
Die Hirsch-Apotheke gibt es noch, mitten in der Frankfurter City, auf der Zeil 111. Hier, in dem 1462 gegründeten Medikamentenladen, entstand der Gesundheitskonzern Fresenius, der in der höchsten deutschen Börsenliga, dem Dax, mitspielt. Hier wurzelt letztlich auch die Karriere der Unternehmerin Else Kröner, die Fresenius groß machte und später ihr Vermögen in eine Stiftung überführte, die den Konzern bis heute beherrscht.
Fresenius zählt mit 16 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 137 000 Mitarbeitern zu den weltweit größten Medizinkonzernen. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) ist eine der größten Privatstiftungen in Deutschland. Von Bad Homburg bei Frankfurt aus beherrscht sie zwei Konzerne als Großaktionär: neben Fresenius auch die ebenfalls im Dax notierte Tochter Fresenius Medical Care (Dialysegeräte).
Bild: dpaBertelsmann Stiftung
Die Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet Der Anteil der Stiftung am Unternehmen beträgt 78 Prozent. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Internationale Verständigung und Kultur.
Umsatz: 15,8 Mrd. Euro
Rendite: 11,7 %
Eigenkapitalquote: 35 %
Bild: dapdWichtige deutsche Stiftungen:
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
1967 ging das Vermögen des verstorbenen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in die gleichnamige Stiftung über. Die Stiftung hält derzeit einen Anteil in Höhe von 25 Prozent am Unternehmen. Präsident der Stiftung ist seit Jahrzehnten Berthold Beitz, der langjährige Generalbevollmächtigte des Krupp-Konzerns.
Umsatz: 49,1 Mrd. Euro
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 1,1
Eigenkapitalquote: 24 %
Bild: dpaRobert Bosch Stiftung
Die Stiftung, die 1964 gegründet worden ist, hält einen Anteil in Höhe von 92 Prozent an dem Unternehmen. Der Sitz der Stiftung befindet sich in Stuttgart, im ehemaligen Wohnhaus von Robert Bosch. Gesundheit und Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur, Völkerverständigung, Bildung und Gesellschaft sind die Hauptschwerpunkte der Stiftung.
Umsatz: 47,3 Mrd. Euro
Rendite: 7,4
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 8,1
Eigenkapitalquote: 50 %
Bild: dpaElse-Kröner-Fresenius-Stiftung
1983 gründete Else Kröner die Stiftung, die 29 Prozent am Unternehmen hält. Zunächst erhielt die Stiftung ein Startkapital in Höhe 50.000 Mark. Nach dem Tod von Else Kröner, die überraschend im Alter von 63 starb, erhielt die Stiftung ihr komplettes Privatvermögen: unter anderem 95 Prozent des Fresenius-Stammkapitals. Ziel der Stiftung ist unter anderem die Förderung medizinischer Projekte und Forschungen, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sein sollen.
Umsatz: 16 Mrd. Euro
Rendite: 15,1 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 1,5
Eigenkapitalquote: 38 %
Bild: dpaZeppelin-Stiftung
Die Stiftung hält 94 Prozent an der ZF Friedrichshafen AG. Gegründet wurde sie 1908 von Ferdinand Graf von Zeppelin aus einer Vielzahl von Bürgerspenden. 1947 fiel das Stiftungsvermögen an die Stadt Friedrichshafen, die die Stiftung weiterführt. Sie unterstützt mildtätige und gemeinnützige Zwecke, beispielsweise in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur.
Umsatz: 12,9 Mrd. Euro
Rendite: 5,2 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 5,0
Eigenkapitalquote: 37 %
Bild: dpaCarl Zeiss
Die Stiftung hält einen Anteil in Höhe von 100 Prozent am Unternehmen. Gegründet wurde sie 1889 von Ernst Abbe, der sie nach seinem 1888 verstorbenen Geschäftspartner Carl Zeiss benannte. Der Zweck der Stiftung: Die wirtschaftliche Sicherung der Unternehmen Carl Zeiss und Schott Glaswerke und die soziale Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern. Zudem soll die Forschung und die Lehre in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaft gefördert werden.
