Maschinenbau: Manrolands Insolvenz gibt Anlass zur Hoffnung

Maschinenbau: Manrolands Insolvenz gibt Anlass zur Hoffnung

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Ohne Auffangbecken. Die Mitarbeiter des Druckmaschinenbauers Manroland gehen am Verwaltungssitz in Augsburg auf die Straße.

von Lothar Schnitzler

Der insolvente Druckmaschinenbauer Manroland wird kaum überleben. Ein Ende wäre eine Sauerstoffdusche für die Branche.

Es gab wieder Grund zur Hoffnung. Nach Jahren des Niedergangs kamen sie endlich, die guten Meldungen. Das erste Halbjahr sei gut gelaufen, erklärte Vorstandschef Gerd Finkbeiner, der Vorstand von Manroland peile für 2011 eine Milliarde Euro Umsatz an. Eine „schwarze Null“ im Kerngeschäft – ohne Sanierungskosten – sei für dieses Jahr durchaus möglich. Das war im Sommer, und Ende Oktober setzte Finkbeiner sogar er noch eins drauf: Der September, ließ er auf der Zeitungsmesse Ifra Expo in Wien verlauten, sei bei den Aufträgen einer der besten Monate seit Langem gewesen.

Alles vergeblich, Schall und Rauch. Nicht nur, dass Finkenbeiner vor dem Augsburger Insolvenzgericht Konkurs anmelden musste. Seit dem Schritt vorvorige Woche deutet vieles auf ein endgültiges Aus für den über 150 Jahre alten Druckmaschinenbauer hin. Für eine Rettung spricht so gut wie nichts. Bestenfalls kleine Teile des deutschen Traditionsunternehmens könnten einen Abnehmer finden. „Manroland ist nicht aus heiterem Himmel in die Insolvenz gerutscht“, sagt Analyst Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg. „Das war ein jahrelanger Niedergang.“

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Den zu überleben scheint so ziemlich unmöglich. Denn der Druckmaschinenriese mit 6500 Beschäftigten stellt ausgerechnet Zeitungsdruckmaschinen her. Deren Bedarf geht unaufhaltsam zurück. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sank die Nachfrage nach den bis zu 450 Tonnen schweren Anlagen um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während die Gesamtnachfrage nach Druckmaschinen nur um fünf Prozent nachgab. Fast jede fünfte frisch ausgelieferte Zeitungsrotation weltweit stammt von Manroland.

Chinesen fallen aus

Die weiteren Gründe für die geringen Überlebenschancen des weltweiten Branchendritten sind schon länger bekannt. Zum einen werden die Druckmaschinen immer leistungsfähiger. Eine moderne Anlage ersetzt zwei alte. Zum anderen spüren die Hersteller die Auswirkungen des Internets. Der Weltdruckmarkt erodiert schleichend. Konnten die Drucker der Welt vor vier Jahren noch zusammen 491 Milliarden Euro Umsatz generieren, so waren es im vergangenen Jahr nur rund 430 Milliarden Euro, Inflationseffekte nicht eingerechnet.

Und schließlich sägt auch der Digitaldruck, wie ihn die Copyshops mit Maschinen von Canon, Xerox oder Kodak betreiben, am klassischen Druckgeschäft. Manroland ist zwar wie andere Druckmaschinenhersteller auch in den Digitaldruck eingestiegen, doch zu spät und nicht mit eigenen Entwicklungen.

Die beiden großen Konkurrenten Heidelberger Druckmaschinen und Koenig & Bauer AG (KBA) sind von diesen Trends weniger hart betroffen. Heidelberger ist in dem notleidenden Geschäft mit der Zeitungsrotation nicht vertreten. Und bei der KBA hat das Management früher als anderen mit dem Umbau des Unternehmens begonnen. Der vor vier Wochen aus Altersgründen ausgeschiedene KBA-Chef Helge Hansen startete schon 2008 mit einem radikalen Stellenabbau. Von den einst rund 8200 Arbeitsplätzen sollen nur 5500 erhalten bleiben.

Damit kommen weder Heideldruck noch KBA als mögliche Auffangbecken für Manroland infrage. „Die Wettbewerber werden kaum Interesse haben, sich weitere Überkapazitäten ans Bein zu binden“, sagt Analyst Maichl.

Aber auch auf einen Retter aus China können die „Roländer“, wie sich die Mitarbeiter nennen, kaum hoffen. Der einzige wahrscheinliche Kandidat, der Staatskonzern Shanghai Electric, hat 2010 den US-Rollendruckmaschinenbauer Goss komplett übernommen. Doch Goss macht den Chinesen wenig Freude. Das Unternehmen mit rund 4000 Beschäftigten hält im Zeitungsdruck rund acht Prozent des Weltmarktes und ist zurzeit vor allem mit der Sanierung seiner Standorte in den USA und in Frankreich beschäftigt.

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