Medizinsparte "Healthineers": Siemens prüft mehrere Wege zur Börse

Medizinsparte "Healthineers": Siemens prüft mehrere Wege zur Börse

Die Medizinsparte von Siemens schnitt im zweiten Quartal schlechter ab als der Rest des Unternehmens und soll nun an die Börse. Wie das gelingen soll? Zwei bis drei Optionen stehen im Raum.

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Die Medizinsparte des Technologiekonzerns Siemens soll an die Börse.

Siemens prüft für den Börsengang seiner milliardenschweren Medizintechnik-Sparte verschiedene Varianten. "Zwei oder drei" Optionen stünden für den auf den Kunstnamen Healthineers getauften Bereich im Raum, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas am Donnerstag und verwies auf den üblichen Baukasten: einen Verkauf neuer Aktien am Markt, eine Übertragung der neuen Papiere an die Siemens-Aktionäre oder einen Zusammenschluss der Sparte mit einem bereits an der Börse gelisteten Unternehmen. Thomas sprach von "sehr interessanten Alternativen". Das Geschäft mit der Medizintechnik floriert - allerdings blieb der Gewinn der Geschäftseinheit im abgelaufenen Quartal hinter den Markterwartungen zurück.

Alle drei Listing-Varianten hat der Technologiekonzern in der Vergangenheit genutzt: Der Chiphersteller Infineon wurde über ein klassisches Initial Public Offering (IPO) an der Börse verkauft. Den Beleuchtungsspezialisten Osram verschenkte Siemens zum Großteil an seine eigenen Aktionäre. Zuletzt brachten die Münchner ihr Windkraft-Geschäft an den Aktienmarkt, indem sie es mit dem börsennotierten spanischen Konkurrenten Gamesa fusionierten. Anders als bei Osram und Infineon behielt Siemens am Windkraftgeschäft die Mehrheit.

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Ein Börsengang über eine Fusion ließe sich relativ rasch bewerkstelligen. In Finanzkreisen hieß es, Siemens habe die kalifornische Varian Medical Systems als einen möglichen Fusionspartner für Healthineers ins Auge gefasst. Varian ist an der New Yorker Börse 8,6 Milliarden Dollar wert, die viermal größere Siemens-Sparte wird auf 30 bis 40 Milliarden Euro veranschlagt. Varian war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Thomas äußerte sich zu einem Börsengang durch die Hintertür wie bei Gamesa zurückhaltend: "Ob daraus eine Blaupause entsteht, das wage ich zu bezweifeln." Die Situation im Windkraftgeschäft sei eine besondere gewesen. Siemens hatte bereits bei der Anbahnung des Deals in Spanien erkennen lassen, dass die geschäftliche Ergänzung beider Firmen und nicht Gamesas Börsennotierung im Vordergrund stand.

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Siemens Quelle: dpa

Ein Kandidat für den Dax

Um die Vorbereitungen für den Börsengang von Healthineers war es zuletzt still geworden, obwohl Investoren derzeit sehr aufnahmebereit für neue Unternehmen an der Börse sind. Deshalb gab es Fragezeichen, ob die Sparte überhaupt noch in diesem Jahr an die Börse gehen würde. Thomas beschwichtigte: "Die Schlussfolgerung, dass sich da etwas verzögert, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen." Er sehe keinen Grund zur Eile. Zwar sei das Marktumfeld momentan günstig. "Aber wir stellen auch nicht fest, dass das Marktumfeld morgen ungünstig ist." Bei einem klassischen Börsengang - sofern er in Frankfurt über die Bühne gehen würde - wäre Healthineers ein Kandidat für den Leitindex Dax, der derzeit von einem Rekord zum nächsten klettert. Siemens hat auch eine Börsennotiz in New York nicht ausgeschlossen.

Mit der separaten Notierung von Healthineers - seiner renditestärksten Sparte - zielt Siemens vor allem auf einen höheren Wert für die Aktionäre (Shareholder Value) ab. Anders als beim klassischen Börsengang käme bei einer reinen Abspaltung oder einer Fusion aber zunächst weder bei Siemens noch bei Healthineers Geld in die Kasse.

Ausblick etwas optimistischer

Die Medizintechniksparte war im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 der einzige Geschäftszweig, der die hoch gesteckten Markterwartungen trotz Gewinnzuwächsen verfehlte. Der Betriebsgewinn kletterte um sechs Prozent auf 588 Millionen Euro - Branchenexperten hatten mit 620 Millionen gerechnet. Der Umsatz von Healthineers legte um vier Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu.

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Der Gesamtkonzern schlug sich besser als erwartet, auch wenn der Überschuss nach Anteilen Dritter bei 1,45 Milliarden Euro stagnierte. Der Umsatz zog um sechs Prozent auf 20,2 Milliarden Euro an, der Auftragseingang kletterte um zwei Prozent auf 22,6 Milliarden Euro.

Deshalb blickt der Vorstand nun etwas optimistischer nach vorn. In dem bis September laufenden Geschäftsjahr soll der Überschuss auf bis zu 6,5 Milliarden Euro steigen, 2015/16 waren es 5,6 Milliarden Euro. Neu dabei ist: Siemens berücksichtigt in dieser Prognose nun die Integrationskosten für die Fusion seiner Windkraftsparte mit Gamesa und für den Kauf des US-Softwarespezialisten Mentor Graphics. Bislang waren diese Sonderbelastungen nicht eingerechnet.

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