dass der Verbrenner seine besten Jahre noch vor sich habe. Die deutschen Hersteller, die ihr Geld vor allem mit großen Premiumfahrzeugen verdienen, haben den Verbrenner noch nicht komplett aufgegeben.

Dass die Franzosen deutlich konsequenter beim Umstieg vorgehen, haben sie schon beim Diesel vorgemacht. Während in Deutschland noch über Fahrverbote diskutiert wird, sind sie in Frankreich längst beschlossene Sache. Alte Diesel dürfen in der französischen Hauptstadt Paris seit dem 1.Juli unter der Woche nur nachts fahren. Für Dieselautos, die älter als 20 Jahre sind gilt sogar schon ein komplettes Fahrverbot. Die Autofahrer müssen eine Vignette haben, die ihre Kategorie aufzeigt. Wer sie nicht hat, muss 68 Euro Strafe zahlen.

Dabei wurde auch der Diesel in Frankreich lange protegiert. Wie in Deutschland wurden die Selbstzünder steuerlich begünstigt. Seit der Dieselskandal ausbrach, geht ihr Absatz aber auch im Nachbarland spürbar zurück. Von 73 Prozent im Jahr 2012 ist ihr Anteil an den Verkäufen auf 47,4 Prozent gesunken. Hersteller wie PSA beerdigten klammheimlich Entwicklungen wie einen Diesel-Hybridantrieb.

Seit 25 Jahren versuchen die Hersteller die Gefahr von Diesel durch Filter oder andere Methoden zu reduzieren. Viele der neuen Maßnahmen machen Dieselautos immer teurer und damit auch weniger interessant für die Hersteller. Mit dem Ausstieg aus dem Verbrenner dürften die Investitionen in den Antrieb immer unattraktiver werden - vor allem wenn andere Länder dem Beispiel Frankreichs folgen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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