Märkte: Ghana ist Afrikas Wachstums-Champion

Märkte: Ghana ist Afrikas Wachstums-Champion

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von Florian Willershausen

Das westafrikanische Land ist eine Oase für Abenteurer. Deutsche Unternehmen meiden das Land bisher – auch weil sie Risiken wie Korruption und Bürokratie fürchten.

Rot ist die Schotterpiste, und es staubt. Zwei Ziegen queren die Straße, weit weg vom nächsten Zebrastreifen. An den Rändern der Dorfstraße erheben sich Lehmhütten, schwankend bahnt sich der weiße Hyundai den Weg durch die Schlaglöcher. Frank Oberschilp, ein gut gebräunter und kräftiger Mann aus Hannover, hat sich einen entlegenen Ort in Ghana für seine Fabrik ausgesucht.

Aber just an diesem tristen Ende des Städtchens Kasoa, zwei Autostunden westlich der Kapitale Accra, hat Oberschilp vor sieben Jahren ein Gelände mit Brunnen gefunden.

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Das war Voraussetzung für den Bau einer Fabrik, die Früchte verarbeiten sollte. Er bestellte die Bulldozer – und baute einfach los. Heute ist Kasoa einer der letzten Außenposten im Beschaffungsnetz des Hamburger Handelsriesen Edeka. Der Stuttgarter Obst- und Gemüsehändler Schumacher betreibt die kleine Fabrik in Ghana, in der unter Regie von Manager Oberschilp Ananas, Mango, Kokosnuss und Papaya aus der Region verarbeitet werden.

Jeden Monat verschickt er gut 100 Tonnen Fruchtfracht gen Deutschland – portioniert in 500 Gramm-Schälchen, die zwei Tage später unter der Marke Tropigha im Kühlregal von Edeka liegen.

Länderprofil Ghana

  • Löhne

    3,1 Dollar (2011, absolutes Bruttoinlandsprodukt geteilt durch BIP pro Person)

  • Bevölkerung

    25 Millionen

  • Entfernung

    5360 Kilometer von Berlin

  • Wachstum

    13,5 (BIP in Prozent)

  • Importe

    10 Milliarden Dollar (2011)

  • Ausländische Direktinvestitionen

    4 Milliarden Dollar (2011)

  • Länderrisiko

    5 (gemäß OECD-Klassifizierung: geringstes Risiko = 0 Punkte, höchstes Risiko = 7 Punkte)

  • Wertung Absatz

    42 Prozent

Oberschilp, der in Kasoa als einziger Europäer heimisch geworden ist, sieht Ghana als idealen Produktionsstandort: „Die Löhne sind niedrig, und wir sind nah am Rohstoff.“ Vor allem kann er tonnenweise Ananas- und Kokosnussschalen nach der Verarbeitung vor Ort kompostieren; in Deutschland hätte er sie teuer entsorgen müssen.

Insofern wundert es, dass Oberschilp bis heute der einzige Deutsche ist, der in Ghana produziert. Zumal die Wirtschaft des Landes im afrikanischen Westen 2011 mit einem BIP-Plus von 13,5 Prozent zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt zählt. Selbst wenn Ghana kein Öl oder Gas exportiert hätte, wäre die Wirtschaft im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent gewachsen.

Märkte von morgen

Zwar gilt Ghana mit einer Pro-Kopf-Wirtschaftskraft von 1550 Dollar als armes Land. Schon wegen der geringen Bevölkerungsgröße von 24 Millionen Einwohnern fällt das Land weniger als Absatzmarkt auf. Im Ranking der WirtschaftsWoche-Serie „Märkte von morgen“ zählt Ghana aber zu den spannendsten Beschaffungsmärkten der nächsten Dekade.

„Wir sehen Ghana als Zukunftsmarkt, der in den kommenden Jahren weiterhin sehr stark wachsen wird“, urteilt Andreas Voss von DEG Invest in Accra. Der Banker verzeichnet verstärkt Anfragen deutscher Investoren.

Ghana ist eine kleine Oase inmitten des komplizierten afrikanischen Westens. Das christliche Land gilt als politisch stabil, die Bevölkerung als aufgeweckt, wiewohl nicht immer als geschäftstüchtig.

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