Milchpreise steigen: Landwirte sehen Krise noch nicht beendet

Milchpreise steigen: Landwirte sehen Krise noch nicht beendet

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Die Milchpreise steigt erneut.

Ein halbes Jahr lang stehen die Milchpreise fest. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde haben Molkereien höhere Preise durchsetzen können. Und das, obwohl die Milchmenge im Frühjahr besonders groß ist.

Milch wird für die Verbraucher in Deutschland erneut teurer. Nach dem Stichtag der neuen Halbjahresverträge mit Molkereien heben die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd ihre Preise für Milch um bis zu fünf Prozent an. Aber auch Butter wird Anfang Mai um bis zu 8,4 Prozent bei den beiden Discountern teurer und kostet nun wieder so viel wie schon zum Jahresbeginn 2017.

Die Milchwirtschaft berichtet von einer starke Nachfrage nach Butter durch die Lebensmittelindustrie. Im Export liefen insbesondere die Geschäfte mit Käse gut. Die schwere Krise der Milchbauern in den vergangenen Jahren ist nach einer Verbandseinschätzung noch nicht ausgestanden. Zahlreiche Bauern müssten Kredite zurückzahlen.

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Der 1. Mai ist der Stichtag für neue Halbjahresverträge zwischen Molkereien und Handelskonzernen für Trinkmilch sowie eine Reihe von Milchprodukten in unteren Preislagen. An den Aldi-Preisen orientieren sich üblicherweise auch die Supermarkt-Riesen. Daher wird erwartet, dass weitere Lebensmittelhändler bei den Anhebungen mitziehen. Bereits Anfang November war Milch teurer geworden - sogar deutlich.

Der komplizierte Milchmarkt

  • Die Überproduktion

    Die Produktion in den führenden Milcherzeugerländern ist weltweit überproportional gewachsen.  Der Hauptgrund dafür sind die hohen Preise der Vergangenheit.

    Bei mehr als 40 Cent pro Liter, die die Bauern zwischenzeitlich einheimsten, war die Milchproduktion ein durchaus profitables Geschäft. Also haben sie Kühe gekauft, um mehr zu produzieren und mehr Geld zu verdienen. Aus Sicht jedes einzelnen Bauern ein logisches Verhalten. Wenn aber sehr viel Bauern so handeln, gibt es irgendwann insgesamt zu viel Milch auf dem Markt - und wenn sich die Nachfrage nicht im gleichen Maß erhöht, sinkt der Preis wieder. Für die sinkende Nachfrage gibt es ebenfalls benennbare Gründe.

  • Gesunkene Nachfrage

    Zum einen sorgen das Russland-Embargo für einen Rückgang im Milchexport. Zum anderen sorgt die dauerhaft geringe Milchpulver-Nachfrage Chinas, als größtem Abnehmer der deutschen Milch, für Überkapazitäten am Markt. Zusätzlich sinkt die Kaufkraft der Erdöl exportierenden Staaten, die ein Drittel der weltweit gehandelten Milchprodukte importieren, aufgrund des gefallenen Ölpreises.

  • Ende der Milchquote

    Die Milchquote wurde 1984 von der damaligen Europäischen Gemeinschaft eingeführt, um die Milchproduktion in den Mitgliedsstaaten zu beschränken. Sie war eine Reaktion auf die steigende Agrarproduktion, die bereits Ende der 1970er-Jahre zu den sprichwörtlichen Milchseen und Butterbergen geführt hatte. Die Überschüsse wurden teuer vom Markt gekauft. Ursprünglich nur für fünf Jahre geplant, wurde die Quote immer und immer wieder verlängert. Wer mehr Milch als vereinbart produzierte, musste eine sogenannte Superabgabe zahlen. Bis zum April 2015. Ab jetzt durften die Erzeuger soviel Milch produzieren wie sie wollen und können. Die Quote wird vor allem wegen anhaltender Erfolgslosigkeit abgeschafft. Butterberge und Milchseen wurden zwar kleiner. Die Preise schwankten allerdings trotzdem.

  • Strukturwandel in der Milchwirtschaft

    In den 50er Jahren war schon ein großer Milchbauer, wer zehn Kühe besaß. Um zu existieren, müsste ein Betrieb in dieser Größe heute Milchpreise von mehreren Euro pro Liter verlangen. Das geht nicht. In Deutschland gab es 1996 noch 186.000 Milchbauern, heute liegt ihre Zahl etwa bei 101.000. Sie sinkt jährlich um etwa fünf Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt hält ein deutscher Milchbauer bis zu 60 Tiere. Aber fast die Hälfte aller Betriebe besteht aus 100 und mehr Kühen.

Im Detail hoben Aldi Nord und Aldi Süd Anfang Mai ihre Preise für Frischmilch und H-Milch am Dienstag um jeweils 3 Cent je Liter an, wie die Unternehmen auf Anfrage mitteilten. Je nach Fettgehalt kostet der Liter damit nun 63 Cent beziehungsweise 68 Cent. Das entspricht Steigerungen von 4,6 und 5 Prozent. Auch laktosefreie Milch wurde bei den beiden Schwesterunternehmen teurer. Aldi Süd hob auch den Preis für seine bayrische Bauernmilch an.

Das 250-Gramm Stück Deutsche Markenbutter kostet seit Dienstag bei Aldi Nord 1,29 Euro. Das sind 10 Cent beziehungsweise 8,4 Prozent mehr als bisher. Bei Aldi Nord stiegen zudem auch die Preise für Bio-Butter und irische Butter um jeweils 10 Cent je Packung. Aldi Süd äußerte sich am Dienstag zunächst nicht zu den Butterpreisen.

Milch wird deutlich teurer Aldi erhöht Milchpreis

Deutschlands Milchbauern klagen seit Langem über niedrige Preise. Jetzt haben ihre Molkereien in den Verhandlungen bessere Konditionen durchgesetzt - im Supermarkt wird Milch deswegen deutlich teurer.

Milch von Aldi Süd wird bald teurer. Quelle: dpa

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen wies darauf hin, dass lose Butter für die Lebensmittelindustrie derzeit sogar teurer sei als die abgepackte Butter für die Endverbraucher. „Im Moment ist dieses Phänomen da“, sagte Sprecher Frank Maurer. Dies zeige die starke Butter-Nachfrage durch die Lebensmittelindustrie. Wie der Milchindustrie-Verband berichtet, ist die Nachfrage nach Butter und Käse auf den internationalen Märkten derzeit groß.

Nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter sind aber weitere Preisanhebungen erforderlich. Für einen Liter Rohmilch bekämen die Bauern derzeit im Schnitt etwa 30 Cent. Für ein nachhaltiges Wirtschaften müssten es aber mehr als 40 Cent je Liter sein. In den Krisenjahren 2015 und 2016 hätten viele Milchbauern Kredite aufnehmen müssen, um überleben zu können. Diese Kredite müssten nun abgetragen werden. „Die Krise ist einfach nicht vorbei für uns“, sagte der Sprecher des Verbandes, Hans Foldenauer.

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