Umsatz: 4,2 Mrd. Euro
Rendite: 14,3 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 8,5
Eigenkapitalquote: 28 %
Bild: dpaCarl Zeiss Stiftung
Die Stiftung hält 100 Prozent an dem Unternehmen Jenaer Glaswerk Schott & Genossen.
Umsatz: 2,9 Mrd. Euro
Rendite: 6,5 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 3,0
Eigenkapitalquote: 25 %
Bild: dpaDiehl Stiftung
Die Stiftung wurde 1902 gegründet, seit 1998 wird das Unternehmen als Familienstiftung & Co. KG geführt.
Umsatz: 2,7 Mrd. Euro
Rendite: 6,5 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 9,2
Eigenkapitalquote: 22 %
Bild: dpaKörber Stiftung
Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 1959, sie ist heute alleinige Aktionärin der Körber AG. Ihre Engagements liegen in den Bereichen Internationale Politik, Bildung, Wissenschaft, Gesellschaft und Junge Kultur.
Umsatz: 1,7 Mrd. Euro
Rendite: 10,8 %
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 5,6
Eigenkapitalquote: 58 %
Bertelsmann Stiftung
Die Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet Der Anteil der Stiftung am Unternehmen beträgt 78 Prozent. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Internationale Verständigung und Kultur.
Umsatz: 15,8 Mrd. Euro
Rendite: 11,7 %
Eigenkapitalquote: 35 %
Doch so erfolgreich die 1988 verstorbene Stifterin Else Kröner als Unternehmerin wirkte, so umstritten ist ihre Stiftung. Interne wie externe Kritiker beklagen, dass die EKFS zu viel Geld ins Unternehmen stecke und zu wenig für ihre eigentlichen Zwecke ausschütte: die Förderung der biomedizinischen Forschung sowie medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. 2011 summierten sich Fördergelder auf 21,6 Millionen Euro, bei einem Vermögen von drei Milliarden Euro. „Das ist zwar deutlich mehr als noch vor einigen Jahren, aber sicher noch steigerungsfähig“, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär beim Bundesverband Deutscher Stiftungen, „im Vergleich zu anderen Stiftungen liegt die Ausschüttungssumme bei der EKFS immer noch niedrig.“ Von einem „gewissen Missverhältnis“ spricht der Bonner Steuerrechtler Rainer Hüttemann.
Hilfe vom Apotheker
Die Stieftochter der Stifterin, Gabriele Kröner, ging juristisch gegen die ihrer Meinung nach zu geringe Fördersumme vor. Zudem prangerte sie die Machtfülle des Stiftungs-Verwaltungsratschefs Dieter Schenk an, der sowohl in der Stiftung als auch in den Unternehmen entscheidende Fäden zieht. „Die Stellung von Schenk ist im deutschen Stiftungswesen relativ einzigartig“, sagt Stiftungs-Generalsekretär Fleisch. Mit ihren Argumenten konnte sich Gabriele Kröner allerdings bei der Stiftungsaufsicht nicht durchsetzen.
Der Ärger begann erst Jahre nach dem Tod der Stifterin. 1983 hatte sie nach dem Vorbild der Robert Bosch Stiftung die Else Kröner- Fresenius-Stiftung gegründet. „Etwas Positives“ wollte Else Kröner, geborene Fernau, tun, da sie selbst Hilfsbereitschaft erfahren hatte. Sie war in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, ihre Mutter arbeitete als Haushälterin bei Eduard Fresenius, dem Inhaber der Hirsch-Apotheke. Neben der Apotheke betrieb Fresenius ein eigenes Unternehmen, er entwickelte dort etwa Hautpräparate und Infusionslösungen.
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