Marijn Dekkers: "Wir verlängern Leben, doch das dankt uns keiner"

ThemaBayer

InterviewMarijn Dekkers: "Wir verlängern Leben, doch das dankt uns keiner"

Bild vergrößern

Marijn Dekkers

von Jürgen Salz, Reinhold Böhmer und Roland Tichy

Der Bayer-Konzernchef beklagt die mangelnde Anerkennung der Pharmaindustrie, glaubt an die Energiewende und sorgt sich um die Zukunft des Chemiegeschäfts.

WirtschaftsWoche: Herr Dekkers, Sie sind der erste Bayer-Vorstandschef, der von außen kommt. Als Sie vor etwa vier Jahren antraten, galten Sie als harter Sanierer. Sind Sie inzwischen weich gespült?

Dekkers: Überhaupt nicht! Ich würde ein Unternehmen auch komplett neu aufstellen, wenn nötig; das habe ich in den USA schon einmal getan. Das ist aber bei Bayer nicht notwendig. Mich hat dieses Unternehmen gereizt, weil es tolle Möglichkeiten für Innovationen bietet.

Anzeige

Sie haben lange in den USA gearbeitet. Woran merken Ihre Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden, dass Sie trotz Ihrer niederländischen Herkunft ein amerikanisch geprägter Konzernlenker sind?

Vielleicht daran, dass ich erfolgreich einige positive Seiten amerikanischer Management-Denke bei Bayer verankert habe. Zum Beispiel: Es ist nicht genug, hervorragende Innovationen zu entwickeln, sondern man muss die auch gut vermarkten und verkaufen.

Sie meinen damit die Forscher bei Bayer, die traditionell sehr viel auf sich halten?

Ganz klar, Bayer hatte immer und hat noch heute eine sehr gute Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen hat seine innovativen Produkte meiner Meinung nach aber nicht immer gut genug vermarktet. Darauf habe ich stärker geachtet und dabei haben wir viele Fortschritte gemacht.

Wo haben Sie konkret etwas verändert?

Im Agrargeschäft hatten wir Ende vergangenen Jahrzehnts zwar innovative Pflanzenschutzmittel, aber mit den Marktanteilen war ich nicht zufrieden. Bis Ende dieses Jahres werden wir durch gezieltes Marketing in den Kernländern USA, Brasilien, Inden und China unsere Marktanteile gegenüber 2011 um zwei Prozentpunkte steigern.

Bayer Blutverdünner soll lebensgefährliche Nebenwirkungen auslösen

Eine solche Zahl von Neuentwicklungen hat es bei Bayer seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Doch ausgerechnet beim hoffnungsvollsten Präparat, dem Thrombosemittel Xarelto, häuft sich die Kritik.

Aspirintablette von Bayer Quelle: dapd

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und der Pflanzenschutz ist nicht der Bereich, für den Bayer berühmt ist.

Sie denken an unsere Pharmasparte. Hier erwarten wir, dass allein unsere fünf neuen Top-Medikamente dieses Jahr für einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro sorgen: Xarelto gegen Thrombosen, Stivarga und Xofigo gegen Krebs, das Augenmittel Eylea sowie das Lungenmedikament Riociguat, das im zweiten Halbjahr 2013 die Zulassung in den USA erhalten könnte. Wir schätzen das kombinierte Spitzenumsatzpotenzial dieser Produkte auf über 5,5 Milliarden Euro. Eine solche Reihe innovativer Medikamente hat es bei Bayer seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

Das sind doch alles Medikamente, die unter Ihrem Vorgänger Werner Wenning entwickelt wurden. Was ist Ihr Beitrag?

Das Tempo und der Markterfolg. Nehmen Sie Xarelto, den neuen Blutgerinnungshemmer. Hier sind wir seit Mai dieses Jahres weltweit Marktführer bei den Anti-Thrombosemitteln, obwohl einer unserer Wettbewerber...

...Ihr deutscher Hauptkonkurrent Boehringer Ingelheim...

...mit seinem Präparat zwölf Monate vor uns am Markt war.

Den Erfolg mit Krebspräparaten verdanken Sie auch dem kalifornischen Unternehmen Onyx, das für Bayer entwickelt. Nun wird der US-Konzern Amgen Onyx übernehmen. Verlieren Sie einen wichtigen Verbündeten im Pharmageschäft?

Sie sehen mich entspannt. Bayer arbeitet gemeinsam mit Onyx seit Jahren erfolgreich zusammen. Die Zusammenarbeit ist vertraglich klar geregelt, die Klauseln gelten auch unter dem Dach von Amgen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%