Marco Annunziata: "Alle profitieren vom industriellen Internet"

InterviewMarco Annunziata: "Alle profitieren vom industriellen Internet"

Bild vergrößern

Marco Annunziata

von Matthias Hohensee

Marco Annunziata Der Chefokönom von General Electric glaubt an einen großen Wachstumsschub durch das neue Web.

WirtschaftsWoche: Herr Annunziata, Ihrer Meinung nach bringt das sogenannte industrielle Internet, auch Industrie 4.0 genannt, Herstellern und Anwendern die nächste große Wachstumswelle für mindestens die nächsten beiden Jahrzehnte. Was macht Sie da so sicher?

Annunziata: Das Produktivitätspotenzial und die Kostenvorteile sind enorm, wenn wir industrielle Maschinen und Infrastruktur mit Sensoren versehen, also beispielsweise nicht nur die Lokomotive, sondern auch die Schienen. Dadurch kann man vorbeugend reagieren, wenn sich Probleme ankündigen. Oder man kann in den Krankenhäusern die Meldungen von Sensoren nutzen, um die medizinischen Geräte besser auszunutzen. Ich vergleiche das gern mit dem Auto. Früher hat der Mechaniker unter die Motorhaube geschaut. Heute wird ein Computer angeschlossen. Der ist oft in der Lage, Probleme zu entdecken, bevor diese überhaupt auftreten.

Anzeige

Warum glauben Sie, dass das industrielle Internet jetzt vor dem Durchbruch steht?

Die erste Internet-Revolution wurde vor allem davon getrieben, dass Personal Computer erschwinglich wurden. Beim industriellen Internet sind es der gesunkene Preis von Sensoren und die niedrigen Kosten für das Speichern und schnelle Auswerten von Daten.

Wo sehen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen dem klassischen und dem industriellen Internet?

Das derzeitige Internet hat die Kommunikation zwischen Menschen verbessert und so zum Beispiel den Online-Handel ermöglicht. Beim industriellen Internet geht es um das Anbinden von Maschinen, um diese besser zu überwachen, ihre Leistung zu verbessern und sie zu koordinieren.

Hannover Messe Wie das Internet der Dinge den Maschinenbau revolutioniert

Das Internet der Dinge ist das große Thema auf der Hannover Messe. In Zukunft wissen Teile, wo sie eingebaut werden müssen und Werkzeuge warnen vor ihrem eigenen Verfallsdatum.

Quelle: dpa/Montage

Machen Sie Produktionsanlagen und Infrastruktur dadurch nicht anfälliger für Gaunereien und Terrorattacken?

Jede neue Technik schafft weitere Angriffsflächen. Keine Frage, wir brauchen bessere Abwehrmethoden. Aber ich bin optimistisch, dass wir die Angriffe auf ein Minimum reduzieren können.

Was macht Sie so optimistisch? Die Attacken werden doch immer ausgefeilter.

Das Potenzial des industriellen Internets ist so gigantisch, dass wir es uns nicht leisten können, es nicht voranzutreiben. Nehmen Sie das Bankgeschäft: Da ist mittlerweile alles online. Natürlich wird das von Kriminellen attackiert. Aber es ist niemals so schlimm geworden, dass das gesamte System infrage gestellt wurde. Banken können es sich gar nicht leisten, auf Online-Banking zu verzichten.

Welche Auswirkungen hat das industrielle Internet auf das Geschäft von Konzernen wie General Electric?

Unser Geschäftsmodell ist schon immer ein Mix aus dem Verkauf von Hardware und Dienstleistungen gewesen. Künftig werden Dienstleistungen noch wichtiger werden – vor allem jene, die Daten der Maschinen auswerten und ihre Bedienung effizienter machen. Dazu haben wir im Silicon Valley ein neues Entwicklungszentrum für Software eingerichtet.

weitere Artikel

In einer Studie behaupten Sie, dass das industrielle Internet die Einkommen der Menschen um bis zu 30 Prozent erhöhen könnte. Profitiert vielleicht nicht nur eine kleine Elite von IT-Spezialisten, während alle anderen verlieren?

Nein. Ich denke, dass alle davon profitieren, vor allem weil ein großer Markt entsteht, der die Kluft der Einkommensverhältnisse sogar etwas schließen könnte. Von der Globalisierung beispielsweise waren ja die einfachen Arbeiter in den entwickelten Ländern betroffen, die billige Konkurrenz durch die Schwellenländer bekamen. Mit dem industriellen Internet werden auch die höher qualifizierten Angestellten mehr Wettbewerb bekommen. Gleichzeitig könnte das industrielle Internet die Wachstumsraten in den entwickelten Ländern auf den Stand Mitte der Neunzigerjahre hieven, also auf etwa drei Prozent. Diese erhöhte Produktivität wird das Lohnniveau wiederum anheben.

Das Internet hat eine Reihe von Aufsteigern hervorgebracht wie Amazon, Ebay oder Google, die heute Weltmarken sind. Werden wir solche Newcomer auch im industriellen Internet sehen?

Das ist schwer zu sagen. Einen Vorteil hat man sicherlich, wenn man die Maschinen konstruiert und die nötigen Softwaredienstleistungen dafür entwickeln kann. Wir sehen uns da bei General Electric gut aufgestellt. Gewinner werden aber auch Unternehmen sein, die diese vernetzten Maschinen besonders effizient einsetzen und Businessmodelle darum entwickeln. Vielleicht wird da ein neues Google darunter sein.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%